
Nein, es ist kein Versehen, dass es Abram und Sarai sind, die hier die Sterne betrachten und nicht Abraham und Sarah. Denn es ist der Beginn jener Geschichte, die aus Abram und Sarai erst Abraham und Sarah machen soll.
Was Mann und Frau hier tun, steht so nicht in der biblischen Geschichte. Es wird nicht berichtet, dass sich beide die Sterne ansahen, denn die Bibel scheint manchmal wenig romantisch und verdichtet erzählt sie von wichtigen Ereignissen, ohne Rücksicht auf unseren Hunger nach Ausschmückung und Gefühlen zu nehmen. Dafür aber lässt sie Raum für andere menschliche Fähigkeiten: der Kraft der Vorstellung und der Kraft des Verstandes. Beiden setzt sie sich aus und hat dennoch oder vielleicht gerade deswegen die Jahrhunderte, Jahrtausende überdauert.
Wovon aber berichtet wird, ist das Versprechen Gottes an Abraham, dass er einen Sohn bekommen wird, aus dem ein großes Volk hervor geht, ja so zahlreich wie die Sterne sollen sie sein, die Nachkommen Abrahams, dass niemand sie je ganz erfassen und zählen kann. Und tatsächlich wird immer wieder davon berichtet, dass man Israel zählt, doch nie wird ihre Zahl vollständig erfasst. Das ist bis heute so.
Abram und Sarai betrachten die Sterne. Nach dem Versprechen Gottes und nach der Erfüllung dieses Versprechens wird nichts mehr so sein wie zuvor, selbst ihre Namen ändern sich. Aus Sarai wird Sarah. Das bedeutet Fürstin, Herrin. Aus Abram wird Abraham. Das bedeutet Vater vieler Völker.
Die Sterne sind überwältigend, denn die Vision für die Zukunft ist unglaublich überwältigend. Aus ihrer Linie werden Könige, Priester, Propheten, Dichter, Denker und der Messias hervor gehen. Wer kann das erfassen? Und es ist etwas, das alles bewegt und ändert, den ganzen Menschen und damit seinen Namen, der den Hebräern als Ausdruck des Wesens eines Menschen, einer Person gilt.

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