Jacks Leben – Ein Stiefsohn berichtet
Buchbesprechung zu:
Jack´s Life. The Life Story of C. S. Lewis
(Jacks Leben. Die Lebensgeschichte von C. S. Lewis)
von Douglas Gresham (Sohn von Joy Davidman und Stiefsohn von C. S. Lewis)
Broadman & Holman, Nashville, 2005
Wieder ein lesenswertes Buch, an das leider immer schwieriger heranzukommen ist. Die wenigen gebrauchten Exemplare (gebunden und Taschenbuchformat) sind zwar günstig, aber man muss mittlerweile ein bis zwei Monate warten, um ein solches aus dem englischsprachigen Ausland zu erhalten. Eine Neuauflage gibt es bisher noch nicht und auch keine deutsche Übersetzung.
Dies ist schade, denn das Buch füllt eine Lücke für alle Interessierten, die C. S. Lewis vielleicht nur über Die Chroniken von Narnia kennen, weil ihnen die anderen Bücher von ihm zu anstrengend sind. Oder die Mühe haben, sich mit den etwas langatmigeren, sachlichen Biografien auseinanderzusetzen (siehe hier). Douglas Gresham selbst sagt über sein Buch, dass er es eher für junge Leute geschrieben hat, als eine Art Einführung zur Person C. S. Lewis und eine Anregung, sich mit dem Werk dieses für ihn und andere so außergewöhnlichen Menschen auseinanderzusetzen. Es gibt leicht auffindbare Videos im Netz, in denen Gresham vor meist jüngerem Publikum spricht oder im Interview auf direkte Fragen antwortet. Dort kann man seine persönliche Motivation bestens nachvollziehen.
Man könnte jetzt an der Objektivität dieser Biografie zweifeln, da sie von einem Mann geschrieben wurde, der seinen Stiefvater sehr bewundert und bis heute dessen Nachlass mitverwaltet. Es verhält sich jedoch so, dass Douglas Gresham für sein eigenes Buch alle verfügbaren Biografien über Lewis zur Recherche herangezogen hat und nicht nur seine eigene Erinnerung an diesen Mann befragt.
Zudem spart er nicht die Punkte im Leben von Lewis aus, die all seinen Bewunderern und Biografen bis heute Rätsel aufgeben und manche an der Integrität seiner Person zweifeln lassen. So seine seltsam anmutende Beziehung zur Mutter eines Freundes, der im Ersten Weltkrieg gefallen ist, sein Umgang mit der eigenen Gesundheit und Kraft und die Frage nach seinem anscheinend nicht vorhandenen Liebesleben. Allerdings deutet Gresham diese Punkte aus der Persönlichkeit und den Lebensumständen von C. S. Lewis heraus. Er versucht in liebevoller Weise die Motive für gewisse Entscheidungen oder Unterlassungen zu deuten.
Gresham selbst erklärt seinen Beweggrund, diese kleine Biografie zu schreiben damit, dass die meisten Biografien von Lewis Werken ausgehen und sein Leben um diese herum anordnen. Anders Gresham, der die Werke meist nur erwähnt und sich fast gänzlich auf die persönlichen Lebensumstände bezieht, die den Mann Lewis geformt haben. Das ist eine durchaus erfrischende Herangehensweise und mindestens als Ergänzung zu einer sachlichen Auseinandersetzung mit Lewis Leben und Werk lesenswert. Zudem gibt es ein paar unterhaltsame Anekdoten, die einem mindestens ein Lächeln abnötigen müssen.
Es gibt außerdem ein paar sehr betonte Punkte in dieser Biografie, die sozusagen als Leitmotive dienen. Zum einen ist da der Erste Weltkrieg, in dem auch C. S. Lewis als Soldat gekämpft hat. Gresham stellt in klarer Weise die Grauenhaftigkeit dieses neuartigen Krieges heraus und was er mit den jungen Männern, mit einer ganzen Generation gemacht hat. Gresham beschreibt, wie C. S. Lewis Zeit seines Lebens unter Albträumen gelitten hat und welchen Einfluss diese Erfahrungen auf seine Lebensentscheidungen hatten.
Neben der Kriegserfahrung kamen in Lewis Leben verschiedene Einflüsse zum Tragen, die ihn zu einem außergewöhnlichen Menschen machten. Er war unglaublich belesen und mit der Begabung ausgestattet, nichts zu vergessen, was er einmal gelesen hatte. Er war noch einer der letzten Männer des 19. Jahrhunderts – das heißt in dieser Tradition aufgewachsen und geprägt, mit einem starken Sinn für Pflichtgefühl und Loyalität.
Er begriff das Christsein nicht als einen Glauben an Christus, wie Gresham es beschreibt, sondern als Christus zu glauben – das bedeutete für ihn, genau das zu tun, was Christus tat – nämlich sich hinzugeben und in jeder Einzelheit des Alltags tatsächlich so zu leben. Das führte dazu, dass C.S. Lewis bis zur Erschöpfung arbeitete und für die Seinen da war. Er nahm jede Pflicht wahr, beantwortete jeden Brief, ließ sich in seiner Arbeit ständig unterbrechen.
Gresham erzählt eindrücklich wie C. S. Lewis genau diese Unterbrechungen als das eigentliche Leben und die Aufgabe so zu leben wie Christus es will verstand. Und dennoch hat er ein immenses Werk – akademisch und populär gleichermaßen – hinterlassen. Doch ohne die Größe des Mannes, der diese Werke schrieb, hätten seine Bücher nicht die Reichweite und Größe, die sie besitzen. Douglas Gresham beschreibt hier, dass diesen Zeilen, die bis heute unzählige Menschen bewegen und ermutigen, Substanz zugrunde liegt. Eine Authentizität, die seine Bücher unsterblich macht, denn wenn er über Verlust und Schmerz und den Kampf gegen den eigenen Egoismus schreibt, dann schreibt er über etwas, das er selbst ausgefochten hat.
So unsterblich seine Bücher auch sind, C. S. Lewis selbst starb nur drei Jahre nach seiner Frau Joy im Jahre 1963. Völlig erschöpft und schwer krank, im Alter von 65 Jahren. Aber ein Mann, der sein Leben bis zur Fülle gelebt hat und dies vor allem für andere, etwas, das auch seinen Stiefsohn Douglas Gresham sehr beeindruckt und beeinflusst hat. Ein Leben mit Substanz, das zu Büchern mit Substanz geführt hat. Darin liegt die Glaubwürdigkeit von C. S. Lewis und die Glaubwürdigkeit dieser kleinen Biografie über ihn von Douglas Gresham.
Das Buch hält auch einige kleine Weisheiten bereit, die unserer hektischen Zeit mit ihren tiefen Gräben zwischen Menschen gut tun würden. Als Beispiel und zum Abschluss hier eines meiner liebsten Zitate:
„Now friendship in those days was a bit different from what it is today; friends did not have to agree on everything and often agreed on practically nothing. They were people with whom you could argue all day and yet never get irritated or angry at all. In today´s world we seem to have lost the real meaning of friendship. If someone disagrees with us, it is fashionable today to dislike them for it. This is silly and robs us of the best kind of friends we could find, for if we are always agreed with, we can never really have a serious conversation; we cannot learn from someone who agrees with what we say.” (p. 81)
„Nun war Freundschaft in jenen Tagen ein bisschen verschieden von dem, was sie heute ist; Freunde mussten nicht in allem übereinstimmen und stimmten oft in praktisch nichts überein. Sie waren Leute, mit denen man den ganzen Tag streiten konnte und die trotzdem niemals gereizt oder verärgert wurden. In der heutigen Welt scheinen wir die wahre Bedeutung von Freundschaft verloren zu haben. Wenn jemand mit uns uneinig ist, ist es heutzutage in Mode, ihn dafür nicht zu mögen. Das ist albern und beraubt uns der besten Art von Freunden, die wir finden könnten, denn wenn wir immer miteinander übereinstimmen, können wir nie eine wirklich ernsthafte Unterhaltung führen; wir können nicht von jemandem lernen, der mit dem übereinstimmt, was wir sagen. “ (S. 81)


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