Zweiter Tag

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Stete Bewegung im lustvollen Gehen, gutes und ausgiebiges Essen, blaue Luft und grünes Licht. Das kann Heilung für Seelen bedeuten.
Wenn man seinen Pfad am Wasser unter den Bäumen sucht, mit den Augenfenstern die letzten, leuchtenden Punkte des Herbstes aufnimmt, weiche Wellen von Laub, durchbrochen von Flecken aus Rost und Gold. Wenn man atmet und der Gedanke davon fliegt ohne Sorge und ohne Ziel, wieder zu dir zurück kommend und eins werdend mit dem, was der Blick erfasst. Wenn man die Glieder bewegt, warm und ohne Widerstand, das Gesicht kalt bestrichen vom feuchten Wind, die Sonne mit letzter Kraft sich einbrennend in die Poren.
Dann erreicht das Gemüt jenen Ort, an dem es weinen möchte vor Schöpfungsglück, doch keine Träne fließt, denn das Sein und das Tun und das Schauen sind eins. Wann sind sie das jemals? Der alte Bruch im Blick des Menschen scheint geheilt.
Über dem Blau des Himmels breitet sich ein Schauspiel ewigen Ausmaßes. In Myriaden ziehen die Wolkenherden, Dunsthaufen und Regenklumpen herauf, in Schönheit und Stille, in sanftmütiger Gewalt.
Jeder Mensch steht in der Mitte der Welt. Hinter mir das melancholische Grau, das schüchterne Weiß, das gedeckte Blau. Vor mir brennt die Wolke, steht der Himmel in zerbrochenem Feuer. Das verzehrende Orange löscht für Augenblicke jede Seelenkrankheit aus. Wer hat es nicht erlebt?

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