Der letzte Heller
„Ich sage dir wahrlich: Du wirst nicht von dannen herauskommen, bis du auch den letzten Heller bezahlest.“ Matthäus 5, 26

Es gibt eine wundervolle und bewundernswerte Sache in den Gleichnissen, die nicht sogleich erfasst, doch besonders vom Herrn selbst angedeutet wird – ihre Unverständlichkeit für den bloßen Intellekt.[1] Sie sind an das Bewusstsein gerichtet und nicht an den Intellekt, an das Wollen und nicht an die Vorstellungskraft. Sie sind stark und direkt, aber nicht eindeutig. Sie sind nicht dazu gedacht, irgendetwas zu erklären, sondern einen Menschen aufzurütteln zur Empfindung „Ich bin nicht, was ich sein sollte. Ich tue nicht die Sache, die ich tun sollte!“ Viele plappernde Auslegungen mögen durch die Weisen gegeben werden, mit vielfach vergeblicher Mühe, während das Kind, welches sie aus der Notwendigkeit heraus, auf dem einen Pfad zu wandeln, nutzt, beständig Licht aus ihnen empfangen wird. Die größte Verdunklung der Worte des Herrn, wie der aller wahren Lehrer, kommt von denen, welche sich selbst eher ihrer Auslegung hingeben, als sie zu tun. Theologen haben mehr getan, um das Evangelium Christi zu verbergen, als irgendeiner seiner Gegner. Es war nicht wegen unseres Verstehens, sondern wegen unseres Wollens, dass Christus kam. Er, welcher das tut, was er sieht, wird verstehen; er, welcher eher auf das Verstehen als auf das Tun ausgerichtet ist, wird weiter stolpern und fehlgehen und Narrheit reden.[2] Er hat nicht in sich, was diese Art verstehen kann. Das Evangelium selbst und in ihm die Gleichnisse der Wahrheit sind nur durch jene zu verstehen, welche nach dem wandeln, was sie finden. Es ist er, der läuft, der lesen soll, und kein anderer. Es ist vom Erzähler der Gleichnisse nicht beabsichtigt, dass irgendein anderer intellektuell wissen sollte, was, nur intellektuell gewusst, zu seinem Schaden wäre – was er intellektuell wissend sich vorstellt erfasst zu haben, vielleicht sogar zu Eigen gemacht. Wenn der Pilger der Wahrheit auf seiner Reise zu der Region der Gleichnisse kommt, findet er seine Auslegung. Es ist keine Frucht oder ein Juwel zum Einlagern, sondern eine Quelle, die am Wegesrand entspringt.
Lasst uns versuchen zu verstehen, was der Herr selbst über seine Gleichnisse sagte. Es wird besser sein, die Lesart von Matthäus 13, 14 – 15[3] zu nehmen, da sie deutlicher ist und das Zitat aus Jesaja (6, 9 – 10)[4] vollständig wiedergegeben ist – nach der Septuaginta und viel klarer als in unserer Version aus dem Hebräischen:[5] – in ihrem Licht sollten die entsprechenden Abschnitte in den anderen Evangelien gelesen werden: in Markus[6] ist er so verdichtet, dass er imstande ist, eine ziemlich verschiedene und falsche Bedeutung anzunehmen: in Johannes Bezug[7] scheint die Verblendung des Herzens direkt dem Teufel zugeschrieben zu sein: – die Bedeutungsabsicht ist, dass jene, welche durch Unaufrichtigkeit und Falschheit ihre tieferen Augen verschließen, nicht in der Lage sein werden, in dieser Angelegenheit die mehr oberflächlichen Augen ihres Verständnisses[8] zu nutzen. Ob dies als psychische oder als metaphysische Notwendigkeit folgt oder als eine besondere Bestrafung betrachtet wird, es ist gleichermaßen der Wille Gottes und kommt von ihm, welcher die lebendige Wahrheit ist.[9] Sie sollen nicht sehen, was nicht für solche wie sie ist. Es ist die Bestrafung der wahrhaftigen Liebe und wird fortlaufend veranschaulicht und erfüllt: wenn ich irgendetwas von der Wahrheit Gottes weiß, dann tun es die Gegner des Christus, soweit ich mit ihnen vertraut bin, nicht; ihre Einwände, in sich selbst nicht falsch, haben nichts mit der Angelegenheit zu tun; sie sehen die Sache, gegen die sie sprechen, doch sie sehen nicht die Sache, von der sie denken, dass sie dagegen sprechen.
Dies wird helfen, die Schwierigkeit zu beseitigen, dass die Gleichnisse deutlich die Lehre der Wahrheit bezwecken und der Herr doch von ihnen spricht als wären sie dazu da, sie zu verbergen. Sie sind für das Verstehen nur des Menschen, welcher praktisch ist – welcher die Dinge tut, die er weiß,[10] welcher wesenhaft zu verstehen sucht. Sie offenbaren sich dem lebendigen Gewissen, andererseits nicht dem schärfsten Intellekt – obwohl sie gleichzeitig dazu verhelfen mögen, das Gewissen mit flüchtigen Blicken auf die Wahrheit zu wecken, wo sich der Mensch an der Grenze des Erwachens befindet. Unwissenheit mag zugleich eine Bestrafung und eine Freundlichkeit sein: alle Bestrafung ist Freundlichkeit und das Beste, dessen der Mensch zu dieser Zeit fähig ist: „Weil du nicht tun willst, sollst du nicht sehen, doch es wäre schlimmer für dich, wenn du sehen würdest, nicht in der Lage seiend zu tun.“ Solche sind bestraft, indem der Weg vor ihnen verschlossen ist; sie bestrafen sich selbst; ihr eigenes Tun hat zur Folge, was es eben nur zur Folge für sie haben kann.[11] Zu ihnen bestimmte Dinge zu sagen, so dass sie sie verstehen könnten, würde sie umso mehr verhärten, weil sie sie nicht tun würden; sie sollen nur Gleichnisse haben – Laternen der Wahrheit, klar für jene, welche in ihrem Licht wandeln wollen, verdunkelt für jene, welche es nicht tun wollen.[12] Die Ersteren sind zufrieden, ein Licht auf ihrem Weg zu haben; die Letzteren werden es in ihren Augen haben und können nicht: wenn sie es hätten, würde es sie blenden. Für sie würde mehr zu wissen ihre schlimmere Verdammung bedeuten. Sie sind nicht geeignet, mehr zu wissen; mehr wird ihnen noch nicht gegeben werden; es ist ihre Bestrafung, dass sie im Unrecht sind und im Unrecht gehalten werden, bis sie daraus hervorkommen. „Ihr wähltet das Dunkel; ihr sollt im Dunkel bleiben, bis die Schrecken, die im Dunkeln wohnen, euch schlagen und dazu bringen aufzuschreien.“ Gott legt ein Siegel auf den Willen des Menschen; dieses Siegel ist entweder seine große Bestrafung oder seine gewaltige Gunst: „Ihr liebt die Dunkelheit, bleibt in der Dunkelheit.“[13] „Oh Frau, dein Glaube ist groß: dir geschehe, wie du willst.“[14]
Welche besondere Bedeutung in die verschiedenen Beteiligten, Fürst, Richter und Diener, jenseits der allgemeinen Zuschreibung, für die allmähliche Annäherung an die Schlussfolgerung vielleicht hineingelesen werden mag, weiß ich nicht; doch ich denke, dass ich weiß, was mit „einige dich auf dem Wege“ gemeint ist und mit „der allerletzte Heller“.[15] Das Gleichnis ist ein Aufruf an den gesunden Menschenverstand jener, die es hören, in Bezug auf jede Angelegenheit der Gerechtigkeit. Regle, welche Ansprüche gegen dich erhoben werden; Erzwingung wartet dahinter. Tue sofort, was du eines Tages tun musst. Wie es kein Entfliehen vor der Zahlung gibt, entfliehe zumindest dem Gefängnis, das sie erzwingen wird. Treibe die Gerechtigkeit nicht zum Äußersten. Die Pflicht ist unumgänglich; sie muss getan werden. Es ist nutzlos zu denken, dem ewigen Gesetz der Dinge zu entfliehen; ergib dich selbst, nötige Gott nicht, dich zu nötigen.
Für den ehrlichen Menschen, für den Menschen, welcher gerne ehrlich sein würde, ist das Wort von recht gnadenreicher Wichtigkeit. Für den Unwahrhaftigen ist es eine schreckliche Drohung: für den, welcher von der Wahrheit ist, ist es süß als allerlieblichstes Versprechen. Er, welcher in allen Dingen von Gottes Geist ist, jubelt, das Wort der unveränderlichen Wahrheit zu hören; die Stimme des Rechts erfüllt die Himmel und die Erde und macht seine Seele froh; es ist seine Erlösung. Wenn Gott nicht unerbittlich gerecht wäre, gäbe es keinen Halt für die Seele des schwächsten Liebhabers des Rechts: „Du bist wahrhaftig, Oh Herr: eines Tages werde auch ich wahrhaftig sein!“ „Ihr sollt das Recht erbringen, koste es, was es wolle“, ist ein furchtbarer Klang in den Ohren jener, deren Leben eine Falschheit ist: was, außer dem letzten Heller, würden jene, welche Gerechtigkeit mehr als das Leben lieben, zahlen? Es ist eine Freude tief wie der Frieden zu wissen, dass Gott zu solcher Zahlung entschlossen ist, entschlossen ist, seine Kinder sauber, klar, rein wie bloßen Schnee zu haben;[16] entschlossen ist, dass sie mit seiner Hilfe nicht nur ausgleichen sollen, was auch immer sie Falsches getan haben, sondern auf lange Sicht nicht in der Lage sein sollen, durch die ewige Wahl des Guten, unter jeder Versuchung, die Sache zu tun, die nicht göttlich ist, die Sache, die Gott nicht tun würde.
Es hat viel Verhätschelung der bösen Einbildung gegeben, oft ohne dass sie formelle Gestalt annahm, dass es irgendeinen Weg gibt, aus dem Bereich der strengen Gerechtigkeit herauszukommen, irgendeine Art, der Regelung zu entfliehen, alles zu tun, was von uns verlangt ist; doch es gibt kein solches Entkommen. Ein Weg, irgendeine Forderung der Gerechtigkeit zu vermeiden, würde ein unendlich schlimmerer Weg sein als die Straße zum immerwährenden Feuer, denn sein Ziel würde ewiger Tod sein. Nein, es gibt kein Entfliehen. Es gibt keinen Himmel mit ein bisschen Hölle darin – keinen Plan, dieses oder jenes vom Teufel in unseren Herzen oder Taschen zurückzuhalten. Hinaus muss der Satan, mit Stumpf und Stiel! Noch solltest du denken, von der Notwendigkeit befreit zu sein, gut zu sein, indem du gut gemacht wirst. Gott ist der Gott der Tiere auf eine weit lieblichere Art, vermute ich, als viele von uns wagen zu denken, doch er wird nicht der Gott eines Menschen sein, indem er ein gutes Vieh aus ihm macht. Du musst gut sein; weder der Tod noch irgendein Zutritt in gute Gesellschaft wird dich gut machen; obwohl, zweifellos, wenn du willig bist und es versuchst, diese und alle anderen besten Hilfen dir gegeben werden. Es gibt kein Einkleiden in ein Gewand zugerechneter Gerechtigkeit, diese armseligste der gesetzlichen Spinnweben durch geistliche Spinnen gesponnen. Für mich scheint es wie eine Erfindung wohl-meinender Milde, um Irrsinn zu besänftigen; und tatsächlich hat es sich als eine Tür der Flucht aus schlimmeren Vorstellungen erwiesen. Es ist offensichtlich eine alte „Doktrin“, denn Johannes scheint darauf hinzudeuten, wenn er sagt: „Kindlein, lasset euch niemand verführen! Wer recht tut, der ist gerecht, gleichwie er gerecht ist.“[17] Christus ist unsere Gerechtigkeit, nicht dass wir der Bestrafung entfliehen sollen, noch viel weniger eine Ausflucht, gerecht zu sein, sondern als der lebendig wirksame Schöpfer der Gerechtigkeit in uns, so dass wir, mit unserem Willen seinen Geist empfangend, wie er bis aufs Blut widerstehen sollen, streitend gegen die Sünde;[18] in uns selbst wissen sollen, wie er es weiß, was für eine liebliche Sache die Gerechtigkeit ist, was für eine gemeine, hässliche, unnatürliche Sache Ungerechtigkeit ist. Er ist unsere Gerechtigkeit und diese Gerechtigkeit ist keine Fiktion, keine Vortäuschung, keine Zuschreibung.
Eine Sache, die dazu neigt, Menschen davon abzuhalten, Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit zu sehen wie sie sind, ist, dass ihnen erzählt wurde, dass viele Dinge gerecht und ungerecht sind, welche weder das eine noch das andere sind. Gerechtigkeit ist schlicht Fairness[19]– von Gott gegen den Menschen, vom Menschen gegen Gott und den Menschen; es bedeutet, jedem seinen Teil zu geben – seinen großen, mächtigen Teil. Der ist gerecht, und kein anderer, welcher dies tut. Und jedes System, welches dazu neigt, Menschen zu überzeugen, dass es irgendeine Erlösung gibt außer der, gerecht zu werden gerade wie Jesus gerecht ist; dass ein Mensch gut gemacht werden kann, wie ein guter Hund gut ist, ohne seinen eigenen willentlichen Teil im Prozess; dass ein Mensch gerettet ist, indem seine Sünden unter einem Gewand zugerechneter Gerechtigkeit verborgen werden – dieses System, genauso wie diese Tendenz, ist vom Teufel und nicht von Gott. Dank sei Gott, nicht einmal Irrtum soll das wahrhaftige Herz verletzen; er ist keine Boshaftigkeit. Sie wachsen in der Wahrheit, und wie die Liebe die Furcht austreibt, so treibt Wahrheit die Falschheit aus.[20]
Ich lese also in diesem Gleichnis, dass ein Mensch sich besser dazu entschließt, gerecht zu sein, fair zu sein, zu tun, was er kann, um zu zahlen, was er schuldet, in jeder und allen Beziehungen des Lebens – all die Angelegenheiten, in einem Wort, worin ein Mensch einen anderen fordern mag oder sich beklagen, dass er kein fair play[21] erhalten hat. Regle deine Angelegenheiten mit jenen, welche irgendetwas gegen dich haben, während ihr zusammen seid und die Dinge nicht zu weit gegangen sind, um geregelt zu werden; du wirst es tun müssen, und das unter weit weniger einfachen Umständen als jetzt. Es aufzuschieben ist zu nichts nütze. Du musst. Die Sache muss getan werden; es gibt Mittel, dich zu zwingen.
„In dieser Angelegenheit, nichtsdestotrotz, bin ich im Recht.“
„Wenn es so ist, sehr gut – für diese Angelegenheit. Doch ich habe Grund zu zweifeln, ob du dazu in der Lage bist, in deinem eigenen Fall gerecht zu urteilen: – hassest du den Menschen?“
„Nein, ich hasse ihn nicht.“
„Magst du ihn nicht?“
„Ich kann nicht sagen, dass ich ihn mag.“
„Liebst du ihn wie dich selbst?“
„Oh, komm schon! Niemand tut das!“
„Dann kann niemandem vertraut werden, wenn er denkt, wie fest auch immer, dass er ganz im Recht ist und sein Nächster ganz falsch liegt, in jeder Angelegenheit zwischen ihnen.“
„Aber ich sage nicht, dass ich ganz im Recht bin und er ganz falsch liegt; es mag etwas Dringliches auf seiner Seite geben: was ich sage ist, dass ich mehr im Recht bin als er.“
„Dies ist nicht grundsätzlich eine Frage der Dinge: es ist eine Frage der Haltung, des geistlichen Verhältnisses und des Handelns gegen deinen Nächsten. Wenn du in dir selbst völlig richtig gegen ihn wärst, könntest du ihm nichts Falsches tun. Sei es mit der einzelnen Auseinandersetzung wie es sei, du schuldest ihm etwas, das du ihm nicht zahlst, so sicher, wie du denkst, dass er dir etwas schuldet, was er nicht zahlen will.“
„Er würde mich sofort übervorteilen, wenn ich das eingestünde.“
„Umso schlimmer für ihn. Bis du fair zu ihm bist, spielt es keine Rolle, ob er unfair zu dir ist oder nicht.“
„Entschuldige bitte – das ist gerade das, was zählt! Ich will nichts als mein Recht. Was kann mehr für mich zählen als meine Rechte?“
„Deine Pflichten – deine Schulden. Du bist ganz im Unrecht über die Sache. Es spielt eine sehr kleine Rolle für dich, ob der Mensch dir deine Rechte gewährt oder nicht; es ist Leben oder Tod für dich, ob du ihm seine gewährst. Ob er dir zahlt, was du als seine Schuld zählst oder nicht, du wirst gezwungen sein, ihm alles zu zahlen, was du ihm schuldest. Wenn du ihm ein Pfund schuldest und er dir eine Million, du musst ihm das Pfund zahlen, ob er dir die Million zahlt oder nicht; es gibt hier keine geschäftsmäßige Entsprechung. Wenn er, dir Liebe schuldend, dir Hass gibt, hast du, ihm Liebe schuldend, sie ihm doch zu zahlen. Eine nicht an dich gezahlte Liebe, eine dir nicht erteilte Gerechtigkeit, ein von dir zurückgehaltenes Lob, ein über dich verhängtes Urteil ohne Gericht, wird dich nicht von einer unbezahlten Schuld der Liebe entlasten, einer nicht erteilten Gerechtigkeit, einem zurückgehaltenen Lob, einem falsch verhängten Urteil: diese allerletzten Heller – ganz zu schweigen von solchen Schulden, wie die Welt selbst sie als schlimme Übel betrachtet – musst du ihm zahlen, ob er dich bezahlt oder nicht. Uns ist eine gute Weile gegeben zur Zahlung, doch eine Krise wird kommen – wird sehr bald kommen – kommt immer schneller, als jene sie erwarten, welche nicht bereit für sie sind – eine Krise, wenn der nicht nachgegebenen Forderung das Gefängnis folgt.
Dasselbe gilt bei jeder Forderung von Gott: indem er sich weigert zu zahlen, schafft der Mensch einen Widersacher, welcher ihn zwingen wird – und das um dieses Menschen willen. Wenn du oder dein Leben sagen „Ich will nicht.“, dann wird er dafür sorgen. Es gibt ein Gefängnis und die eine Sache, die wir über dieses Gefängnis wissen, ist, dass seine Türen sich nicht öffnen, bis völlige Begleichung erbracht ist, der letzte Heller bezahlt.
Die Hauptschulden, deren Bezahlung Gott fordert, sind jene, welche an der Wurzel allen Rechts liegen, jene, die wir in Geist, Seele und Sein schulden. Was auch immer in uns ein Widersacher sein kann oder dazu wird, was auch immer uns davon abhalten könnte, den Willen Gottes zu tun oder mit unserem Mitmenschen einig zu sein – alles muss sich fügen. Jede unserer Beziehungen, sowohl zu Gott als auch zu unserem Mitmenschen, muss von Herzen wahrgenommen werden, als einer Wirklichkeit begegnet werden. Kleinere Schuldigkeiten, wenn irgendeine Schuld klein sein kann, folgen ganz selbstverständlich daraus.
Wenn der Mensch sie wahrnimmt und zahlen würde, wenn er könnte, aber nicht kann, wird eher das Universum besteuert werden ihm zu helfen, als dass er fortfahren sollte, dazu unfähig zu sein. Wenn der Mensch den Willen Gottes annimmt, ist er das Kind des Vaters, die ganze Kraft und der ganze Reichtum des Vaters sind für ihn und der letzte Heller wird mühelos bezahlt werden. Wenn der Mensch die Schuld leugnet oder indem er sie wahrnimmt nichts dahin unternimmt, sie zu zahlen, dann – zuletzt – das Gefängnis! Gott im Dunkeln kann einen Menschen dürstend machen nach dem Licht, welcher niemals im Lichte suchte außer das Dunkel. Die Zellen des Gefängnisses mögen sich im Grad ihrer Dunkelheit unterscheiden; doch sie sind alle gleich darin, dass nicht eine Tür sich öffnet außer bei Zahlung. Es gibt keinen Tag außer dem Willen Gottes und er, welcher von der Nacht ist, ihm kann nicht für immer erlaubt sein, den Tag zu durchstreifen; nicht empfunden, nicht wertgeschätzt, muss das Licht von ihm genommen sein, dass er wisse, was die Dunkelheit ist. Wenn die Dunkelheit vollkommen ist, wenn er völlig ohne das Licht ist, das er verschwendet hat, das Licht zu löschen, dann wird er die Dunkelheit erkennen.[22]
Ich denke, dass ich von weitem etwas vom endgültigen aller Gefängnisse erkannt habe, der innersten Zelle des Schuldners des Universums; ich werde mich bemühen zu vermitteln, was ich denke, was sie sein mag.
Es ist das ausgedehnte Außen; das grässliche Dunkel jenseits der Tore der Stadt, von welcher Gott das Licht ist – wo das Böse umherstreicht, still wie das Dunkel, denn da gibt es keinen Klang mehr noch Sicht. Die Zeit der Zeichen ist vorüber. Jeder Sinn hat seine Zeichen und sie wurden alle missbraucht: da ist kein Sinn mehr, kein Zeichen mehr – nichts mehr, durch dessen Mittel zu glauben ist. Der Mensch erwacht vom letzten Kampf des Todes, in absoluter Einsamkeit – solch eine Einsamkeit, wie er sie niemals in dem aller-elendesten Augenblick verlassener Kindheit gekannt hat. Nicht eine Spur noch ein Schatten von irgendetwas außerhalb seines Bewusstseins erreicht ihn. Alles ist dunkel, dunkel und taub; keine Bewegung – nicht der Hauch eines Windes! Niemals ein Traum der Veränderung! Nicht der Duft eines weit entfernten Feldes! Nichts, um ein Wesen oder Ding neben dem Menschen selbst anzunehmen, kein Zeichen von Gott irgendwo. Gott hat sich von dem Menschen so weit zurückgezogen, dass er sich nur dessen bewusst ist, wovon dieser sich zurückgezogen hat. In der Mitte der lebendigen Welt kümmerte er sich um nichts außer um sich selbst, nun in der toten Welt ist er in Gottes Gefängnis, seinem eigenen abgetrennten Selbst. Er wollte nicht an Gott glauben, weil er Gott niemals sah; nun zweifelt er, ob es solch eine Sache wie das Gesicht eines Menschen gibt – zweifelt, ob er jemals wirklich eines gesehen hat, jemals irgendetwas oder vielmehr nur von solch einer Sache geträumt hat: – er kam dem menschlichen Sein niemals nahe genug, um zu wissen, was menschliches Sein wirklich war – so mag er wohl daran zweifeln, ob menschliche Wesen jemals waren, ob er je eines von ihnen war.
Als nächstes nach dem Zweifel kommt das Nachdenken über den Zweifel: „Der einzige muss Gott sein! Ich kenne keinen anderen außer mich selbst: Ich selbst muss Gott sein – niemand anderer!“ Armer hilfloser, dummer Teufel! – sein eigener herrlicher Herrgott! Ja, er wird sich selbst vorstellen als dieselbe unwiderstehliche Kraft, welche, ohne seinen Willen, ohne sein Kennen, das Gesetz ist, durch welches die Sonne brennt und die Sterne ihre Bahnen halten, die Stärke, die all die Maschinerien der Welt antreibt. Seine Einbildungskraft wird tausend Einbildungen gebären, welche Amok laufen werden wie die Mäuse in einem gerade verlassenen Haus: er wird es Schöpfung nennen und seine. Da er keine Wirklichkeit hat, sie zur Seite zu stellen, nichts, um sie dadurch zu korrigieren; die maßvolle Ordnung, harmonische Beziehungen und süßen Gnadenerweise von Gottes Welt sind nirgendwo für ihn; was er denkt, wird, wegen des Fehlens dessen, was Gott denkt, zu des Menschen Wirklichkeiten werden: welche anderen kann er haben! Bald wird das Elend tausend Formen des Wehe über seine Vorstellungskraft bringen, welche er nicht in der Lage sein wird zu beherrschen, zu lenken oder sie auch nur von wirklichen Gegenwärtigkeiten zu unterscheiden – eine ganze Welt elender Widersprüche und kalter Fieberträume.
Doch nicht die lebendigste menschliche Vorstellungskraft könnte eine entsprechende Beschreibung davon liefern, wie es sein würde, ohne einen Schatten der Gegenwart Gottes zurückgelassen zu sein. Wenn Gott sie geben würde, könnte der Mensch sie nicht verstehen: er kennt weder Gott noch sich selbst nach der Art des Verstehens. Denn nicht er, welcher sich am wenigsten um Gott kümmert, war in dieser Welt jemals so verlassen, wie Gott ihn verlassen könnte. Ich zweifle, ob irgendein Mensch fortfahren könnte seiner Schlechtigkeit zu folgen, von welchem Gott sich zurückgezogen hätte.
Die beängstigendste Idee von dem, was einem Menschen in seinem eigenen Bewusstsein widerfahren könnte, ist, dass er eine Existenz führen sollte, mit welcher Gott nichts zu schaffen hätte. Diese Sache könnte nicht sein; denn das Sein, das verursacht ist, wenn die Verursachung schwindet, muss notwendigerweise schwinden. Es ist immer in, und niemals außer Gott, dass wir leben und handeln können. Doch ich nehme an, der so zurückgelassene Mensch, dass er sich selbst so äußerst einsam erscheint, doch, wehe!, er ist mit sich selbst – der kleinste Gedankenaustausch, die geringste Begegnung mit dem Dasein, die blasseste Widerspiegelung eines anderen Seins, wäre unmöglich: in solch einem bösen Fall glaube ich, dass der Mensch froh wäre, in Verbindung zu dem verachtenswertesten Insekt zu treten: es wäre eine Lebensform, etwas jenseits und neben seinem eigenen riesigen, leeren, formlosen Sein! Ich stelle mir irgend solch ein Gefühl im Gebet der Teufel um Erlaubnis in die Schweine zu fahren vor.[23] Seinen schlimmsten Feind, könnte er seiner nur gewahr sein, würde er bereitwillig preisen. Denn das Elend würde nicht nur in der Abwesenheit allen anderen Seins außer dem eigenen Selbst bestehen, sondern in der beängstigenden, endlosen, unvermeidlichen Gegenwart dieses Selbst. Ohne die Korrektur, die Reflektion, die Unterstützung durch andere Gegenwärtigkeiten, ist das Sein nicht bloß unsicher, es ist ein Horror – für jedermann außer Gott, welcher sein eigenes Sein ist. Für ihn, dessen Idee die Idee und das Bild Gottes ist, ist sein eigenes Sein viel zu bruchstückhaft und unvollkommen, um irgendetwas wie gute Gesellschaft zu sein. Es sind die lieblichen Geschöpfe, die Gott um uns herum geschaffen hat, in ihnen sich uns selbst gebend, die, bis wir ihn kennen, uns vor dem Taumel der Einsamkeit bewahren – denn diese Einsamkeit ist Selbst, Selbst, Selbst. Der Mensch, welcher sich nur um sich selbst schert, muss letztlich verrückt werden, wenn Gott nicht eingreifen würde.
Kann es irgendeinen Ausweg aus diesem Elend geben? Wird die Seele, die nicht an Gott glauben konnte mit all seiner lieblichen Welt um sie herum, die ihn bezeugt, glauben, wenn sie verschlossen ist in dem Gefängnis ihres eigenen einsamen, erschöpfenden Alles- und -Nichts? Sie würde für eine Zeit lang versuchen zu glauben, dass es tatsächlich nichts war, ein bloßes Aufleuchten der untergehenden Sonne auf einer Staubwolke, ein belangloser Traum, der sich selbst träumte – dann, ach, wenn der Traum doch nur träumen würde, dass er nicht mehr wäre! Das wäre die einzige Sache, darauf zu hoffen. Selbstverachtung, und dies nicht wegen einer Sünde, nicht aus Bußfertigkeit, nicht wegen einer Vision des Besseren, würde anfangen zu wachsen und zu wachsen; und wozu das führen mag, kann keine Seele sagen – zu grundsätzlichem, echtem Elend, kompromisslosem Selbst-Ekel! Doch dann, wenn ein Dasein zu Selbst-Ekel fähig sein würde, ist da nicht ein wenig Hoffnung – so viel wie eine Prise Erde in einer Felsspalte geben mag für das Wachstum einer Kiefer? Nein, es muss Hoffnung geben, solange es Existenz gibt; denn wo Existenz ist, da muss Gott sein; und Gott ist für immer gut, noch kann er anders sein als nur gut. Doch wehe, diese Ferne vom Licht! Solch eine Seele ist am entferntesten Rand der Verneinung des Lebens! – nein, nicht am weitesten entfernt! Ein Mensch ist dem Himmel näher, wenn er in der tiefsten Hölle ist, gerade ehe er anfängt, den Lohn seiner Taten zu ernten – denn er ist in einem Zustand, das kleinste Lebenszeichen als eine unaussprechliche Gunst zu empfangen. All die Jahre in der Welt empfing er die endlosen Gaben von Sonne und Luft, Erde und Meer und dem göttlichen Menschengesicht, als Dinge, die zu ihm kamen, weil es ihre Art war, und es gab niemanden, um sie zurückzuhalten; nun würde er das armseligste Ausdünnen der Dunkelheit freudig grüßen wie die Menschen von Alters her das Leuchten eines herabsteigenden Engels; es würde wie ein Bote von Gott sein. Nicht, dass er an Gott denken würde! Es braucht lange, um an Gott zu denken; doch Hoffnung, noch kaum Hoffnung scheinend, würde in seiner Brust anfangen aufzudämmern und die ausgedünnte Dunkelheit würde wie eine Höhle des Lichts sein, eine Zuflucht vor dem grauenvollen Selbst, auf welches er sonst so stolz gewesen war.
Ein Mensch mag sich wohl vorstellen, dass es unmöglich ist, jemals so unangenehm von sich selbst zu denken! Doch er muss nur die Dinge loslassen und er wird es zur wirklichen, richtigen, natürlichen Art von sich selbst zu denken, machen. Es ist wahr, alles, was ich gesagt habe, ist bloße Vorstellung; doch unsere Vorstellung ist dazu gemacht, die Wahrheit zu spiegeln; all die Dinge, die in ihr erscheinen, sind mehr oder weniger nach dem Vorbild der Dinge, die sind; ich nehme an, es ist die Region, woher Prophetie rührt; und wenn wir wahrhaftig sind, wird sie nichts als die Wahrheit spiegeln. Ich befasse mich hier mit demselben Licht und Dunkel, mit denen der Herr sich befasste, dasselbe, womit Paulus, Johannes und Judas sich befassten. Frage dich selbst, ob nicht die schwächste Dämmerung selbst nur physischen Lichtes solch einer Seele willkommen wäre als eine Zuflucht vor dem Dunkel des gerechtfertigt gehassten Selbst.
Und das Licht würde wachsen und wachsen über den entsetzlichen Abgrund zwischen der Seele und ihrem Himmel – ihrer Buße – denn Buße ist das erste Pressen an die Brust Gottes; und im Zwielicht, kämpfend und matt, würde der Mensch, matt wie das Zwielicht, ein anderes Denken neben dem Seinen fühlen, ein anderes denkendes Etwas nahe seinem erschöpften Selbst – vielleicht der Mensch, den er am meisten betrogen, am meisten gehasst, am meisten verachtet hat – und froh sein, dass irgendjemand, wer auch immer, ihm nahe wäre: der Mensch, den er am meisten verletzt hat, und wo er sich am meisten schämt, ihm zu begegnen, würde eine Zuflucht vor ihm selbst sein – oh, wie willkommen!
So mag ich mir tausende Schritte vorstellen, herauf aus der Dunkelheit, jeder weniger dunkel, ein wenig näher dem Licht – doch, ach, der erschöpfende Weg! Er kann nicht herauskommen, bis er den allerletzten Heller bezahlt hat! Buße, einmal angefangen, nichtsdestotrotz, mag schneller und schneller wachsen! Wenn Gott einmal einen willentlichen Halt gefunden hat, wenn er mit seinem Finger das Selbst des Menschen angerührt hat, wird er ihn so schnell wie möglich aus der Dunkelheit in das Licht ziehen. Denn das, wofür der verlorene, selbstzerstörerische Schuft geschaffen wurde, war, ein Kind Gottes zu sein, ein Teilhaber an der göttlichen Natur, ein Erbe Gottes und ein Miterbe Christi. Aus dem Abgrund, in welchen er sich selbst geworfen hat, ablehnend ein Erbe Gottes zu sein, muss er aufsteigen und erhoben werden. Zum Herzen Gottes, das eine und einzige Ziel der menschlichen Art – die Zuflucht und das Heim von Allem und Jedem, muss er sich aufmachen und gehen, oder der letzte Schimmer des Menschlichen wird von ihm absterben. Wer immer lebt, muss aufhören, ein Sklave zu sein und ein Kind Gottes werden. Es gibt kein Rasthaus auf halbem Wege, wo mit Gottlosigkeit herumgetrödelt werden mag, noch sie sich schicksalhaft erweisen mag. Seien es wenige oder viele, die in solch ein Gefängnis geworfen sind wie ich unternahm mir vorzustellen, es kann keine Erlösung für die menschliche Seele geben, weder in diesem Gefängnis noch außerhalb davon, außer in der Zahlung des letzten Hellers, demütig, bußfertig, selbstverleugnend werdend – und so die Sohnschaft zu empfangen und lernen zu rufen Vater![24]
[1] Siehe z. Bsp. Lukas 8, 10
[2] Jakobus 1, 22 – 25
[3] Matthäus 13, 14 – 15: „Und über ihnen wird die Weissagung Jesaja´s erfüllt, die da sagt: „Mit den Ohren werdet ihr hören, und werdet es nicht verstehen; und mit sehenden Augen werdet ihr sehen, und werdet es nicht vernehmen. Denn dieses Volkes Herz ist verstockt, und ihre Ohren hören übel, und ihre Augen schlummern, auf dass sie nicht dermaleinst mit den Augen sehen und mit den Ohren hören und mit dem Herzen verstehen und sich bekehren, dass ich ihnen hülfe.“
[4] Jesaja 6, 9 – 10: „Und er sprach: Gehe hin und sprich zu diesem Volk: Höret, und verstehet´s nicht, und merket´s nicht! Verstocke das Herz dieses Volkes und lass ihre Ohren hart sein und blende ihre Augen, daß sie nicht sehen mit ihren Augen noch hören mit ihrem Herzen und sich bekehren und genesen.“
[5] Es ist wesentlich einfacher, aus dem Griechischen als aus dem Hebräischen in eine der europäischen Sprachen zu übersetzen. Die Septuaginta ist die älteste Übersetzung des ganzen Alten Testamentes aus dem Aramäisch-Hebräischen ins Koine-Griechisch, entstanden etwa um 100 vor bis 100 nach Christus im hellenistischen Judentum. Wenn Jesus im neuen Testament aus der Schrift zitiert, dann wird der Text der Septuaginta wiedergegeben, darum entscheidet MacDonald sich hier auch für diese Variante, an der er die Parallelstellen aus den anderen Evangelien spiegelt.
[6] Markus 4, 11 – 12: „Und er sprach zu ihnen: Euch ist´s gegeben, das Geheimnis des Reiches Gottes zu wissen; denen aber draußen widerfährt es alles durch Gleichnisse, auf dass sie mit sehenden Augen sehen, und doch nicht erkennen, und mit hörenden Ohren hören, und doch nicht verstehen, auf dass sie sich nicht dermaleinst bekehren und ihre Sünden ihnen vergeben werden.“
[7] Johannes 9, 39 – 41: „Und Jesus sprach: Ich bin zum Gericht auf diese Welt gekommen, auf dass, die da nicht sehen, sehend werden, und die da sehen, blind werden. Und solches hörten etliche der Pharisäer, die bei ihm waren, und sprachen zu ihm: Sind wir denn auch blind? Jesus sprach zu ihnen: Wäret ihr blind, so hättet ihr keine Sünde; nun ihr aber sprecht: „Wir sind sehend“, bleibt eure Sünde.“
[8] Epheser 1, 18
[9] Johannes 14, 6
[10] Jakobus 1, 22 – 25
[11] George MacDonald beschreibt die Bestrafung der Sünde bzw. “Verstocktheit“ oder „Blindheit“ nicht als eine Rache Gottes zur Genugtuung – eine Ansicht, die auch heute noch in einigen christlichen Gruppierungen weit verbreitet ist. Er sieht die Bestrafung als eine Folge aus den Taten der Menschen, eine notwendig erfolgende Konsequenz aus ihrem Handeln oder Nichthandeln. In diesem Sinne ist es Gottes Zorn gleichbedeutend mit seiner Liebe, die das Gute des einzelnen Menschen will.
[12] Psalm 119, 105
[13] Johannes 3, 19
[14] Matthäus 15, 28. Dieses Wort sprach Jesus zu einer kanaanäischen Frau, die zu ihm kam und um die Heilung ihrer Tochter bat.
[15] Für den Zusammenhang sei hier das Gleichnis zitiert, um dessen Auslegung es in dieser Predigt geht: „Sei willfährig deinem Widersacher bald, dieweil du noch bei ihm auf dem Wege bist, auf dass dich der Widersacher nicht dermaleinst überantworte dem Richter, und der Richter überantworte dich dem Diener, und werdest in den Kerker geworfen. Ich sage dir wahrlich: Du wirst nicht von dannen herauskommen, bis du auch den letzten Heller bezahlest.“ (Matthäus 5, 25 – 26) – siehe auch das Gleichnis vom Knecht, der seinem Mitknecht die Schuld nicht erlassen wollte und dann deshalb selbst von seinem Herrn, der ihm zuvor die eigene Schuld erlassen hatte, ins Gefängnis geworfen wurde, bis er den letzten Heller bezahlt hätte. Vermutlich hingen die beiden Gleichnisse ursprünglich zusammen. Siehe ebenso Lukas 12, 58 – 59: „So du aber mit deinem Widersacher vor den Fürsten gehst, so tu Fleiß auf dem Wege, dass du ihn los werdest, auf dass er nicht etwa dich vor den Richter ziehe, und der Richter überantworte dich dem Stockmeister, und der Stockmeister werfe dich ins Gefängnis. Ich sage dir: Du wirst von dannen nicht herauskommen, bis du den allerletzten Heller bezahlest.“
[16] Jesaja 1, 18
[17] 1. Johannes 3, 7
[18] Hebräer 12, 4
[19] Im Original steht hier wirklich „fairness“ – dieses Wort ist eine Mischung aus Sportlichkeit und Anstand, die es im Deutschen nicht gibt – daher wurde es so übernommen.
[20] 1. Johannes 4, 18 / Johannes 8, 32
[21] Im Original ebenso „fair play“
[22] Jesus sprich hin und wieder von einer Finsternis bzw. Dunkelheit, in der „Heulen und Zähneklappern“ sind. Es handelt sich um einen bildhaft umschriebenen Ort, der fern von Gott und damit fern vom wahren Leben ist. Wer die Schuld der Liebe nicht zahlt, ist „draußen“, im Gefängnis, bis er seine Schuld einsieht und zahlt – damit nicht eine ewige Hölle der endgültigen Bestrafung, sondern ein Ort der Läuterung, aus dem es durchaus einen Ausweg gibt.
[23] Siehe Matthäus 8 / Markus 5 / Lukas 8 – die Geschichte vom Besessenen, von dem Jesus eine Legion Dämonen austrieb, denen er auf ihre Bitte hin erlaubte, in eine Herde Schweine zu fahren, die sich daraufhin in den See stürzten und ertranken.
[24] Siehe Römer 8, 14 – 15 – Übergang zur nächsten Predigt
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