Joab
Das Tal der Riesen I
Trotzdem sie nun Jeruschalajim hatten, nutzte das Heer des Königs weiterhin die befestigten Felsen Judas und hier besonders die Anlagen bei Adullam. In diesen Felsen war Dawid stark geworden, in diesen Felsen hatten die Söhne Zerujas sich als Männer erwiesen. Auch wenn es zwischen Joab, dem Obersten über alle waffenfähigen Männer der Söhne Jakobs, und dem lieblichen Enkel Ruths keine Freundschaft und kein warm schlagendes Herz mehr gab, so stützte sich Dawid wohlweislich auf Joab und Abischai und überließ ihnen die Entscheidungen über die Einteilung der Tausendschaften und Hundertschaften.
Joab kannte seine Männer und er setzte für jeden Monat des Jahres eine andere Abteilung ein, die bereit stand, um Krieg zu führen. Endlich konnten die Männer sich in Ruhe dem widmen, was die Söhne Israels schon immer am liebsten getan hatten. Sie eilten zu ihren Frauen und Kindern, züchteten ihr Vieh und bebauten das Land. Im Südwesten Jeruschalajims breiteten sich die Kornfelder des Königs aus und die Haine der Maulbeerbäume, Olivenbäume und Weinberge lagen friedlich in den Ebenen um Dawids neue Stadt.
Auch für Joab blieb nun Zeit, sich um die Angelegenheiten seiner Familie zu kümmern. Da ihm freie Hand gegeben war, streckte er seine Rechte aus und griff nach Asaëls Sohn. Sebadjas Gesicht war jung und schön und er war fast ebenso schnell wie sein Vater. Doch ihm fehlte der Übermut. Besonnen und tüchtig an den Waffen, von Joab selbst daran geübt, nachdem der Jüngste der Zerujasöhne den Weg zum Scheol beschritten hatte. Joabs Augen leuchteten, wenn er sie auf seinen Neffen richtete. In ihm sah er seinen Bruder, das Beste von ihm. Eine der Abteilungen, die sein Vater hätte führen sollen, gab er nun in die Hand Sebadjas, ein Geschenk Jahs an das wunde Herz Joabs. Mit ihm wurde die Wunde, die Abner geschlagen hatte und die auch die Rache an ihm nicht hatte lindern können, nun endlich verschlossen.
Und nur ein wenig schmerzte die Narbe, wenn Joab in das duftende Haus des Königs trat, unter die Säulen aus Zedernholz und er sah, wie vertraut sein Onkel mit den Priestern und Propheten und einigen gelehrten Männern, die er zu seinen Beratern gemacht hatte, umging. Ging es um Entscheidungen zu Krieg und Schlachten, redete Dawid mit seinem Neffen wie immer, doch sein Vertrauen war nicht in der Zuneigung zu seinem Heerobersten gegründet, sondern in dem Wissen, dass ohne die Söhne Zerujas das Haus Dawids nicht bestehen konnte.
Wie sehr der König der Hilfe Joabs bedurfte zeigte sich, als die Ebene Refaim, in der das Korn schon hoch und fast gelb stand, sich mit den Heuschrecken der Inselmenschen füllte. Die Philister waren angelockt worden von dem neuen Reichtum, der sich in ihrem Nordosten ausbreitete und sie waren nach dem Sieg über Schaul ermutigt worden, sich weiter gegen die Hirtensöhne zu stemmen. Seit Ziklag hatte Dawid sich in den Philistern noch ärgere Feinde geschaffen, auch wenn einige von ihnen zu dem König übergelaufen waren. Dawids Gunst war bei den Männern begehrt, die einmal sein Angesicht und die Lieblichkeit Ruths erblickt hatten.
Joab und Dawid entschieden sich, den jüngeren Sohn eines Priesters über die von Kreta und den Inseln zu setzen. Sie hielten es wie das Gesetz Mose es vorschrieb. Fremdes Volk musste beschnitten und unterwiesen werden und wer konnte besser dafür geeignet sein als einer der Leviten? Benaja also wurde über die übergelaufenen Fremden gesetzt und Dawid handelte klug, als er sie zur Treue nicht nur gegen Jah sondern auch gegen seine eigene Person verpflichtete. Im Tal Refaim sollten sie sich beweisen, denn sie mussten gegen ihre eigenen Brüder schlagen.
Joab und Dawid hatten die Tausendschaft des bestimmten Monats in die Berge bei Adullam ziehen lassen und von dort strömten sie in das Tal. Der Oberste beobachtete seinen Neffen, der wie Asaël selbst kämpfte. Er beobachtete aber auch, wie sich Benaja hielt, der Sohn eines Priesters. Er brachte keine Stieropfer für Jah, sondern er bohrte seinen Speer ohne Hilfe des Waffenträgers in einige der größten Philister und tränkte das Korn Israels mit ihrem Blut.
Angetrieben vom Mut dieses Mannes schlugen auch die Fremdlinge zu. Sie waren geübt im Führen der neueren Eisenwaffen, wie sie bei den Philistern schon länger üblich waren. Und hatten sie nicht einst verschiedene Gottheiten angebetet? Gottheiten für Fruchtbarkeit, für die Stärke des Mannes, für den Krieg und das Sterben? Sie waren Futter für den Scheol und sie gehörten Dawid. Joab selbst riet dem König zu, diese Männer an sich zu binden und so wurde Benaja, der Priestersohn, der Oberste über Dawids Leibwache, die ihn in seinem Haus Tag und Nacht umgab und bewachte.
Benaja, diesen Namen merkte sich Joab. Er merkte sich das Gesicht dieses jungen Mannes und er beobachtete ihn, denn aus jedem Mann konnte Großes werden, zum Guten wie zum Schlechten. Sebadja, Asaëls Sohn, und Benaja, das waren die neuen Männer, die Söhne der Hundertschaften, die mit Dawid in den Felsen gelebt und gekämpft hatten. Joab wusste, dass er zwar alle Macht über die Tausendschaften Israels besaß, aber auch seine Zeit war begrenzt und in manchen stillen Augenblicken hörte Joab die Stimmen der Väter und Söhne aus dem Scheol und er lächelte, denn sein Platz dort bei ihnen war ihm sicher.
Mit Grimm sah er, wie die Männer sich über die Götzenstatuen hermachten, die von den getöteten und vertriebenen Philistern übrig geblieben waren. Sollten sie ihre Beute mitnehmen und sie einschmelzen, als Schmuck für ihre Frauen, als Gold für Jah. Joab würde kein Stück davon anrühren, alles, was mit den fremden Göttern zu tun hatte, war ihm zuwider und alles in Joab sträubte sich dagegen. Waren es nicht die Urim und Thumim gewesen, die Abjatar ausgeworfen hatte und aus denen er die Antwort Jahs gelesen hatte? Dawid, zieh hinauf in diese Ebene, greife die Philister von vorne an und schlage sie, der Herr wird sie mit Sicherheit in deine Hand geben. Und es war so. Was konnte einer dieser Götzen, eine dieser lächerlichen Figuren, die sie nun als Beute einsammelten, dagegen ausrichten?
Umso besser war es, dass die Kreter und Inselmenschen, die ihren Göttern abgeschworen hatten, nun desto eifriger vom Priestersohn Benaja angeführt und an Dawid gebunden wurden. Männer, die von Geburt an beschnitten und gelehrt waren, konnten abirren vom Weg. Aber Männer, die Jahs Größe und Ruths Lieblichkeit und Jeschuruns Stärke gesehen hatten, die würden treu bleiben.

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