Dritter Tag

Die Wogen brechen sich an der Uferlinie, fallen übereinander und zerteilen sich geräuschvoll an rund gewaschenen Felsen. Dort draußen aber schwingen sie nur leicht auf und ab, ein schwarz-grüner, blau-eiserner Teppich aus Rillen und Hügeln. Wir zerteilen ihn auf dem Weg an der Küste entlang. Dichter und Maler suchten ihn mit Boot und über Land und der schöpferische Teil meines Selbst bricht jetzt auf und schwingt beim Anblick klar gebrochener Kanten, scharf in Licht und Schatten zerschnitten, bedeckt von fröhlich rostendem Grün eines silbern-grau gestielten Buchenteppichs.
Darüber entfalten sich lautlose und schöne Wolkengeschichten und erzählen in ganz eigener Manier, unbekümmert von dem, was darunter berichtet wird. Wenn alles gefüllt ist von Speise und Rede, fliegt der Geist umso leichter über den Horizont des Gesagten hinaus.

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Die Glieder dehnen sich. Der Blick auf das Ziel trägt die warm gewordenen Beine zügig voran. Unter mir der grau-weiße Sand und die runden Steine, über mir der violette Abendhimmel, die Schwaden verschleierter Wolken. Links von mir das Rauschen und der salzig-feuchte Geruch des Wassers. Rechts von mir der erdig-grüne Geruch des verfilzten Buchenwaldes.
Gibt es in diesem Augenblick einen vollkommeneren Ort? Wald und Wogen und Wetter und Wellen und Wolken und Wasser. Jetzt stehe ich am Ufer und blicke über die kräftig und schaumig schlagenden Wasserhände auf den runden Kieselköpfen. Ich schaue einer Wolke nach, die sich über dem Uferpalast entflammt hat und sein Weiß verblassen lässt.
Ich verstehe den Psalmisten, wenn er ausruft, dass alle Schöpfung ihren Schöpfer preist. Jedes Rauschen jeder gebrochenen Welle, jeder Flügelschlag jeder gleitenden Möwe, jede Färbung jeder aufsteigenden Wolke ruft es laut aus, wie groß und herrlich, atemberaubend und liebevoll jener Gedanke ist, der hinter allem stehen muss. Er klingt in allem Gewordenen wieder, zurück zu dem, der es hat werden lassen.
Das schlägt, wenn man diese eigentlich laute Stimme über den eigenen lauten Gedanken endlich hört, eine verborgene Saite im Innersten an, dass man erkennt, man ist selbst nur Gewordenes, Geschaffenes, Gebildetes, Gezeugtes. Wo ist meine eigene Stimme, die das Schöpfungsecho zurück gibt?

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