Joab – Kapitel 15 – Blut bei Gat und Ziklag

Joab

Blut bei Gat und Ziklag

Joab setzte sich breitbeinig in den Staub, stieß sein Schwert in die Erde und nahm eine Hand voll davon, um das Blut von der Klinge zu reiben. Seit sie bei den Philistern waren, wichen die bronzenen Waffen nach und nach den eisernen. Sie reagierten aber auf Blut wie auf Wasser und setzten Rost an, wenn man sie nicht sauber hielt. Wasser war in der Trockenzeit zu kostbar, also rieb Joab mit dem gelben Staub langsam die feuchten, bräunlichen Flecken vom Schwert.

Sein Bruder Asaël beobachtete ihn dabei. Er fragte, warum sie über die Amalekiter hergefallen waren, obwohl sie ihnen doch nicht gedroht hatten. Joab blickte auf und hieß seinen jüngsten Bruder mit einem finsteren Blick schweigen. Doch dieses Mal ließ er sich nicht einschüchtern. Er hatte selbst zu viel Blut vergossen. als dass er noch Furcht vor Joab gehabt hätte.

Es ist Amalek, antwortete Joab. Fragend und fordern stand der Junge vor ihm. Joab fiel auf, dass auf die schlanken Linien seines Bruders sehnige Muskeln getreten waren, Muskeln des Wanderns und des Kampfes. Er war ein Mann. Joab winkte ihn heran und ließ ihn sich setzen.

Es ist Amalek, wiederholte er und rieb weiter sein Schwert. Amalek ist zu dieser Zeit schwach, aber es kehrt zu Stärke zurück. Hast du von den Priestern nicht gehört, was sie taten, als unser Volk heraufkam vom Strom der Ägypter? Unser Volk war wanderndes Hirtenvolk, nicht erprobt im Bau von Städten oder im Kampf. Wir suchten nach Nahrung und Wasser für unser Vieh und unsere Kinder, so wie es alle Hirtenvölker schon immer getan haben. Du weißt es, du warst selbst bei den Schafen Isais.

Asaël nickte. Er steckte sein eigenes Schwert in den Staub und rieb es trocken. Seine Klinge war nicht so blutig wie die seines Bruders. An Joabs Händen jedoch trocknete das reichlich vergossene Blut der Amalekiter bereits.

Unsere Ältesten verhandelten mit denen, die ringsum in festen Städten wohnten. Sie boten Gold und Vieh für Wasser und freien Durchzug. Einige gestatteten es, andere nicht. Um diese Stämme zogen wir herum. Frage die Priester, sie sagen es dir genau, wer uns ziehen ließ und wer nicht. Weißt du nicht, dass jedes Volk zu unserem Gott treten darf und bitten darf, in das Haus Israel aufgenommen zu werden? Nur Amalek nicht.

Warum, fragte Asaël. Er war noch so jung. Vielleicht sollte er statt zu kämpfen auch einige Zeit bei dem Priester Abjatar zubringen. Doch das war nicht das Teil der Söhne Zerujas. Joab seufzte und begutachtete sein gereinigtes Schwert. Die Amalekiter waren das einzige Volk, das uns angriff, damals, als wir schwach waren von der langen Wanderung, als die Frauen und Kinder, die Alten und das lahmende Vieh weit hinter die kampfesfähigen Männer zurückfielen. Sie töteten alles Fleisch ohne Nachsicht. Deshalb dürfen sie niemals Zugang haben zu unserem Gott, unserem Volk. Und es herrscht immer Krieg zwischen uns und ihnen, zwischen unserem Gott und ihren Göttern.

Aber es waren die Männer, die angriffen, nicht die Frauen und die Kinder, wandte Asaël ein.

Ja, gab Joab zu, aber sie töteten unsere Frauen und Kinder. Und sie tun das bis zum heutigen Tag. Und wir tun ihnen dasselbe. Deshalb werden sie nie Zugang haben zu unserem Gott. Sie sind gebannt.

Asaël nickte. Er gab sich damit zufrieden, auch wenn er weiter brütete. Der Befehl Dawids war eindeutig gewesen. Schwächt die Amalekiter und die umliegenden Stämme, lasst keinen am Leben, dass niemand uns verrät an Achisch, den Philister-König von Gat. Wir bringen ihm einen Teil der Beute, den anderen behalten wir für uns und unsere Frauen und Kinder.

Dafür lässt er uns wohnen in Ziklag, im Süden von Kalebs Gebiet, es ist ganz unser. Er soll denken, wir wären seine Verbündeten und hätten Israel verraten. Doch in seinem Rücken schwächen wir ihn und alle anderen, die Israel entgegenstehen. Nur so wird das Haus Israel Bestand haben, wenn Schaul dereinst fällt und ich um das Königtum ringen muss.

Joab stimmte mit diesem Plan überein. Er würde jeden Befehl Dawids entgegennehmen und ausführen, solange er nicht gegen das Heiligste Gottes verstieß oder wie Schaul seinen Verstand verlor. Dennoch war das Blut von Frauen und Kindern anders als das von Männern. Es rann schwerer und dicker auf die Erde, es schien fester an der Klinge zu haften.

Dawid hatte das Schwert Goliaths achtlos neben sich gelegt und strich über die Saiten seiner Laute, summte ein kräftiges Lied, eines, das Mut und Sieg in sich trug. In Joab jedoch waren alle Lieder verstummt. Auch in seinem jüngsten Bruder würden die Lieder verstummen. Das Teil der Söhne der Zeruja war das Blutvergießen. Und eines Tages wäre es ihr eigenes Blut, das jemand anderer auf die Erde gießen würde. Joab sah und wusste es, streckte die Beine aus und blickte zum blassen Himmel auf.