Wie war es in jenen Tagen, als die zwei Welten noch so nahe beieinander lagen? Als das Irdische und das Nichtirdische nicht durch eine Mauer und einen Wall getrennt waren, sondern nur durch das Flammenschwert und einen Schleier, durchlässig und gefährlich dicht beieinander. Immer weiter entfernten sich die Adamskinder, doch sie blickten noch auf das flammende Schwert, ahnten noch, was dahinter lag.
Das Nichtirdische hatte sich noch nicht ganz verborgen vor dem Irdischen. Es wandelte nicht heimlich. Es war noch nicht vollkommen verdunkelt von Gedanken und Wissen und Erdensorge. Und so wandelten Söhne aus dem Nichtirdischen unter uns. Und die Töchter des Irdischen waren von einer Schönheit, die man heute nicht mehr kennt. Evas Töchter spiegelten noch mit wenig Flecken das Bild ihrer Mutter.
Und so begehrten die Mädchen ein Stück vom verlorenen Garten und die Nichtirdischen begehrten ein Stück von der fruchtbaren Erde und betasteten die Frucht Adams und Evas. Und es wurden Menschen geboren, die anders waren. Jene Söhne und Töchter waren nicht ganz aus dem Fluss, der aus Eden hervor ging. Und doch war ihr Herz das der Menschen. Warm und laut schlug es gegen die Brust. Stärke und Lust schlugen in ihm auf, ungebändigt von allzu viel menschlicher Schwäche.
Deshalb gingen sie einst unter uns, die Nephilim. Schrecklich war ihr Grimm und unnachgiebig ihr Sinn. Wunderbar war ihr Aufsteigen und dunkel ihr Sinken. Denn der Keim aus Eden, der durch die wachsende Schwäche Adams gedämpft wurde, kannte in ihnen kaum Grenzen. Alles was Edel war, strahlte in den Nephilim auf mit blendender Kraft; und alles, was Finsternis war, gedieh doch nur umso fruchtbarer.
„Verdorben sind sie!“ rief der Ewige. Und doch singen die Kinder Adams mit Sehnsucht ihre Lieder und wissen von den Starken von einst und suchen sie in Ihresgleichen. Doch gestorben und vergessen sind sie allesamt, die Großen und die Riesen, die Helden und die Halbgötter.

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