Übersetzung – Nicht gehaltene Predigten II von George MacDonald – Kapitel 2: Die Schwere des Weges

Die Schwere des Weges

   „Liebe Kinder, wie schwer ist´s…“ Markus 10, 24

   Ich nehme an, es gibt kaum einen reichen, nachdenklichen jungen Mann, welcher nicht sofort bereit ist, die Behandlung dieses jungen Mannes durch unseren Herrn als hart zu empfinden. Er ist geneigt zu fragen: „Warum sollte es schwierig sein für einen reichen Mann, ins Reich der Himmel einzutreten?“ Er ist bereit, die natürliche Tatsache als einen willkürlichen Beschluss zu sehen, aufsteigend – darf ich´s sagen? – aus irgend einem Vorurteil im göttlichen Geist oder zumindest aus einigen Vorbehalten gegen die Freuden des Wohlstands, wie sie von Seiten des Geschöpfs betrachten werden. Warum sollte es den Reichen anders ergehen als anderen Leuten, im Hinblick auf die Welt, die kommen soll? Sie sehen nicht ein, dass es das Gesetz ist, dass es ihnen wie anderen Leuten ergehen wird, wohingegen sie wollen, dass es ihnen ergeht wie reichen Leuten. Umstände, unter welchen es für einen reichen Menschen einfach sein würde, ins Reich der Himmel einzutreten, sind für mich unvorstellbar. Es gibt kein Reich in dieser Welt, in welches ein reicher Mensch nicht einfach eintreten könnte – in welchem, wenn er nur reich genug wäre, er nicht der Erste sein könnte: ein Reich, in welches einzutreten für einen reichen Menschen einfach wäre, könnte kein Reich der Himmel sein. Der reiche Mensch gehört nicht gezwungenermaßen zum Reich des Satans, doch in diesem Reich ist er insbesondere willkommen, wohingegen er im Reich der Himmel gerade so willkommen ist wie jeder andere Mensch auch.

   Ich vermute ebenfalls, dass manch ein reicher Mensch sich von dem Bericht dieser Begebenheit mit dem verbitterten Gefühl abwendet, dass darin ein Anspruch auf seine ganze Habe liegt; während es viele gibt, und von denen keinesfalls nur von den Reichen, welche nicht glauben können, dass der Herr wirklich meinte, dem armen Burschen sein ganzes Geld wegzunehmen. Für den Menschen, der in Reichtümer hineingeboren ist, erscheinen sie nicht nur natürlich, sondern als wesentliche Bedingung des Wohlergehens; und der Mensch, welcher sein Geld gemacht hat, empfindet es als sein eigenes durch die Arbeit seiner Seele, das Mühen des Tages und die Sorge der Nacht.[1] Jeder empfindet ein Recht, die Dinge zu haben und zu halten, die er besitzt; und wenn es eine Notwendigkeit gibt, für sein Eintreten ins Reich der Himmel, ist es tatsächlich hart, dass Recht und Notwendigkeit einander widersprechen sollten und einfach nur eine bloße Unmöglichkeit darstellen! Warum sollte er nicht „das beste aus beiden Welten herausholen“?[2] Er würde Kompromisse machen, wenn er könnte; er würde ein bisschen dem Mammon dienen und Gott viel mehr.[3] Er würde nicht das „Beste aus beiden Welten“ herausholen, wie es daher kommen würde, wenn man die geringere in den absolut untergeordneten Dienst der höheren stellte – den Schatz dieser Welt wegwerfen und statt dessen den Schatz des Himmels aufnehmen. Er würde vielleicht nur ein wenig vom Himmel gewinnen – doch etwas mit so wenig Verlust wie möglich von dieser Welt. Das, was er vom Himmel verlangt, ist nicht sein Bestes; das, was er von der Welt nicht hergeben will, ist ihr aller Wertlosestes.

   Ich kann mir gut einen ehrlichen Jüngling vorstellen, erzogen in christlichen Gebräuchen, bei sich selbst solcherart überlegend: – „Ist die Geschichte von allgemeiner Bedeutung? Wird dieser Anspruch an mich erhoben? Wenn ich beschließe, ein Christ zu sein, wird von mir gefordert werden, mich von allem zu trennen, was ich besitze? Es muss in jenen Zeiten vergleichsweise einfach gewesen sein, diese Art von Dingen aufzugeben, die sie hatten! Wenn ich er gewesen wäre, bin ich sicher, dass ich es getan hätte – auf Verlangen des Heilands in Person. Die Dinge liegen jetzt ganz anders! Wohlstand brachte damals nicht dieselben gesellschaftlichen Beziehungen mit sich wie heute! Ich müsste so viel mehr aufgeben! Noch liebe ich Geld so sehr, wie er in Gefahr stand, es zu tun: zu allen Zeiten waren die Juden Anbeter des Mammons![4] Ich versuche Gutes zu tun mit meinem Geld! Nebenbei bemerkt, bin ich nicht bereits ein Christ? Warum sollten von mir dieselben Dinge verlangt werden wie von einem jungen Juden? Wenn jedermann, welcher wie ich gewissenhaft mit Geld umgeht und sich darum kümmert, es gut zu gebrauchen, alles aufgeben müsste, würde die Macht sofort in den Händen der Ungläubigen liegen; sie hätten keine Opposition und die Welt würde zum Teufel gehen! Wir lesen in der Bibel häufig von reichen Männern, doch niemals von einem, von welchem verlangt wurde, sich von allem zu trennen, was er hatte! Als Ananias mit dem Tod geschlagen wurde, war es nicht, weil er nicht all sein Geld aufgegeben hatte, sondern weil er vorgab, es getan zu haben. Petrus sagt ausdrücklich: „War es nicht dein eigenes? Und nachdem es verkauft wurde, war es nicht in deiner eigenen Macht?“[5] Wie hätte der Herr beerdigt werden können ohne den reichen Joseph?[6] Nebenbei bemerkt sagte der Herr: „Willst du vollkommen sein, geh, und verkaufe alles, was du hast.“ Ich kann nicht vollkommen sein; es ist hoffnungslos; und er erwartet es auch nicht.“

   – Es wäre ehrlicher, wenn er sagte: „Ich will nicht vollkommen sein; ich bin zufrieden damit, gerettet zu sein.“ Solche wie er kümmern sich nicht darum, vollkommen zu sein wie ihr Vater im Himmel vollkommen ist,[7] sondern darum, das zu sein, was sie gerettet nennen. Sie denken gar nicht daran, dass es ohne Vollkommenheit keine Rettung gibt – dass Vollkommenheit Rettung ist: sie sind eins. –

   „Und weiter“, fügt er in triumphaler Schlussfolgerung hinzu: „Sagt der Text „Wie schwer ist´s, dass die, so ihr Vertrauen auf Reichtum setzen, ins Reich Gottes kommen!“ Ich vertraue nicht auf meine Reichtümer. Ich weiß, dass sie mich nicht retten können!“

   Ich werde mir vorstellen, in unmittelbarem Austausch mit solch einem Jüngling zu sein. Ich würde mich wenig darum kümmern, irgendetwas vorzubringen, das Wahrheit genannt wird, außer in der Schlacht um die Unterwerfung unter das Gesetz der Freiheit. Wenn ich nicht überzeugen kann, wäre ich still. Noch würde ich mich mühen, den schärfsten Verstand zu unterrichten; ich würde lieber für mich selbst lernen. Das Herz zu überzeugen, den Willen, das Handeln ist allein der vollen Anstrengung des Menschen würdig. Seine Stärke dient zuerst ihm und dann zur Mannhaftigkeit seines Nächsten. Er muss zuerst den Balken aus seinem eigenen Auge entfernen, dann den Splitter aus dem seines Bruders[8] – wenn der Splitter in dem Auge seines Bruders tatsächlich mehr ist als nur die Spiegelung des Balkens in seinem eigenen Auge. Einen Menschen fröhlich wie eine Lerche zu machen, könnte bedeuten, ihm schlimmes Übel zu tun: einen Menschen aufzuwecken, dass er sich erhebt, aufschaut, sich umwendet, ist das Leben und den Tod des Sohnes des Ewigen wert.

   Ich sage also zu dem Jüngling: –

   „Hieltest du – hast du die Gebote eingehalten?“

   „Ich wage nicht, das zu sagen.“, stelle ich mir vor, dass er antwortet. „Ich sollte besser wissen als dieser Jüngling, wie viel beim Einhalten der Gebote verlangt wird!“

   „Doch“, frage ich, darauf bestehend: „unterstellt deine Antwort, den Herrn für einen harten Meister nehmend,[9] dass du weniger Mühen unternommen hast zu tun, was er von dir wollte? Oder dass du, indem du deine Kräfte der absoluten Vollkommenheit, die er verlangt, widmetest, du umso mehr die Unmöglichkeit des Einhaltens der Gebote erkannt hast? Kannst du verfehlt haben wahrzunehmen, dass es der Jüngling ist, welcher über Jahre die Gebote beachtet hat, an welchen die weitergehende und für dich so erstaunliche Anforderung gestellt wird, sich von allem, was er hat, zu trennen? Sicherlich nicht! Bist du also jemand, an welchen, aufgrund entsprechender Bedingungen, dieselbe Anforderung gestellt werden könnte? Hast du in irgendeinem Sinne wie in dem, in welchem der Jüngling die Frage beantwortet, die Gebote gehalten? Bist du, unzufrieden mit dem Ergebnis ihres Einhaltens, das du ihnen zuteilwerden ließest, und erfüllt von dem Verlangen, vollkommen zu sein, hingegangen vor dem Meister zu knien, um mehr vom Weg zum ewigen Leben zu erfahren? Oder bist du so sehr zufrieden mit dem, was du bist, dass du niemals das ewige Leben suchtest, niemals hungertest und dürstetest nach der Gerechtigkeit Gottes,[10] der Vervollkommnung deines Seins? Wenn dies Letztere dein Zustand ist, dann sei getröstet; der Meister verlangt von dir nicht, zu verkaufen, was du hast und es den Armen zu geben. Du und ihm folgen! Du und mit ihm gehen und gute Botschaft predigen! – Du, welcher sich nicht um Gerechtigkeit kümmert! Du bist keiner, dessen Begleitung wünschenswert für den Meister ist. Sei getröstet, sage ich: er braucht dich nicht; er wird dich nicht danach fragen, deine Börse für ihn zu öffnen; du magst geben oder zurückhalten; es bedeutet ihm nichts. Was! Ist er angewiesen auf einen außerhalb seines Himmelreiches – auf den Unwahrhaftigen, den Unehrenhaften wegen Geld? Bring ihm ein aufrichtiges Herz, eine gehorsame Hand: er hat sein Herzblut dafür gegeben; doch dein Geld – weder braucht er es, noch kümmert er sich darum.“

   „Ich bitte dich, behandle mich nicht so streng. Ich bekenne, dass ich nicht war, was ich sein sollte, doch ich will umkehren und gern ins Leben eintreten. Denke nicht, weil ich nicht bereit bin, ohne die Gewissheit, dass es von mir verlangt wird, alles von mir zu werfen, was ich habe, dass ich keinen Sinn für die höheren Dinge habe.“

   „Dann also, einmal mehr, geh hin und halte die Gebote. Es geht noch nicht um dein Geld. Die Gebote sind genug für dich. Du bist noch kein Kind des Himmelreiches. Du kümmerst dich nicht um die Arme deines Vaters; du schätzt allein den Schutz seines Daches. In Bezug auf dein Geld lass die Gebote dich anleiten, wie es verwendet werden soll. Es ist nur eine bemitleidenswerte Annahme bei dir, dich zu fragen, ob von dir verlangt wird, alles zu verkaufen, was du hast. Wenn du durch das Einhalten der Gebote den großen Lohn der Liebe zur Gerechtigkeit erhalten hast – den darüber hinausgehenden Lohn zu entdecken, dass du trotz all deiner aufgebrachten Kraft nur ein unnützer Knecht bist; wenn du zu der Erkenntnis gekommen bist, dass das Gesetz nur durch solche gehalten werden kann, die kein Gesetz brauchen; wenn du fühlst, dass du lieber aus dem Dasein scheiden willst, als solch ein armseliges, elendes, selbstsüchtiges Leben wie du es dein Eigen nennst zu führen; wenn du dir eines Etwas bewusst bist jenseits von allem, was dein Geist sich denken kann, jedoch nicht jenseits von dem, wonach dein Herz verlangen kann – ein Etwas, das nicht dein ist, scheinbar niemals dein sein kann, ohne welches dein Leben jedoch wertlos ist; wenn du deshalb zum Meister gekommen bist mit dem Ruf: „Was soll ich tun, dass ich das ewige Leben ererbe?“, mag es sein, dass er dann zu dir sagt: „Verkaufe alles, was du hast, und gib´s den Armen, und komm, folge mir nach.“ Wenn er es tut, dann wist du zu den ehrenwertesten Menschen gehören, wenn du gehorchst – zu den bedauernswertesten, wenn du ablehnst. Bis dahin wärst du kein Trost für ihn, keine Freude für seine Freunde.[11] Denn für den jungen Mann hätte, alles verkauft zu haben und ihm zu folgen, bedeutet, Gottes Beglaubigung der Adelswürde anzunehmen: dir wird sie nicht angeboten. Würde einer der Ungehorsamen, in der Hoffnung auf diese Ehre, sich von jedem Halm trennen, den er besitzt, würde er zurückgeschickt werden, um die Gebote in den neuen und einfacheren Umständen seiner Armut zu halten.

   „Tröstet dich das? Dann wehe dir! Tausendmal wehe! Deine Erleichterung ist, dass der Herr dich nicht gebrauchen kann – nicht von dir verlangt, dich von deinem Geld zu trennen und dir stattdessen sich selbst anbietet! Du verkaufst ihn wahrhaftig nicht für dreißig Silberstücke, doch du bist froh, ihn nicht mit allem, was du hast, zu kaufen![12] Worin unterscheidest du dich von dem Jüngling in der Geschichte? Darin, dass er eingeladen war mehr zu tun, alles zu tun, der göttlichen Natur teilhaftig zu werden; du hast es nicht in deiner Macht gehabt abzulehnen; du bist nicht fähig eingeladen zu werden. Solche wie du können niemals ins Himmelreich eintreten. Du würdest nicht einmal wissen, dass du im Himmel bist, wenn du darin wärst; du würdest ihn um dich herum nicht sehen, selbst wenn du am Fuße des Thrones [Gottes] säßest.“

   „Doch ich vertraue nicht auf meine Reichtümer; ich vertraue auf die Verdienste meines Herrn und Retters. Ich vertraue auf sein vollendetes Werk, ich vertraue auf das Opfer, das er dargebracht hat.“

   „Ja; ja! – du wirst auf alles Vertrauen außer auf den Mann selbst, welcher dir sagt, dass es schwer ist, gerettet zu werden! Nicht all die Verdienste Gottes und seines Christus können dir ewiges Leben geben; nur Gott und sein Christus können es; und sie können es nicht, würden nicht, wenn sie könnten, ohne dein Einhalten der Gebote. Das Kennen des lebendigen Gottes ist ewiges Leben. Was hast du mit seinen Verdiensten zu schaffen? Du musst sein Wesen kennen, ihn selbst. Und was dein Vertrauen in deine Reichtümer angeht – wer hat sich jemals vorgestellt, er könnte ewiges Leben haben durch seine Reichtümer? Kein Mensch mit einem halben Gewissen, von halbem Verstand und gänzlich ohne Herz könnte annehmen, dass irgendein Mensch, der auf seine Reichtümer vertraut, dass sie ihn hineinbringen, ins Reich der Himmel eintreten könnte. Das wäre zu absurd. Der auf Geld vertrauende Jude mochte hoffen, wenn seine Reichtümer ein Zeichen des Wohlgefallens Gott wären, dass dieses Wohlgefallen ihn zuletzt nicht enttäuschen würde; oder seine Besitztümer mochten seine Selbstzufriedenheit so sehr vergrößern, dass er die Idee gar nicht in Erwägung ziehen konnte, verloren zu sein; doch auf seine Reichtümer vertrauen! – nein. Es ist die letzte Zuflucht des Liebhabers von Reichtümern, des Anbeters von Reichtümern, der Mensch, für welchen sein Besitz wesentlich für seinen Frieden ist, zu sagen, er vertraue nicht in sie, dass sie ihn ins Leben bringen. Zweifellos vertraut der Mensch, welcher nicht an etwas so Großes denkt, auf eine beängstigende Weise in sie; doch Hunderte, welche so tun, werden immer noch sagen: „Ich vertraue nicht auf meine Reichtümer; ich vertraue auf –“ diese oder jene Standardaussage.“

   „Du vergisst dich; du bemängelst des Herrn eigene Worte: Er sagte: „Wie schwer ist´s, dass die, so ihr Vertrauen auf Reichtum setzen, ins Reich Gottes kommen!“

   „Ich vergesse mich nicht; dorthin habe ich dich geführt: – unser Herr, so glaube ich, sagte niemals diese Worte. Die Lesart beider Manuskripte, des sinaitischen sowie des vatikanischen, der ältesten zwei, die wir haben,[13] bevorzugt – ich bin froh, das zu sehen – sowohl von Westcott als auch von Tischendorf, obwohl nicht von Tregelles oder der Revision, lautet: „Kinder, wie schwer ist´s, ins Reich Gottes zu kommen!“ Diese Worte nehme ist als jene des Herrn. Irgendein Kopist, zumindest mit dem Geist eines reichen Mannes, unzufrieden mit der Art des Herrn, sich auf Geld zu beziehen, und wie du selbst besorgt um einen Kompromiss, muss fürwahr seine Marginalglosse beigefügt haben – mit der Wirkung, dass es nicht der Besitz von Reichtümern, sondern das Vertrauen auf sie ist, was es schwer macht, ins Himmelreich einzutreten! Schwer? Ja, es ist ewig unmöglich für den Menschen, welcher auf seine Reichtümer vertraut, ins Himmelreich einzutreten! Für den Menschen, welcher Reichtümer hat, ist es schwierig. Ist anzunehmen, dass der Herr lehrt, dass für einen Menschen, welcher auf seine Reichtümer vertraut, es möglich ist, ins Himmelreich einzutreten? Dass, obwohl bei Menschen unmöglich, es bei Gott möglich ist? Gott nimmt den Anbeter des Mammon in seine Herrlichkeit! Nein! Der Herr sagte das niemals. Die Anmerkung von Herrn Januskopf[14]  hat sich in den Text geschlichen und steht in der Englischen Fassung. Unser Herr hatte nicht die Angewohnheit, seine harten Worte weg-zu-erklären. Er ließ sie in all ihrer Herrlichkeit des brennenden Feuers stehen, durch welches sie uns reinigen sollten. Wo ihre Einfachheit auf entsprechende Einfachheit trifft, werden sie verstanden. Das zwiespältige Herz muss sie missverstehen. Es ist schwer für einen reichen Menschen, einfach weil er ein reicher Mensch ist, ins Reich der Himmel einzutreten.“

   Einige trösten sich zweifellos mit dem Gedanken, dass, wenn es so schwer ist, diese Tatsache auch in Erwägung gezogen wird: Das ist nur eine weitere Form der Einbildung, dass der reiche Mensch anders als seine Gefährten behandelt werden muss; dass er, weil er sein Gutes hier hatte, es auch dort haben muss.[15] Sicher wie das Leben werden sie absolute Gerechtigkeit erfahren, das heißt, Fairness, doch was wird das nutzen, wenn sie nicht ins Himmelreich eintreten? Es ist Leben, was sie haben müssen; es gibt kein Andauern der Existenz ohne Leben. Sie denken, dass sie ohne ewiges Leben auskommen, wenn sie nur für immer leben! Jene, welche wissen, was ewiges Leben bedeutet, zählen es als den Schrecken schlechthin, ohne es weiterzuleben.

   Nimm daher die Worte des Herrn solcherart: „Kinder, wie schwer ist´s ins Reich Gottes zu kommen!“ Es entspricht gerade seiner Art, die Dinge auszudrücken. Zuerst dazu aufrufend, über die ursprüngliche Schwierigkeit für jeden Menschen, in das Himmelreich einzutreten, nachzudenken, bekräftigt er in einer noch stärkeren Aussage die Schwierigkeit des reichen Menschen: „Es ist leichter, dass ein Kamel durch ein Nadelöhr gehe, denn dass ein Reicher ins Reich Gottes komme.“[16] Es war immer und es wird immer schwer sein, ins Reich der Himmel einzutreten. Es ist schwer auch nur zu glauben, dass man von oben her geboren werden muss – in ein neues und unbekanntes Bewusstsein übergehen muss. Der gesetzes-treue Jude, der zeremonielle Christ schreckt zurück vor der Selbstverleugnung,[17] dem Leben der Gnade und Wahrheit,[18] den höheren Regionen himmlischer Freude, der allumfassenden Liebe, die das Gesetz vollkommen erfüllt[19] und es zur Seite tut. Sie können einen Seinszustand als in sich selbst das ewige Leben nicht annehmen. Und schwer daran zu glauben, an dieses Leben, dieses Reich Gottes, diese Einfachheit des absoluten Daseins, bedeutet, schwer hineinzukommen. Wie schwer? So schwer wie der Meister der Erlösung Worte finden konnte, die Schwere auszudrücken: „So jemand zu mir kommt und hasst nicht … dazu sein eigen Leben, der kann nicht mein Jünger sein.“[20] Und der reiche Mensch muss es schwerer finden als ein anderer, sein eigenes Leben zu hassen. Damit hängt so viel zusammen, das Selbst seines Bewusstsein anschwellen zu lassen, dass die Schwierigkeit, es als einen bloßen hässlichen Schatten des Selbst, das Gott geschaffen hat, von sich zu werfen, erheblich gesteigert wird.

   Keiner kann wissen, wie schwierig es ist, in das Reich der Himmel einzutreten als jene, welche es versucht haben – es sehr versucht haben[21] und nicht aufgehört haben, es zu versuchen. Ich kümmere mich nicht darum, wenn mir erzählt wird, dass man plötzlich in die allermöglichste Süße der Gewissheit eingehen mag; es ist nicht Gewissheit, nach der ich verlange, sondern die Sache selbst; nicht die Gewissheit des ewigen Lebens, sondern das ewige Leben selbst. Ich kümmere mich nicht darum, was andere Prediger sagen mögen, wo ich weiß, dass in Paulus der Geist und das Fleisch in ständigem Kampf lagen.[22] Diese nur, wiederhole ich, wissen, wie schwer es ist, ins Leben einzugehen, welche jeden Tag in der Auseinandersetzung stehen, zunehmend in dieser Auseinandersetzung mit jeder Stunde – nein, anfangen zu sehen, dass kein Augenblick Leben ist ohne die Gegenwart, die stark macht. Lass irgendwen mir erzählen von Frieden und Zufriedenheit, ja, unaussprechlicher Freude als sofortigem Ergebnis der neuen Geburt; ich leugne keine solche Aussage, lehne kein solches Zeugnis ab; alles, was ich sagen will ist, dass, wenn sie mit Rettung weniger als die völlige Einheit mit Gott meinen, fasse ich es nicht als Rettung auf, noch würde ich zufrieden damit sein, selbst wenn es ihre besten Vorstellungen einer jeden Freude in den Himmeln einschließen würde. Wenn sie nicht gerecht sind, ebenso wie er gerecht ist, sind sie nicht gerettet, was auch immer ihre Freude oder ihre Zufriedenheit ausmacht; sie sind nur auf dem Weg gerettet zu sein. Wenn sie nicht ihren Nächsten lieben – nicht wie sich selbst: das ist eine missverstandene Wendung und nicht von Christus, sondern – wie Christus sie liebt,[23] kann ich sie nicht als ins Leben eingegangen betrachten, obwohl das Leben angefangen haben mag, in sie einzugehen. Jene, deren Vorstellung vom Leben ausschließlich eine ewige ist, wissen am besten, wie schwer es ist, ins Leben einzutreten. Der Herr sagte: „Kinder, wie schwer ist´s, ins Reich Gottes zu kommen!“ Die Jünger wussten kaum, was von ihnen verlangt wurde!

   Bisher unbekannte Ansprüche werden fortgesetzt an den Christen erhoben: es ist das immer erneute Aufwecken und Rufen, Fragen und Aussenden des Heiligen Geistes, das in den Kindern des Gehorsams wirkt.[24] Wenn er denkt, er hat es erlangt,[25] dann ist er in Gefahr; wenn er findet, dass der Berg, den er so lange erklommen hat, in der Ferne plötzlich seinen Gipfel zeigt, strahlend in ewiger Weiße und so ganz verloren in den himmlischen Gefilden, ein Gipfel, dessen Herrlichkeits-gekrönter Scheitel wirkt, als könnte kein menschlicher Fuß ihn je erreichen – dann ist da Hoffnung für ihn; da ist der Beweis dafür, dass er aufgestiegen ist,[26] denn er nimmt das noch nicht Erklommene wahr; er sieht, was er zuvor nicht sehen konnte; wenn er wenig von dem weiß, was er ist, dann weiß er etwas von dem, was er nicht ist. Er lernt immer aufs Neue, dass er nicht in der Welt ist, wie Jesus in der Welt war; doch eben der Wind, der ihn mit Mut anweht, während er klettert, ist die Hoffnung, dass er eines Tages sein wird wie er, ihn sehen wird, wie er ist.[27]

   Besitztümer sind Dinge und Dinge im Allgemeinen, es sei denn, sie sind Gegenstand der Eroberung und Einnahme geistlicher Angelegenheiten, erweisen sich sehr bereitwillig als feindselig dem besseren Leben gegenüber. Der Mensch, welcher für das Bewusstsein des Wohlbefindens von etwas anderem abhängt als dem Leben, dem wesentlichen Leben, ist ein Sklave; er hängt an dem, was geringer ist als er selbst. Der ist nicht vollkommen, welcher, aller Dinge beraubt, sich nicht ruhig und zufrieden niedersetzt, eines unberührten Wohlergehens bewusst; denn nichtsdestotrotz wäre er der Besitzer aller Dinge, das Kind des Ewigen. Dinge sind uns gegeben, dieser Leib als erstes aller Dinge, dass wir durch sie geübt werden mögen zu beidem, Unabhängigkeit von ihnen und ihr wahrer Besitz. Wir sollen sie besitzen; sie sollen nicht uns besitzen. Ihr Nutzen ist zu vermitteln – als Form und Ausdruck geringerer Art der Dinge, die nicht sichtbar sind, das heißt, in sich selbst unsichtbar sind; die Dinge die nicht zur Welt der Sprache sondern zur Welt der Stille gehören, nicht zur Welt des Sichtbaren sondern zur Welt des Seins, der Welt, die nicht erschüttert werden kann und bleiben soll.[28] Diese nicht sichtbaren Dinge nehmen Gestalt an in den Dingen von Zeit und Raum – nicht damit sie existieren, denn sie existieren in und durch die ewige Gottheit, sondern dass ihr Sein erkannt werden mag von denen, die in Übung für das Ewige sind; diese nicht sichtbaren Dinge müssen die Söhne und Töchter Gottes besitzen. Doch anstatt sich nach ihnen auszustrecken, greifen sie nach ihren Erscheinungsformen, honorieren die sichtbaren Dinge als die Dinge, die zu besitzen sind, verlieben sich in die Leiber statt in die Seelen. Es gibt gute Leute, welche kaum glauben können, dass, hätte der junge Mann eingewilligt seinen Wohlstand aufzugeben, der Herr ihm dann nicht gesagt hätte, er solle ihn behalten; sie scheinen auch zu denken, dass die Schätze im Himmel als Ersatz ungenügend sind. Sie können nicht glauben, dass er besser dran gewesen wäre ohne seinen Wohlstand. „Ist Wohlstand nicht Macht?“, fragen sie. Er ist tatsächlich Macht und so ist es ein Wolf im Schafspelz auch; er ist Macht, doch die einer rohen Maschine, von welcher der Besitzer kaum die Griffe und Hebel, Ventile und Regler kennt.[29] Die Mehrheit derer, welche die Geschichte lesen, sind desselben Geistes wie der Jüngling – in seinem schlimmsten Augenblick, als er sich umwandte und ging – mit dem einen enormen Unterschied, dass sie nicht bekümmert sind.

   Dinge können niemals wirklich besessen werden durch den Menschen, welcher nicht ohne sie auskommen kann – welcher nicht völlig, göttlich zufrieden wäre in dem Bewusstsein, dass die Ursache seines Daseins darin liegt – und bei ihm. Ich will nicht missverstanden sein: Niemand kann das Bewusstsein Gottes bei sich haben und nicht zufrieden sein; ich meine, dass niemand, welcher nicht den Vater hat in der Weise, dass er ewig zufrieden ist in ihm allein, einen Sonnenuntergang besitzen kann oder eine Wiese oder eine Goldmine oder die Liebe eines Mitgeschöpfes nach seiner Natur – wie Gott will, dass er sie besitzt – in der ewigen Art des Erbens, Habens und Haltens. Der, welcher Gott hat, hat alle Dinge, nach der Weise, in der er, welcher sie gemacht hat, sie besitzt. Zu Mann, Frau und Kind sage ich – wenn du nicht zufrieden bist, dann ist es, weil Gott nicht mit dir ist, wie du ihn brauchst, nicht mit dir, wie er mit dir sein wollte, wie du ihn haben musst; denn du brauchst ihn wie dein Leib niemals Nahrung oder Luft gebraucht hat, brauchst ihn wie deine Seele niemals nach Freude gehungert hat oder nach Frieden oder nach Vergnügen.

   Es ist unerlässlich für uns, die Tyrannei der Dinge loszuwerden. Siehe, wie unerlässlich: Lasst den jungen Mann mit jeder Faser an seinem Wohlstand klammern, was Gott tun kann, wird er tun; sein Kind soll nicht in der Hölle des Besitztums zurückgelassen werden! Der Engel des Todes kommt! – und wo sind die Dinge, die die arme Seele heimsuchten mit solch mannigfaltigen Hindernissen und Hemmnissen! Die Welt und alles, was in der Welt ist, fällt und gleitet unter seinen Füßen, unter seinen Händen, mit sich nehmend seinen Leib, seine Augen, seine Ohren, jede Börse, jede Truhe, die ihn mit der Vorstellung des Besitzes täuschen konnten.

   „Ist der Mensch so von der Herrschaft der Dinge befreit? Dient der Tod ihm auf diese Weise – erlöst ihn so? Warum dann die Stunde beschleunigen? Soll der Jüngling nicht den Schlag der Uhr ausharren – das Unausweichliche auf seinem Pfad erwarten, ihn zu befreien?“

   Nicht so! – denn dann erst, vermute ich, wird der Mensch der Dinge zuerst ihrer Tyrannei gewahr. Wenn ein Mensch anfängt sich zu enthalten, dann erst erkennt er die Stärke seiner Leidenschaft; es mag sein, wenn ein Mensch nicht ein Ding mehr besitzt, wird er anfangen zu erkennen, was für eine Notwendigkeit er aus den Dingen gemacht hat; und wenn er dann anfängt, sich mit ihnen auseinander zu setzen, aus seiner Seele zu verbannen, was der Tod ihm aus den Händen gerissen hat, dann erst wird er die volle Leidenschaft des Besitzes erkennen, die Sklaverei des Wertschätzens des wertlosen Teils des Kostbaren.

   „Worin dann liegt der Dienst des Todes? Er nimmt den Stachel, aber hinterlässt das Gift!“

   Darin: es sind nicht die reibenden Fesseln, sondern die sanften Fesseln, welche sich in die Seele fressen. Wenn die Fesseln des Goldes vergangen sind, auf welche zu blicken der Mensch sich erfreute, obwohl sie ihn fest an die Wand seines Verlieses hefteten, verborgen vor der Luft und dem Sonnenschein, dann zuerst wird er sie in der Schmerzhaftigkeit ihres Fehlens fühlen, in der erschöpften Gleichgültigkeit, mit welcher er auf die Erde und das Meer, den Weltraum und die Sterne blickt. Wenn die Wahrheit anfängt, in ihm aufzudämmern, dass diese Fesseln ein Grauen und eine Schande sind, dann wird das Gute des rettenden Todes erscheinen und der Mensch fängt an zu verstehen, dass Haben niemals Wohlergehen war und es niemals sein wird; dass wir nicht durch Besitzen leben, sondern durch das Leben besitzen. Auf diese Weise ist der Verlust der Dinge, die er dachte zu haben, eine Bewegung, kaum hin zur, doch zu Gunsten der Befreiung. Es mag dem Menschen zuerst wie Versklavung vorkommen, während es in Wahrheit der Anfang seiner Freiheit ist. Niemals wurde eine Seele befreit, ohne dass man sie ihre Versklavung hat spüren lassen; nichts als sie selbst kann eine Seele versklaven, nichts sie ohne sie selbst befreien.

   Wenn der Trinker, frei von seinem Leib, doch sein Verlangen behaltend, nicht in der Lage ihm nachzugeben, endlich Zeit hat nachzudenken, in Ermangelung der Mittel, das Denken zu zerstören, dann dämmert ihm sicherlich zuletzt eine angstvolle Hoffnung! – nicht eher, als dass er durch die Macht Gottes und seines eigenen gehorsamen Bemühens in einen solchen Zustand erhoben wird, dass er, die Versuchung sei was sie will, nicht nachgeben würde für eine Unsterblichkeit in unbedauerter Trunkenheit – mit all ihren Vorzügen und nicht eine ihrer Bestrafungen – ist er gerettet.[30]

   Auf diese Weise mag der Tod eine neue Gelegenheit geben – mit einiger Hoffnung für die Mehrheit, die sich selbst zu den Christen zählt, welche von Dingen besessen sind wie von einer Legion Teufel;[31] welche in ihrer Kirche gut dastehen, deren Leben als fleckenlos betrachtet wird; welche nett und freundlich sind, großzügig geben, an die Erlösung Jesu glauben, von der Welt und der Kirche sprechen; und deren Sorge doch all die Zeit um das Anhäufen geht, viel zu noch mehr zu machen, Haus an Haus zu reihen und Feld an Feld,[32] sich selbst tiefer und tiefer in den Aschehaufen der Dinge eingrabend.

   Doch es ist nicht der reiche Mensch allein, welcher unter der Herrschaft der Dinge steht; diese auch sind Sklaven, welche, kein Geld besitzend, unglücklich sind wegen seines Fehlens. Der Mensch, welcher beständig sein Grab schaufelt ist nicht viel besser als der, welcher bereits modernd darin liegt. Das Geld, was der eine hat, das Geld, was der andere haben will, ist beides die Ursache für eine unaufhörliche Unverständigkeit. Dem einem wie dem anderen gilt das Wort: „Wie versteht ihr noch nicht?[33]

[1] Prediger 2, 22 – 23

[2] „to make the best of both worlds“ – feststehende Redewendung im Englischen, hier in Anspielung auf  Gottes Reich und das Reich dieser Welt

[3] Matthäus 6, 24 / Lukas 16, 13

[4] Schon damals ein sehr gängiges Vorurteil gegen Juden. Man darf George MacDonald hier nicht missverstehen. Er gebraucht diese Ansicht als Stilmittel zur Verstärkung seines Arguments. Gegen Juden oder andere Menschengruppen Vorurteile zu hegen, widerstrebte MacDonald zutiefst.  

[5] Apostelgeschichte 5, 1 – 5

[6] Johannes 19, 38 – 42

[7] Matthäus 5, 48

[8] Matthäus 7, 3 – 5

[9] Anspielung auf das Gleichnis von den anvertrauten Pfunden in Matthäus 25, 14 – 30, in dem der unnütze Knecht seinen Herrn einen „harten Mann“ nennt.

[10] Matthäus 5, 6

[11] Siehe Lukas 15, 7

[12] Anspielung auf Judas, der gegen 30 Silberstücke einwilligte, Jesus an die Obersten auszuliefern. Die imaginierte reiche Person, mit der George MacDonald hier spricht, würde den Herrn also nicht für Geld verraten, denn sie hätte ja genug davon. Aber sie würde auch nicht alles hergeben, was sie besitzt, um das Reich Gottes zu gewinnen. Dies ist eine Anspielung auf die Gleichnisse vom Himmelreich in Matthäus 13, 44 – 46: „Abermals ist gleich das Himmelreich einem verborgenen Schatz im Acker, welchen ein Mensch fand und verbarg ihn und ging hin vor Freuden über denselben und verkaufte alles, was er hatte, und kaufte den Acker. Abermals ist gleich das Himmelreich einem Kaufmann, der gute Perlen suchte. Und da er eine köstliche Perle fand, ging er hin und verkaufte alles, was er hatte, und kaufte sie.“

[13] George MacDonald nimmt hier Bezug auf den Codex Sinaiticus, die älteste vollständige, griechische Handschrift des Alten und des Neuen Testamentes, die gerade 1859 von Friedrich Konstantin von Tischendorf im griechisch-orthodoxen Katharinenkloster auf der Halbinsel Sinai entdeckt worden war. Die Herren Westcott und Hort gaben 1881 eine griechische Fassung des Neuen Testamentes heraus, die auf den ältesten überlieferten Handschriften beruhte. Tregelles und andere waren an der Revision der King James Bibel beteiligt. Sie folgten dabei nicht immer den ältesten Textversionen. Ebenso wie die zahlreichen Revisionen der Lutherbibel gehen auch die wiederholten Revisionen der King James Bibel zum Teil Kompromisse zwischen der genauen Übersetzung aus den ältesten Originalhandschriften und traditionellen Lesarten bestimmter Verse ein. Der zweite Teil der Unspoken Sermons wurde 1885 veröffentlicht, sehr nahe an den damals neuesten Forschungsergebnissen zur Überlieferung der biblischen Schriften. George MacDonald ringt darum, zu den ursprünglichen Aussagen Jesu durchzudringen.    

[14] Herr „Januskopf“ ist die deutsche Entsprechung der originalen Figur „Mr. Facingbothways“ aus John Bunyans „Pilgrim´s Progress“ (Pilgerreise) – Mr. Facingbothways tritt als einer der Bewohner aus der Stadt „Fairspeech“ (Schönerede) auf, bei einer Silbermine gelegen, die reichen Gewinn verspricht. Insofern passt die Figur in doppelter Hinsicht auf diese Predigt von George MacDonald, als ein Mann, der gleichzeitig dem Mammon und Gott dienen will, auf beiden Seiten hinkt, zwei Gesichter hat.

[15] Anspielung auf das Gleichnis vom reichen Mann und dem armen Lazarus, in dem Abraham dem sich in Qual befindenden Reichen sagt, er hätte sein Gutes bereits im diesseitigen Leben gehabt. (Lukas 16, 19 – 31)

[16] Markus 10, 25

[17] Matthäus 16, 24

[18] Johannes 1, 14

[19] Römer 13, 10

[20] Lukas 14, 26

[21] Original: “try hard“ – eine feste Redewendung im Englischen, die wieder das Wort „hard“ aus dem leitenden Bibelvers aufgreift

[22] Römerbrief Kapitel 7 und 8

[23] 1. Johannes 4, 19

[24] 1. Petrus 1,14

[25] Philipper 3, 12

[26] Siehe weiter oben – George MacDonald nutzt fast immer die Metapher des Aufstiegs als Sinnbild für geistliche Reife, Fortschritt im Glauben, der zum Schauen wird.

[27] 1. Korinther 13, 12

[28] Hebräer 12, 27

[29] Diese Beschreibung erinnert an eine Dampfmaschine, deren Erfindung die industrielle Revolution und damit einen grundlegenden, technischen Wandel der Gesellschaft beschleunigt hat. Die Auswirkungen dieses Wandels hat George MacDonald selbst in seiner Zeit erlebt. Spuren der Faszination für diese Technik einerseits, aber auch das Bedauern über die negativen Auswirkungen für die einfache Bevölkerung andererseits finden sich in seinen Romanen wieder.

[30] George MacDonald gehört nicht zu denen, die für einen Menschen jede Hoffnung auf Umkehr und Reinigung aufgeben, wenn er gestorben ist. Er geht davon aus, dass auch nach dem Tod die unsterbliche Seele dazu bewegt werden kann, zu Gott zurückzukehren. In diesem Sinne versteht er „Hölle“ – als das Feuer der Liebe Gottes, in dem der Mensch endlich erkennt, wer und was er ist und wer und was er sein sollte. Zum Beispiel des Alkoholsüchtigen, der es in diesem Leben nicht geschafft hat, sich von seinem Verlangen zu lösen, aber für den es in seiner Hilflosigkeit vielleicht im Jenseits Hoffnung geben kann, hat George MacDonald die Geschichte des alkoholsüchtigen Vaters des kleinen Jungen Gibbie in seinem Roman „Sir Gibbie“ beschrieben. 

[31] Anspielung auf die Geschichte des Besessenen in Markus 5 / Lukas 8), der von einer Legion Dämonen besessen war.

[32] Jesaja 5, 8

[33] Markus 8, 21 – Übergang zur nächsten Predigt über geistliche Unverständigkeit