Blut für die Götter – Fleisch für die Menschen

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Traumdeutung des Josef

Blut für die Götter – Fleisch für die Menschen

Es ist ein uraltes Prinzip in allen Ritualen, Verehrungen und Anbetungen. Das Blut gehört immer der transzendenten, sich hoffentlich zuwendenden Gottheit, während der leblose Überrest unter die Menschen verteilt wird. Das Blut ist es, das den Leib lebendig hält und das Leben kommt von irgendwo aus dem Unbekannten und es schwindet scheinbar ins Nichts oder zurück zum Göttlichen, während der Körper auf der Erde zurückbleibt, ihr verhaftet ist und in ihr vergeht, sofern er nicht von anderen Leibern, in denen noch der rote Saft fließt, aufgezehrt wird.

Verwundert es, dass die Traumdeutung des Josef uns von Wein und Brot, von Blut und Fleisch erzählt? Der, der den Wein dem angeblich göttlich verordneten Pharao reicht, bleibt am Leben. Der Bäcker, dessen Brote von den Aasvögeln verzehrt werden, muss sterben und sein Leib vergeht. Nicht von Ungefähr offenbart sich hier Gott in den ganz alten Zeichen von Wein und Brot, Blut und Fleisch. Das ist etwas, das jeder Mensch versteht und verstehen muss. Es ist uns nahe, das Prinzip von Leben und Vergehen. Göttliche Schöpfung und irdischer Verfall.

Wen wundert es, dass die Zusammenkünfte der ersten Christen mit größtem Argwohn, ja Grauen, wahrgenommen wurden? Das Blut und das Fleisch eines Opfers wurden gleichermaßen verzehrt. Blut und Leib Jesu, beides ins Innere der Gläubigen aufgenommen. Das uralte Prinzip, dass nur den Göttern das Blut und das ewige Leben gehören, wird hier aufgebrochen. Ewiges Leben und Erlösung wird in die anbetenden Menschen selbst hineingegossen. Sie haben nicht nur Teil an dem einen, geopferten und auferstandenen Leib, der den Tod gesehen und überwunden hat. Sie haben plötzlich auch Teil an dem, was eigentlich nur der Gottheit gehört hat. Das Blut, das Leben. Die Erlösung durch den Christus ist mehr als nur ein stiller Glaube und eine Verehrung blutigen Opfers. Das Prinzip des Lebens selbst, das Göttliche teilt sich unter den Gläubigen mit, wird in sie hineingegeben, von ihnen aufgenommen.

Nicht nur der Pharao trinkt aus dem Becher Wein. Wir selbst werden in Christus erhöht, trinken den Wein der Erlösung, der Auslösung, der Befreiung von Gefängnis und Gericht und Tod. Das ist die lebendige Hoffnung auf das göttliche, ewige Leben in uns. Wir selbst werden hinaufgezogen an die Seite Jesu, selbst als Söhne und Töchter Gottes. Es ist nicht mehr so, dass Blut den Göttern gehört und totes Fleisch den Menschen. In Christus haben wir alles gewonnen. Den Tod überwunden und das Leben gewonnen. Wir sind der Bäcker, der vom Pharao gerichtet wird und wir sind der Mundschenk, der vom Pharao wieder ins Leben gesetzt wird. Wenn Jesus den Tod gelitten und überwunden hat und zur Rechten Gottes sitzt, dann ist das die Erfüllung unserer Sehnsucht, Teil zu haben am wahren Leben.

Es ist die ewige Sehnsucht, dass das Fleisch der Schöpfung nicht mehr nur der Verwesung und den Aasfressern ausgesetzt ist, sondern dass wir zusammen mit Christus im Reich Gottes vom Gewächs des Weinstocks trinken wie er es uns verheißen hat. Das Bild von Brot und Wein, von Fleisch und Blut, hat eine so viel tiefere Bedeutung, als man oberflächlich annehmen möchte. Nicht jeder kann mit glaubendem Staunen wahrnehmen und aufnehmen, aber Brot und Wein sind uns leiblich nahe, um uns an das göttliche und ewige Prinzip von Schöpfung und Leben zu erinnern.