Ankunft

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Müdigkeit und Erschöpfung der vorangegangenen Tage sind die treuen Freunde meines allzu frühen Morgens, obwohl die Nacht dem Dämmer schon ihren Lebewohlkuss geschenkt hat. Es lässt mich betend gähnen in steten, wohligen Abständen und die Ermattung ist eine glückliche, wenn man in die Sitzpolster sinkt und mit den Zügen dahin gleitet.
Hässlich zerrupfte Bahnhöfe umgeben von totwelker Goldrute, restaurierte Paläste eines edlen Reisegefühls, das nun schon mehr als hundert Jahre zurück liegen muss. Endlich dann abgelöst von sandigem Boden voll windgekämmter Kiefern und abgeblühtem Sanddorn. Wellige Hügel voll zartgrüner Wintersaat.
Und dann mit sanfter Gewalt und schweigsamer Macht aus uralten Zeiten erwächst der Bogen aus dem Horizont und reckt sich über dem Panorama vorbeiziehenden Gestrüpps vor dem Hintergrund dramatisch von Hell und Dunkel durchbrochener Regenwolken. Schwer und zart ins Blau gesetzt. Jener Bogen des Friedens und der Verheißung zukünftiger Ruhe.
Jenseits des Wassers wimmeln sie, die Geschöpfe. Sich sammelnde Kraniche, hungrig-gierige Möwen, suchende Rehe.
Und endlich Ankunft. Die Nacht ist bereits über uns gekommen, doch die ziselierten, geschnitzten, geprägten, geputzten Villen blinken liebevoll und frivol in allen Lichterfarben. Freches Blau, schwindendes Rot, tanzendes Gelb, glitzerndes Weiß.
Der Wind beißt mit großem Appetit in meine Ohren, das Wellenrollen klopft euphorisch an die Ufer meiner Seele. Die See ist wallend, schwarz und bittersüß gekrönt mit weißem Schaum. Im Rücken das künstliche Licht, über mir die blass-grauen Wolkenschwaden, die dem schwarzen Raum ein schamhaftes Kleid verleihen, das nicht alle Sterne preis gibt, aber genug, um innerlich zu lächeln: Das schwarze Wasser und die Sterne, das ist alles, was ich heute sehen wollte.

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