Das Wasser hat sich weit zurück gezogen und hinterlässt auf dem Sand Rillen, seichte Sammlungen, sachte Schwemme von Kies und Muschel. Die sonst bedeckten Steine liegen bloß. Vom Rand des einstigen Wasserpegels abwärts hängen lange, grüne Haare feucht und müde herunter.
Gib Acht auf deine Schritte von Stein zu Stein, von Felsbrocken zu Felsbrocken. Lass die Menschen hinter dir und den losen Sand, auf dem es leicht war zu gehen. Dort, wo die Kormorane ihre Schwingen ausbreiten und sich zur Sonne hin wenden, ist der Punkt, an dem die meisten verweilen, auf dies amüsante Schauspiel blicken, spirituelle Steintürme errichten und denken, sie sind weit gegangen.
Doch ich überschreite diese kleine Landzunge und entdecke weit hinten die nächste, einsam gelegene Spitze, direkt hinter den hellen Brüchen der Steilküste, deren sandige Kanten das Gewicht der alten Buchen nicht mehr tragen konnten und wegbrachen.
Quer über dem Ufer liegen die toten Stämme und blockieren den Weg. Ich beuge mich tief darunter, rutsche hinüber, balanciere auf dem trockenen Holz und gelange so bis kurz vor den großen Bruch. Der tiefe Stand der Sonne lehrt mich, inne zu halten und umzukehren, die Kraft für den Rückweg aufzusparen. Und wirklich benötige ich alle Ruhe und Konzentration, um nicht auszugleiten.
Vergiss nicht, mahnt mich eine strenge Stimme, du bist allein und darfst nicht fehl treten. Das Herz schlägt schnell, die Hitze steigt und das Gemüt wird klar. Einmal dort sein, wo kein Menschenzeichen mehr sichtbar ist. Einmal auf dem großen Findling sitzen, über die See blicken und mit dem Wind hauchen.


Hinterlasse einen Kommentar