Sollte es wirklich so sein

Sollte es wirklich so sein, fragte sie sich, als die Wolken leuchtend mit dumpf-zarter Röte über ihren Kopf in diesem Garten zogen. Der Tag hatte sich bereits tief verbeugt und machte demütig der Dämmerung Platz, die die Äste des Baumes schattig ragen ließen. Die Schatten strichen sanft über ihre Wangen, als sie sich fragte, sollte es wirklich so sein.
Er stand dabei und schwieg, hörte auf das Rascheln in den geheimnisvollen Tiefen der Blätter und Zweige. Alles hatte er benannt, was um ihn her wuchs und sich regte, nur für diesen Baum hatte er keinen Namen. Für sie an seiner Seite schon. Und als ihre Blicke sich trafen und sie gemeinsam aßen, erkannte er das Geheimnis, welches sich hinter ihren Augen und ihrem Namen verbarg.
Doch es schmeckte längst nicht mehr in ihrem Mund, als sich der Geist im Abendwehen regte. Fort von dem Baum und unter den kühlen Schatten der bekannten Pflanzungen, deren Namen er kannte, weil er sie selbst gegeben hatte.
Verbergt mich ihr Felsen, ihr Bäume, ihr Schatten! Einst fiel ein Blitz aus der Ewigkeit zur Erde und ein Wesen saß im Baum und flüsterte, so dass der Geist im Abendwind kaum noch zu hören war und seine Rede den Menschen unerträglich wurde, weil sie sich fürchteten.