Herrlich britischer Unfug über some gay Warhorses

„Zum Schluss ein Pferdekuss“.
Die ungezügelten Liebesbriefe der Schlachtrösser Marengo & Copenhagen nach den Originalhufschriften aus den Jahren 1810 bis 1815

Herausgegeben von Robert Hudson & Marie Phillips

Übersetzt von Britt Somann

Atrium Zürich 2015

142 Seiten

Englischer Originaltitel: „Warhorses of Letters“ bei Unbound London 2012

Herrlich britischer Unfug über some gay Warhorses

Der Inhalt von “Zum Schluss ein Pferdekuss“ ist schnell zusammengefasst. Das Buch enthält die Briefe der zwei Hengste Marengo, das Schlachtross Napoleons, und Copenhagen, das Schlachtross des Duke of Wellington. In den Jahren 1810 bis 1815 stehen sie in regem, homoerotischem (nein, nicht wirklich anzüglichem!) Austausch mit entsprechend interessantem Konfliktpotential aufgrund von Altersunterschied, verschiedener Herkunft und Erziehung (Frankreich, Großbritannien) und natürlich der historisch bedingten Stellung auf gegensätzlichen Seiten des Krieges.

Soweit so unsinnig.

Es ist schwul. Es ist voller Anspielungen auf typisch britische Gemeinplätze, Orte und Gegenstände und mehr oder weniger wertvolle Kulturgüter, die uns das Inselvolk beschert hat. Es ist gespickt mit schlechten, noch schlechteren und damit wieder ungemein belustigenden Wortwitzen über Pferde und über Dinge, die Pferde umschreiben und ihre bisher verborgene Lebens- und Gedankenwelt erfassen. Ja, es sind Tiere, die mit ihren Hufen schreiben.

Noch einmal in Kurzfassung: Es ist britisch! Mehr muss man dazu fast nicht sagen. Also ein Buchtitel für alle, die ein wenig Hintergründiges über Großbritannien wissen und sich den britischen Humor langsam und genüsslich durchs Hirn tröpfeln lassen wollen.

Außerdem bietet „Zum Schluss ein Pferdekuss“ eine Fülle von Andeutungen, die dem Menschen der Gattung Bibliophiler ein wissendes Grinsen ins Gesicht zaubern. Es gibt ein Geleit, eine Vorbemerkung, eine Einführung, ein Vorwort, einen Prolog, einen Anhang, ein Essay und unendliche lange, völlig sinnlose Fußnoten. Einfach herrlich! Der Leser wird über die Auffindung der hier veröffentlichten Briefe gründlichst aufgeklärt. Dabei ist natürlich bis auf die groben Eckdaten der Historie um Napoleons Feldzüge und die Namen der Pferde, die es tatsächlich einmal gegeben hat, alles reine Fiktion. Eine Fiktion freilich, die schmunzeln lässt, selten laut lachen. Feinsinnige, britische Sinnlosigkeit, die ins Bodenlose sinkt und plötzlich inne halten lässt.

Denn in Marengo und Copenhagen, den beiden verliebten Hengsten, begegnen dem offenherzigen Leser durchaus bekannte, menschliche Regungen und Beziehungskonflikte. In gewisser Hinsicht ist das Buch sogar ein wenig politisch und aufklärerisch, wenn man so will. Hintergründige Sinnlosigkeit, die kurz nachdenklich stimmt. So locker und skurril „Zum Schluss ein Pferdekuss“ auch daher kommt, niveaulos ist es nicht.

Ein Vergnügen zu lesen und eine echte Empfehlung für alle, die das außergewöhnliche Buch und den Insel-Humor zu schätzen wissen.