Buchbesprechung: Tod in Hollywood (The Loved One)

Tod in Hollywood. (Originaltitel: The Loved One)

Von Evelyn Waugh

Eine anglo-amerikanische Tragödie

Aus dem Englischen von Andrea Ott, Neuübersetzung 2015, Diogenes Verlag

Da mit den Buchbesprechungen zu „Verfall und Untergang“ und „Lust und Laster“ bereits zwei der Neuübersetzungen von Evelyn Waughs Werken aus dem Diogenes Verlag in diesem Blog vorgestellt wurden, setze ich die Reihe einfach mit der neuesten Veröffentlichung dieser Art fort. Es handelt sich um „Tod in Hollywood“ (Original: The Loved One) aus dem Jahre 1948.

Wie bereits bei den anderen Büchern muss auch hier gesagt werden, dass es für den vollen Lesegenuss wohl kaum genügt, nur in der Deutschen Übersetzung zu bleiben, wenn man eventuell die Möglichkeit hat, Waugh im Original zu lesen. Eine für mich enttäuschende Anmerkung der Übersetzerin am Ende des Buches hat das noch einmal besonders deutlich gemacht. Im Original zitierte Zeilen englischer Dichter wurden in der deutschen Übersetzung einfach mit Zitaten bekannter deutscher Dichter ausgetauscht. Hier wurde besonderer Wert darauf gelegt, dass die Zeilen einem möglichst breiten Publikum bekannt sind. Also hat man vielfach auf den guten alten Goethe zurückgegriffen, was das typisch britisch-zynische Flair des Buches leider zerstört. Auf der anderen Seite ist es ein in unsere Sprache übertragener Kunstgriff, der die „Dümmlichkeit“ der weiblichen Hauptprotagonistin besonders deutlich macht, da sie der großen Allgemeinheit bekannte Texte tatsächlich für das dichterische Oevre ihres Verehrers hält.

Nicht einmal 150 Seiten lang ist der Roman, aber er hat es wie die anderen Werke Evelyn Waughs in sich. Es ist überhaupt eines der typischen Merkmale dieser Geschichten, dass auf wenig Raum möglichst viele skurrile Gestalten und Ereignisse platziert werden. Jedes Buch ist ein kurzer, eiliger Ritt durch eine Welt der Absurditäten, gespiegelt an der Hilflosigkeit zynischer oder lächerlicher Protagonisten. Das ist es, was meine Vorliebe für Waugh im Grunde ausmacht.

Worum geht es also in „Tod in Hollywood“? Dennis Barlow, ein junger, englischer Dichter, der in seiner Heimat einigen Erfolg gefeiert hat, versucht sein Glück in den blühenden Filmlandschaften Hollywoods. Er muss jedoch feststellen, dass das oberflächliche und mondäne Gebaren im Los Angeles der Filmstars und Produzenten seine Kreativität nicht befördert, sondern eher tötet. Womit wir beim zweiten Grundthema des Buches wären. Dem Tod. Barlow muss Geld verdienen und deshalb landet er als Hilfsbestatter in den „Ewigen Jagdgründen“, ein Unternehmen, das sich auf die Bestattung geliebter Haustiere spezialisiert hat. Die Tätigkeit scheint ihn sogar zu entspannen, sehr zum Ärger seiner englischen Kollegen, die ihm vorwerfen, er schädige den Ruf der Engländer in der amerikanischen Filmindustrie. Barlow ist unter ihrer Würde.

Als sein Mitbewohner sich entscheidet, seinem Leben äußerst unschön durch Erhängen ein Ende zu bereiten, lernt Barlow auch noch die Gepflogenheiten des berühmten Bestattungsunternehmen „Elysische Gefilde“ kennen. Und damit auch die recht naive, leicht dümmliche, verwirrte und trotzdem liebenswerte Leichenkosmetikerin Aimée Thanatogenos. Diese jedoch hat vorerst nur Augen für ihren Vorgesetzten Mr. Joyboy, der seiner Leidenschaft für die Kollegin recht deutlich Ausdruck verleiht, indem er den Verstorbenen stets ein sanftes Lächeln ins Gesicht zaubert, bevor er sie den kundigen Händen von Aimée überlässt.

Dennis Barlow hingegen verlegt sich auf das Schreiben von Gedichten bzw. auf das Zitieren berühmter Dichter. Er spielt mit der Unwissenheit seiner weiblichen Beute, die seine Zeilen für Werke aus eigener Feder hält. Hier geschieht etwas Interessantes. Meist nutzt Evelyn Waugh seine Hauptprotagonisten eher als stille, duldsame Mitläufer, auf deren nicht sehr tiefgründigem Wesen der Zustand ihrer Gesellschaft, in der sie sich befinden, gespiegelt wird. Hier jedoch wird die Hauptperson im Laufe der Geschichte recht aktiv. Barlows Jagdinstinkt scheint geweckt, als er von seinem Nebenbuhler erfährt.

So ist also Aimée hin und her gerissen zwischen zwei Männern, die man beide nicht ernst nehmen kann. Hilfe scheint nur der Guru Brahma zu bieten, dem sie Briefe schreibt. Leider ist dieser Guru jedoch eher ein alternder, kettenrauchender und Whisky trinkender Radioangestellter, der sowieso bald seinen Job verlieren wird. Also nimmt das Schicksal seinen verhängnisvollen Lauf.

In „Tod in Hollywood“ werden auf gewohnt absurde Weise Lebenswelten und Charaktere ironisch gegeneinander ausgespielt. Evelyn Waugh stellt die oberflächliche, naive Gesellschaft von Hollywood, die in allem (sogar und gerade auch im Bestattungsgewerbe) das Pathetische und Theatralische betont und feiert, dem gediegenen, überheblichen Zynismus britischer Art gegenüber. Dass es hier nur zu einer Katastrophe absonderlichsten Ausmaßes kommen kann, scheint von Anfang an deutlich vorgezeichnet.

„Tod in Hollywood“ ist sicher nicht der stärkte von Waughs Romanen, aber durchaus als lesenswert zu empfehlen, wenn man sich darin geübt hat, schriftstellerischen Zynismus mit gesunder Distanz zu betrachten und die ironischen Perlen herauszupicken.