Joab – Kapitel 16 – Dawid und die Philister I

Joab

Dawid und die Philister I

Vor Jahren noch waren sie sehr jung gewesen, rechte Knaben. Sie lagerten unbekümmert auf den Feldern und ein jeder wusste um seinen Platz. Sie waren stark und gesund, denn alle Hirtenvölker waren stark und gesund und Jah hatte sein eigenes Volk mit Vieh und mit Stärke gesegnet. Sie lebten von dem, was ihre Hände gruben und was unter ihnen an Vieh hindurchging.

Jetzt waren sie bereits erfahrene Männer, starrten schlaflos in die Nächte hinaus, bauten sich Häuser mit Weibern und eigenen Söhnen. Sie lebten vom Schwert. Die Mannen Dawids bewohnten Ziklag und bevölkerten es mit ihren Frauen und Kindern. Auch Joab hatte sein Weib zu sich geholt und wenn er nicht gerade bei seinem Onkel und seinen Brüdern weilte, suchte er ihr Lager auf und ließ sich von ihr umarmen. Sie hatten sich nicht viel zu sagen, doch sie hatten Kinder. Das Weib war so kräftig wie ein Israelitisches Weib es nur sein konnte. Doch sie hielt sich wenig zu den anderen Frauen und kaum jemand wusste von Joabs Söhnen außer ihm selbst, seinen Brüdern und Dawid. Das war ihm nur Recht, denn mochte der eine Tag kommen, da wäre es für seine Leibesfrucht gut, wenn niemand zu genau wusste, wer ihr Vater war.

Dawid setzte Joab über alle seine Mannen, so wie einst Schaul den Dawid über sein Heer gesetzt hatte. Doch war es eine andere Liebe, die diese Männer verband. Sie war klar und kühl wie Wasser. Nötig und gut, doch nicht innig begehrt wie Wein. Das war die Liebe, die allein Jonathan zuteilwurde. Und Dawid sagte, Ihr seid hart, ihr Söhne Zerujas, euer Angesicht ist hart. Sieh zu, Joab, dass dein Herz nicht ebenso hart wird, nicht mir und nicht unserem Gott gegenüber. Und Joab und Dawid wussten, der eine steht und fällt mit dem anderen und jeder nahm seinen eigenen Platz ein, wie es ihm zustand. Wie damals bei den Schafen.

Doch nun lagerten sie nicht mehr bei den Tieren, sie hatten eine ganze Stadt unter sich und sie waren mit ihrem Schwert dem Achisch verpflichtet. Achisch war es gleich, ob Dawid den Goliath gefällt hatte oder nicht. Die Philisterkönige zogen zwar zusammen in den Krieg, doch was die anderen Könige zu Friedenszeiten für sich selbst entschieden, kümmerte niemanden. Das hatten sie von den Inseln mitgebracht. Kriege wurden gemeinsam geschlagen. Wenn es nötig war, dann war der eine dem anderen ein Bruder, doch jeder war Herr in seinem Gebiet.

Der Tag musste kommen, an dem Achisch von Dawid einen Preis für Ziklag forderte. Und als Achisch mit seinem Gefolge in Ziklag eintrat und in Dawids Haus geleitet wurde, wusste Joab, dass die Stunde gekommen wäre. Er fasste nach dem Schwert an seiner Seite, blickte zu Dawid und machte seine Stirn hart wie einen Kiesel. Dawid jedoch war ganz die Lieblichkeit seiner moabitischen Urgroßmutter. Er empfing Achisch wie einen Bruder und geliebten Freund. Joab sah, dass Achischs Miene nun fast bekümmert war, als er seinem Verbündeten eröffnen musste, weshalb er gekommen war.

„Du weißt es, Dawid. Deine Männer und du, ihr müsst mir heute dienen. Die anderen Könige haben sich versammelt und wir ziehen gegen Schaul und sein Heer, das ist fest beschlossen. Lasse ich dich, so kann ich für dich und die Deinen nicht erwirken, dass man euch sicher in Ziklag lässt. Sieh zu, dass du ausziehst gegen dein eigenes Volk.“

Dawid blieb freundlich und besonnen und Joab bewunderte seinen Onkel dafür, denn keiner von ihnen wollte gegen seine Brüder ziehen. Dies war aber jetzt ihr Teil. Dawid erwiderte nur: „Es ist gut. Auch du weißt, was dein Knecht ausrichten wird.“

Achisch nickte. „Siehe. Es wird gut für dich sein, hältst du dich allein zu mir. Wir versammeln uns mit den anderen. Du und deine Sechs Hundert, ihr seid meine eigene Leibwache.“

Damit hatte Achisch den Dawid davon entbunden, frei mit allen Philisterkönigen ziehen zu müssen. Sein Bund würde einzig Achisch von Gat gelten. Das war ein gutes Zeichen. Das Gesicht des Sohnes Isai hatte wieder einmal einen Freund gewonnen.