Joab
Der Fall Rabbas
Sei mutig und sei stark. Das Land gehört dir und alle deine Brüder müssen dir dienen. Joab dachte an das Lied des Königs, das er gesungen hatte, als die Söhne Esaus und die Söhne Lots begonnen hatten aufzustehen. Damals hatte es dem Obersten Mut gemacht, als sie gegen den Süden zogen und die Männer der roten Erde bekämpften. Dawid hatte sich ganz auf Joab verlassen, als es gegen die Edomiter ging. Auch jetzt hatte der Oberste Israels allein das Schwert gegen die Ammoniter in der Hand. Mit tiefer Stimme summte er die Verse vor sich hin, während er wieder einmal seine Augen über Rabbas Mauern streifen ließ. Er hatte nicht die Gabe Dawids, doch er konnte sich an einem guten Lied für den Kampf erfreuen.
Lange hast du uns beiseite getan, Jah,
Fort von deinem Gesicht.
Auseinandergesprengt waren die Söhne Israels,
Geflohen vor deinem Zorn.
Du, fasse uns wieder zusammen!
Das Land bebte und zerriss,
Heile den Riss, denn es ist wankend!
Härte für dein Volk,
Bitterer Wein für uns!
Die Ehrfurcht vor dir haben,
fliehen zu deinem Banner.
Deine Geliebten befreie,
Deine starke Macht hilf!
Jah sprach von Seiner Wohnung her:
„Ich juble
Ich teile Sichem aus
Ich messe Sukkot aus
Mir gehört Gilead
Mein ist Manasse
Ephraim ist mein Helm
Judah ist mein Zepter
Moab ist mir Waschbecken
Edom ist unter meinem Schuh
Philisterland wird mich loben!“
Wer ist es, der mich in die befestigte Stadt bringt?
Wer leitet mich in den roten Süden Edoms?
Hattest du unser Heer verworfen und verlassen, Jah,
so hilf uns jetzt wieder!
Menschenkraft ist ein Nichts!
Mit Jah tun wir Taten, große Taten!
Die uns bedrängen, zermalmt er!
Mit Jah tun wir Taten, sprach Joab sich zu. Sei mutig und sei stark. Wie Joschua. Der hat Jericho eingenommen. Was ist Rabba dagegen? Der Oberste wandte sich an seinen Bruder. Wir graben ihnen das Wasser ab. Dort vorn sind ihre Vorräte, die Zisternen. Nirgendwo anders müssen wir Männer töten, nur dort. Dann warten wir. Der Durst wird sie schwächen und wir werden mühelos in ihre Tore dringen. Einmal nur hart sein, dann gehört Hanuns Stadt uns. Jah möge uns gegen ihren Milkolm helfen, wie er uns gegen Dagon und Kemosch half.
Joab lenkte den Strom der Dreißig Tausend zur Wasserstadt, die dem größeren Rabba vorgelagert war. Sie erschlugen die Männer, die das Wasser bewachten, sie rissen die Mauern mit Seilen nieder und warfen die Steine in den Zulauf, so dass in Rabba nicht mehr als nur ein Rinnsal ankam. Durst war ein zuverlässiger Helfer und Joab gab zufrieden den Befehl, die Wasserstadt zu bewachen und sich von Rabbas Mauern ansonsten zurückzuhalten.
Zwei Tage, mehr ist nicht nötig, lass uns schnell zuschlagen. Abischai drängte seinen älteren Bruder, doch der schüttelte den Kopf. Wir werden gar nichts tun. Ich schicke einen Boten, der unseren König endlich aus dem Bett der Frau Urias herausholt. Wenn das Volk erfährt, dass ihr König wegen eines Weibes die Schlacht meidet, dann ist das Königtum schneller dahin als wir es für ihn errungen haben. Abischai wiegte den Kopf. Du bist der Mann. Doch Joab blieb fest. Ich bin kein König. Ich bin was ich bin. Wieder packte er einen Boten und er schickte ihn mit einer unmissverständlichen, harten Botschaft nach Jeruschalajim.
„Wie du es wolltest, habe ich nicht nachgelassen und weiter gegen Rabba geschlagen. Jetzt habe ich die Wasserstätte eingenommen und warte vor den Toren. Sammle alles Volk, das zum Krieg fähig ist und ziehe über den Jordan zu uns. Belagere du die Stadt und nimm sie ein, damit man deinen Namen über den Ammonitern ausruft und nicht den meinen!“
Der Sohn Isais hatte es verstanden und es dauerte nur wenige Tage, bis sich die Ebene mit den Dreihundert Tausend Waffenfähigen aller Stämme Israels füllte. Der König begegnete dem Sohn der Zeruja wohlwollend und freundlich, doch Joab blieb kühl ihm gegenüber. Er konnte die Beleidigung durch das Todesurteil an dem unschuldigen Uria nicht übergehen. Der König sollte tun, wozu er bestimmt war. Joab würde sich zurückhalten. Treue zu Dawid und Jah, das hatte er sich geschworen und der Sohn der Zeruja würde diesen Schwur bis zum letzten Tropfen seines Blutes einhalten. Aber das bedeutete auch, hart mit seinem Onkel umzugehen. Tu deine Arbeit, Sohn Isais. Ich bin dein Werkzeug, aber sieh zu, dass du mich in rechter Weise gebrauchst.
Dawid und die Söhne der Zeruja nahmen Rabba mühelos ein und sie überrannten auch andere Städte. Hanun verlor, wie er es verdient hatte, seinen Kopf und die schwere Krone, die darauf geruht hatte, schmückte jetzt Stirn und Braue des Sohnes Isais. Für die Demütigung seiner Männer strafte er Ben-Ammi hart. Er zog die Kräftigsten ab und ließ sie Steine schlagen und Ziegel formen. Er machte sie zu Sklaven wie einst die Söhne Jakobs Sklaven im Ägypterland gewesen waren. Dort hatten sie die Häuser und Grabmale des Pharaos gebaut. Die Ammoniter würden keinem Menschen ein Haus errichten. Sie bereiteten die Steine für jenes Haus, in dem einst Jah wohnen würde. Dawid träumte davon und Joab seufzte. War es nicht besser, wenn ihr Gott mit ihnen in Zelt und Feld weilte?
Doch, was wusste Joab schon von den Gesichten der Propheten und von den Liedern des Hirtensohnes? Er kehrte wie alle anderen nach Jeruschalajim zurück und widmete sich seiner eigenen, bescheidenen Familie, während er die Vorgänge in Dawids Haus genau beobachtete. Und sie gefielen ihm nicht.

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