Übersetzung – Nicht gehaltene Predigten III von George MacDonald – Kapitel 1: Die Schöpfung in Christus

Die Schöpfung in Christus

   „Alle Dinge sind durch dasselbe gemacht, und ohne dasselbe ist nichts gemacht, was gemacht ist. In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen.“ Johannes 1, 3 – 4


   Mir scheint, dass jeder Liebhaber des Evangeliums, der nachdenklich ist und im Besonderen jemand, der die Mühe gewöhnt ist, Gedanken zu äußern, kaum fehlgegangen sein kann, mehr oder weniger bestimmte Unzufriedenheit mit dem Schluss des dritten Verses zu empfinden, wie er hier der englischen[1] Leserschaft dargeboten wird. Er scheint mir in seiner Kraftlosigkeit dem Rest gegenüber ungleich und rhetorisch unwürdig. Dass er nicht schlimmer als pleonastisch,[2] das heißt redundant[3] und daher unnötig ist, kann keine Befriedigung für den Menschen sein, welcher Vollkommenheit finden wollte, wenn er könnte, in den Worten von ihm, welcher dem Herrn näher war als irgendein anderer.[4] Der Satzteil „was gemacht ist“ scheint, wegen seiner Nutzlosigkeit, sogar schwach bis zur Dümmlichkeit nach dem, was vorangeht: „Alle Dinge sind durch dasselbe gemacht, und ohne dasselbe ist nichts gemacht, was gemacht ist.
 
   Meine Hoffnung war deshalb groß, als ich sah, während ich das Griechische las, dass das Verschieben eines Punktes mich von dem Pleonasmus befreien würde.[5] Wenn daraufhin irgendein schätzenswertes Ergebnis von Bedeutung folgen sollte, wäre die Änderung nicht bloß gerechtfertigt, – wenn man sieht, dass Punkte von keinerlei Autorität sind für jeden, der vertraut ist mit den Launen der Schreiber, Herausgeber und Drucker – sondern eine Änderung, für welche man Gott danken kann. Und ich fand heraus, dass die Änderung solch eine Wahrheit entfaltete, wie sie die Rhetorik selbst in Übereinstimmung mit den höchsten Gedanken des Apostels zeigte. So froh war ich, dass es wenig zu meiner Zufriedenheit beitrug, die Änderung durch die besten Handschriften und Versionen unterstützt zu finden. Es konnte dem nichts hinzufügen zu erfahren, dass der Abschnitt in Bezug auf die zwei Lesarten ein Grund für viele Disputationen gewesen ist: der Boden der Argumentation auf Seiten der gebräuchlichen Lesart erschien mir mehr als fruchtlos.
 
   Lasst uns also auf den Abschnitt schauen, wie ich denke, dass er übersetzt werden sollte und danach die Bedeutung suchen, um derentwillen er geschrieben worden ist. Es ist tatsächlich eine Bedeutung, die für ihre Offenbarung keinesfalls von diesem Abschnitt abhängig ist, so wie sie zu der eigentlichen Wahrheit gehört, wie sie in Jesus ist; doch sie ist darin prächtig durch den Apostel ausgedrückt und verschieden von irgendwo anders – das heißt, wenn ich mit der Auslegung richtig liege, welche sich selbst in dem Augenblick darbot, wo ich die mögliche rhetorische Beziehung der Worte sah.
 
   „Alle Dinge sind durch dasselbe gemacht, und ohne dasselbe ist nichts gemacht. Was gemacht ist in ihm, war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen.“
 
   Beachtet die Antithese[6] von durch und in.
 
   In dieser großartigen Behauptung scheint mir, mehr als vorausschattend, der Keim der Schöpfung und Erlösung zu liegen – von allem Göttlichen in seiner Beziehung zu allem Menschlichen.
 
   In dem Versuch vorzubringen, was ich darin finde, schreibe ich nicht mit dem Verlangen, eine Kontroverse zu provozieren, welches ich verabscheue, sondern mit einiger Hoffnung, dem Geist solcher, wie dazu in die Lage versetzt worden sind es zu sehen, die Herrlichkeit der Wahrheit Des Vaters und Des Sohnes darzulegen, wie sie durch den Ersten der Seher[7] geäußert wurde, nach der großartigen Weise seiner Einsicht. Ich bin ebenso gleichgültig gegen einen Ruf der Orthodoxie wie ich die Meisterschaft in der Neuerung verachte. Den Unwahrhaftigen muss die Wahrheit selbst unvernünftig erscheinen, denn das Licht, das in ihnen ist, ist Finsternis.[8]
 
   Ich glaube also, dass Jesus Christus der ewige Sohn des ewigen Vaters ist; dass zuallererst und von Anfang an Jesus der Sohn ist, weil Gott der Vater ist – eine unvollkommene und unbrauchbare Aussage, weil ein Versuch des menschlichen Denkens, das darzustellen, welches es nicht begreifen kann, aber welches es doch so glaubt, dass es versuchen muss, es zu äußern, selbst in Sprache, die ihm nicht gerecht wird. Ich glaube daher, dass Der Vater der größere ist, dass, wenn Der Vater nicht gewesen wäre, Der Sohn nicht hätte sein können. Ich werde keine Logik auf die These anwenden, noch würde ich sie jetzt äußern als nur um dessentwillen, was folgen wird. Das wahrhaftige Herz wird sich auf die Unangemessenheit unserer Sprache und auch unseres Denkens besinnen in Bezug auf die Dinge, die nahe der unbekannten Wurzel unserer Existenz liegen. Indem ich sage, was ich sage, sage ich nur, was Paulus impliziert, wenn er vom Herrn spricht, der sein Königreich Dem Vater übergibt, dass Gott Alles in Allem sei.[9] Ich bete Den Sohn an als den menschlichen Gott, den göttlichen, den wahrhaftigen Menschen, sein Dasein und seine Macht aus Dem Vater ziehend, ebenbürtig mit ihm wie ein Sohn zugleich ebenbürtig und untergeordnet seinem Vater ist – doch sich selbst ebenbürtig machend seinem Vater in dem, was das Kostbarste in der Gottheit ist, nämlich der Liebe – welches tatsächlich das Wesentliche in der Aussage des Evangelisten ist, mit welchem ich es nun zu tun habe – eine höhere Sache als die Erschaffung der Welten und der Dinge in ihnen, welches er durch die Macht Des Vaters tat, nicht durch eine selbst-existente Macht in sich, wodurch der Apostel, zu welchem der Herr Dinge gesagt haben muss, die er dem Rest nicht sagte, oder welcher besser dazu in der Lage war zu empfangen, was er zu allen sagte, sagt: „Alle Dinge wurden gemacht“ nicht von sondern „durch ihn.“
 
   Wir sollten die Dinge nicht ins Nichtsein fortwundern, sondern versuchen, sie uns selbst nach der Weise darzustellen, zu der wir in der Lage sind – unsere Schatten des Himmlischen. Denn gerade wie unser Wesen und Verständnis und Bewusstsein, obwohl sie nur Schatten sind in Bezug auf jede Vervollkommnung der Umrisse oder Wirkungsweisen, sind doch Schatten seines Wesens, seines Verständnisses, seines Bewusstseins, und er hat diese Schatten geworfen;[10] sie sind nicht ursächlicher unser Eigen als seine Macht der Schöpfung die unsere ist. In unserer Schatten-Rede also, und den Worten des Evangelisten mit meinem Schatten-Verständnis folgend so gut wie ich kann, sage ich, dass Der Vater, indem er aus dem Unsichtbaren die sichtbaren Dinge hervorbringt, wesentlichen Gebrauch von Dem Sohn macht, so dass alles, was existiert, durch ihn geschaffen wurde. Was der Unterschied zwischen dem Teil der Schöpfung Des Vaters und dem Teil Des Sohnes sein mag, wer kann das verstehen? – doch vielleicht werden wir eines Tages dahin kommen, ein wenig Einsicht darin zu haben; denn ich wage zu hoffen, dass, durch unsere willige Sohnschaft wir selbst dem Erschaffen weit näher kommen werden. Das Wort Schöpfung, das auf den erhabensten Erfolg menschlichen Genies angewendet wird, erscheint mir ein Spott der Menschheit, die selbst im Vorgang der Schöpfung ist.
 
   Lasst uns den Text wieder lesen: „Alle Dinge sind durch ihn gemacht, und ohne ihn ist nichts gemacht. Das, was in ihm gemacht wurde, war Leben.“[11] Beginnt ihr, es zu sehen? Die Macht, durch welche er die Welten erschuf, war ihm durch seinen Vater gegeben; er hatte in sich selbst eine größere Macht als die, durch welche er die Welten erschuf. Da war etwas geschaffen, nicht durch ihn, sondern in ihm; etwas, das durch ihn selbst ins Sein gebracht wurde. Hier erschafft er in seiner großartigen Weise, in sich selbst, wie es der Vater tat. „Das, was in ihm gemacht wurde, war Leben.“
 
   Was bedeutet dies? Was ist das Leben, das der Apostel meint? Viele Arten von Leben sind ins Sein gekommen durch den Sohn, doch diese waren Ergebnisse, nicht Arten des Lebens, das in ihm zur Existenz gebracht wurde. Er hätte vom Vater in der Schöpfung nicht betätigt werden können, außer Kraft des Lebens, das in ihm war.
 
   In Bezug auf das, was das Leben Gottes für ihn selbst ist, können wir nur wissen, dass wir es nicht wissen können – selbst das ist nicht absolute Unwissenheit, denn niemand kann das sehen, von seiner eigentlichen Natur her, kann er nicht ein Ding verstehen, ohne sich dabei diesem Ding in einer höchst eigentlichen Weise zu nähern. In Bezug auf das, was das Leben Gottes im Verhältnis zu uns ist, wissen wir, dass es das verursachende Leben von allem ist, was wir Leben nennen – von allem, was ist; und indem wir dies wissen, wissen wir etwas von diesem Leben, durch eben die Formen seiner Kraftwirkung. Doch das eine grenzenlose Geheimnis, denn ich vermute, dass die zwei nur ein Geheimnis bilden – ein Geheimnis, das für uns immer ein Geheimnis sein muss, nicht weil Gott es nicht erklären will, sondern weil Gott selbst es uns nicht verstehen machen könnte – ist zuerst, wie er selbst-existent sein kann, und als nächstes, wie er andere Dinge existieren machen kann: Selbst-Existenz und Schöpfung wird kein Mensch je verstehen. Wiederum, die Angelegenheit von der Seite des Geschöpfes her betrachtend – die Ursache seines Daseins steht diesem Dasein voran; es kann daher keine Kenntnis von seiner eigenen Erschaffung haben; noch könnte es das verstehen, welches es nicht gleichermaßen tun kann. Wenn wir uns selbst erschaffen könnten, sollten wir unsere Erschaffung verstehen, doch um dies zu tun, müssten wir Gott sein. Und von allen Ideen ist diese – dass, mit in sich selbst unbefriedigtem, schmerzhaft beschnittenem Bewusstsein, das ich besitze, ich in irgendeiner Weise mich selbst verursacht haben könnte, die trostloseste und hoffnungsloseste. Nichtsdestotrotz, wenn ich ein Kind Gottes bin, muss ich sein wie er, wie er gerade in der Angelegenheit dieser schöpferischen Kraft. Da muss etwas in mir sein, das in seiner kindischen Art der ewigen Macht in ihm entspricht. Doch ich greife vor. Die Frage ist nun: Was war dieses Leben, das Ding gemacht in Dem Sohn – durch ihn in sich selbst gemacht, nicht außerhalb von ihm – nicht durch sondern in ihm – das Leben, das sein eigenes war wie Gottes Leben sein eigenes ist?
 
   Es war, antworte ich, dieser Akt in ihm, der in ihm, als Dem Sohn, der Selbst-Existenz seines Vaters entsprach. Was nun ist das Tiefste in Gott? Seine Macht? Nein, denn Macht könnte ihn nicht zu dem machen, was wir meinen, wenn wir sagen Gott. Das Böse könnte selbstverständlich niemals ein kleinstes Teilchen erschaffen; doch lasst uns ganz klar verstehen, dass ein Wesen, dessen Essenz nur Macht wäre, solch eine Verneinung des Göttlichen wäre, dass ihm kein aufrichtiger Lobpreis dargebracht werden könnte: sein Dienst muss Furcht sein und nur Furcht allein. Solch ein Wesen, selbst wenn es gerecht im Urteilen wäre, könnte doch nicht Gott sein. Der Gott selbst, welchen wir lieben, könnte nicht gerecht sein, wäre er nicht immer noch etwas Tieferes und Besseres, als wir im Allgemeinen mit dem Wort meinen – doch, wehe, wie wenig kann Sprache sagen, ohne etwas scheinbar irgendetwas Falsches zu sagen! In einem Wort, Gott ist Liebe.[12] Liebe ist die tiefste Tiefe, die Essenz seiner Natur, an der Wurzel all seines Seins. Es ist nicht bloß, dass er nicht Gott sein könnte, wenn er keine Geschöpfe gemacht hätte, für welche er Gott ist; sondern Liebe ist Herz und Hand seiner Schöpfung; es ist sein Recht zu erschaffen und auch seine Macht zu erschaffen. Die Liebe, die Schöpfung vorsieht, ist selbst die Macht zur Schöpfung. Noch könnte er gerecht sein – das heißt fair zu seinen Geschöpfen – es sei denn, seine Liebe hätte sie erschaffen. Seine Vollkommenheit ist seine Liebe. All seine göttlichen Rechte ruhen auf seiner Liebe. Ah, er ist nicht der große Monarch! Der einfachste Bauer, der seine Kuh liebt, ist göttlicher als jeder Monarch, dessen Monarchie seine Herrlichkeit ist. Wenn Gott Sünde nicht strafen würde, oder wenn er es aus irgendeinem anderen Grund als Liebe täte, wäre er nicht der Vater Jesu Christi, der Gott, welcher wirkt wie Jesus wirkte. Was also, sage ich einmal mehr, entspricht in Christus der schöpferischen Macht Gottes? Es muss etwas sein, das ebenfalls aus Liebe kommt; und im Sohn muss die Liebe zu dem bereits Existierenden sein. Wegen dieser ewigen Liebe, welche keinen Anfang hat, muss Der Vater Den Sohn haben. Gott könnte nicht lieben, könnte nicht Liebe sein, ohne Dinge zum Lieben zu machen: Jesus hat Gott zum Lieben; die Liebe Des Sohnes antwortet auf die Liebe Des Vaters. Die Antwort auf selbst-existierende Liebe ist selbst-verleugnende Liebe. Die Verleugnung von sich selbst ist das in Jesus, welches der Schöpfung Gottes entspricht. Seine Liebe handelt, erschafft, in Selbst-Entsagung, im Tod des Selbst als Antrieb; im Ertränken des Selbst im Leben Gottes, wo es nur als Liebe lebt. Was ist Leben in einem Kind? Ist es nicht die vollkommene Antwort an seine Eltern? Völliges Einssein mit ihnen? Ein Kind in Auseinandersetzung mit seinen Eltern, eines in welchem ihr Wille nicht der seine ist, ist kein Kind; als ein Kind ist es tot, und sein Tod ist offenbar in Unnachgiebigkeit und Entstellung. Seine spirituelle Ordnung ist auf dem Wege ins Chaos. Der Zerfall hat begonnen. Der Tod ist am Wirken in ihm. Schaut dasselbe Kind sich dem Willen ergebend, der zu Recht über seinem eigenen ist; schaut wie das Leben beginnt vom Herzen in die Glieder zu fließen; schaut die entspannten Glieder; schaut das Licht wie einen Quell in seinen Augen aufsteigen und von seinem Gesicht ausstrahlen! Das Leben hat wieder seine Herrschaft![13]
 
   Das Leben Christi ist dies – negativ gesprochen, dass er nichts tut, sich um nichts kümmert um seiner selbst willen; positiv gesprochen, dass er sich mit seiner ganzen Seele um den Willen, das Wohlgefallen Des Vaters kümmert. Weil sein Vater sein Vater ist, deshalb wird er sein Kind sein. Die Wahrheit in Jesus steht in Beziehung zu seinem Vater; die Gerechtigkeit Jesu ist seine Erfüllung dieser Beziehung. Dieser Beziehung zu begegnen, seinen Vater mit seinem ganzen Sein zu lieben, ist er nicht bloß lebendig als geboren von Gott; sondern, sich selbst mit vollkommenem Willen Gott hingebend, erwählend sich selbst zu sterben und Gott zu leben, erschafft er darin in sich selbst ein neues und höheres Leben; und, über sich selbst stehend, hat er die Macht gewonnen, Leben aufzuwecken, den göttlichen Schatten von sich, in den Herzen von uns, seinen Brüdern und Schwestern, welche von demselben Geburtshaus wie er selbst ausgegangen sind, nämlich, das Herz seines Gottes und unseres Gottes, seines Vaters und unseres Vaters, doch welche, ohne unseren älteren Bruder, der es zuerst getan hat, niemals würden gewählt haben diese Selbst-Entsagung, welche Leben ist, niemals lebendig geworden wären wie er. Zu wollen, nicht vom Selbst her, sondern mit dem Ewigen, heißt zu leben.
 
   Diese Wahl seines eigenen Daseins, in dem vollen Wissen dessen, was er tat; dieses handelnde Wollen, Der Sohn Des Vaters zu sein, vollkommen im Gehorsam – ist das in Jesus, welches der Selbst-Existenz Gottes antwortet und entspricht. Jesus stieg sofort auf zur Höhe seines Daseins, setzte sich selbst nieder auf den Thron seiner Natur, in dem Akt des Sich-selbst-Ergebens dem Willen Des Vaters als seinem einzigen Gut, dem einzigen Grund seiner Existenz. Als er am Kreuz starb, tat er dies, im rauen Klima der äußersten Provinzen in der Marter seines Leibes seiner Offenbarung, welches er zu Hause in Herrlichkeit und Freude getan hatte.[14] Vom unendlichen Anfang – denn hier kann ich nur in Widersprüchlichkeiten reden – vollendete und hielt er den ewigen Kreis seiner Existenz, indem er sagte: „Dein Wille, nicht meiner, geschehe!“[15] Er machte sich selbst, was er ist, indem er sich selbst starb in den Willen des ewigen Vaters, durch dessen Willen er der ewige Sohn war – solcherart in die Quelle seines eigenen Lebens eintauchend, die ewigwährende Vaterschaft, und die Gottheit Des Sohnes annehmend. Dies ist das Leben, das in Jesus geschaffen wurde: „Das, was in ihm gemacht wurde, war Leben.“ Dieses Leben, selbst-gewollt in Jesus, ist das eine Ding, das solches Leben schafft – das ewige Leben, das wahrhaftige Leben, möglich – nein, unerlässlich, wesentlich für jeden Mann, Frau und Kind, welche Der Vater ins Äußere geschickt hat, dass sie zurückgehen in die innere Welt, sein Herz. Wie das selbst-existente Leben Des Vaters uns Dasein gegeben hat, so ist die gewollte Hingabe seine Macht, uns ewiges Leben zu geben wie sein eigenes – uns in die Lage zu versetzen, dasselbe zu tun. Da ist kein Leben für irgendeinen Menschen, als nur dieselbe Art, die Jesus hat; sein Jünger muss durch dieselbe völlige Hingabe seines Willens an den Des Vaters leben; dann ist sein Leben eins mit dem Leben Des Vaters.
 
   Weil wir aus der göttlichen Natur gekommen sind, welche erwählt, göttlich zu sein, müssen wir wählen, göttlich zu sein, von Gott zu sein, eins zu sein mit Gott, liebend und lebend, wie er liebt und lebt, und so Teilhaber zu sein an der göttlichen Natur, oder wir schwinden. Der Mensch kann dieses Leben nicht erzeugen; es muss ihm gezeigt werden und er muss es wählen. Gott ist der Vater Jesu und unser Vater – von jeder Möglichkeit unseres Seins; doch während Gott der Vater seiner Kinder ist, ist Jesus der Vater ihrer Sohnschaft; denn in ihm ist das Leben gemacht, welches Sohnschaft Dem Vater ist – die Wahrnehmung, nämlich, in Tatsache und Leben, dass Der Vater seinen Anspruch auf seine Söhne und Töchter hat. Wir sind nicht und können nicht werden wie wahre Söhne, ohne dass unser Wille seinen Willen will, unser Tun seinem Erschaffen folgt. Es war der Wille Jesu, das Ding zu sein, das Gott wollte, dass er es sei und was er meinte, was ihn zum wahren Sohn Gottes machte. Er war nicht der Sohn Gottes, weil er nicht anders konnte, sondern weil er in sich selbst der Sohn sein wollte, der er in der göttlichen Idee war. So ist es mit uns: wir müssen die Söhne sein, die wir sind. Wir sind nicht gemacht, um zu sein, was wir nicht anders sein können; Söhne und Töchter sind nicht solcherart! Wir sind Söhne und Töchter nach Gottes Anspruch; wir müssen Söhne und Töchter sein nach unserem eigenen Willen. Und wir können nur Söhne und Töchter sein, gerettet in die ursprüngliche Notwendigkeit und Wonne unseres Daseins, indem wir Gott als den Vater wählen, der er ist, und seinen Willen tun – uns als wahre Söhne dem vollkommenen Vater ergeben. Darin liegt menschliche Wonne – einzig und allein. Das Erwirken dieser unserer Erlösung muss Schmerz sein, und das Austeilen an jene, die da unten sind, muss immer schmerzhaft sein; doch die ewige Gestalt des Willens Gottes in und für uns ist äußerste Wonne.
 
   „Und das Leben war das Licht der Menschen.“
 
   Das Leben, von welchem ich nun gesprochen habe, wurde Licht für die Menschen in dem Erscheinen von ihm, in welchem es ins Sein kam. Das Leben wurde Licht, dass die Menschen es sehen könnten und selbst leben, indem sie dieses Leben auch wählen, indem sie wählen so zu leben, solcherart zu sein.
 
   Da ist immer etwas Tieferes als irgendetwas, das gesagt ist – etwas, von welchem alle menschlichen, alle göttlichen Worte, Figuren, Bilder, Beweggründe nur die äußeren fließenden Sphären sind, durch welche die zentrale Wirklichkeit mehr oder weniger deutlich scheint. Licht selbst ist nur das ärmliche Äußere von einem tieferen, besseren Ding, nämlich Leben. Das Leben ist Christus. Das Licht ist auch Christus, doch nur der Leib Christi. Das Leben ist Christus selbst. Das Licht ist, was wir sehen und in ihm sehen sollen; das Leben ist, was wir in ihm sein mögen. Das Leben „ist ein Licht durch seine überreichliche Klarheit unsichtbar“;[16] es ist das unaussprechlich Unbekannte; es muss solches Licht werden, wie der Mensch es sehen kann, ehe der Mensch es kennen kann. Daher erschien der gehorsame menschliche Gott als der gehorsame göttliche Mensch, tuend die Werke seines Vaters – das heißt, die Dinge, welche sein Vater tat – sie demütig vor unfreundlichen Brüdern tuend.[17] Der Sohn Des Vaters musste seine eigene Form annehmen in der Substanz des Fleisches, dass er gesehen werden mochte von den Menschen, und so das Licht der Menschen werde – nicht, dass die Menschen das Licht haben mögen, sondern dass die Menschen das Leben haben mögen; – dass sie, sehend, was sie nicht erzeugen konnten, durch das Leben, das in ihnen ist, anfangen mögen zu hungern nach dem Leben, zu dem sie fähig sind und welches grundlegend ist für ihr Dasein; – dass das Leben in ihnen sich sehnen mag nach ihm, welcher ihr Leben ist, und dürsten nach seiner eigenen Vervollkommnung, gerade so wie Wurzel und Stängel dürsten mögen nach der Blüte um derentwillen und durch deren Gegenwart in ihnen sie existieren. Dass das Kind Gottes zum Sohn Gottes werden möge, indem es den Sohn anschaut, das Leben offenbart im Licht; dass das strahlende Herz des Sohnes Gottes das Sonnenlicht seiner Mitmenschen sei; dass die Idee ausgeführt werden mag durch die Gegenwart und das Bild Des Ideals – wurde dieses Ideal, der vollkommene Sohn des Vaters, zu seinen Brüdern gesandt.
 
   Lasst uns nicht vergessen, dass die Hingabe Des Sohnes niemals hätte sein können außer durch die Hingabe Des Vaters, welcher nicht ein kleinstes Teilchen mehr seine eigene Ehre sucht als Der Sohn es tut; welcher Dem Sohn hingegeben ist und all seinen Söhnen und Töchtern, mit einer vollkommenen und ewigen Hingabe, mit unergründlicher Selbstlosigkeit. Das ganze Sein und Tun Jesu auf Erden ist dasselbe wie dessen Sein und Tun von Ewigkeit her, dies, wodurch er der gesegnete Sohn-Gott des Vater-Gott ist; es ist das Herausscheinen von diesem Leben, dass die Menschen es sehen mögen. Es ist ein Sein wie Gott, ein Tun des Willens Gottes, ein Wirken der Werke Gottes, daher eine Enthüllung Des Vaters in Dem Sohn, dass die Menschen ihn erkennen mögen. Es ist die Bitte Des Sohnes an den Rest der Söhne, zum Vater zurückzukehren, mit dem Vater wiedervereinigt zu werden, sich dem Vater gegenüber zu verhalten, wie er es tut. Er scheint mir zu sagen: „Ich kenne euren Vater, denn er ist mein Vater; ich kenne ihn, weil ich mit ihm war von Ewigkeit her. Ihr kennt ihn nicht; ich bin zu euch gekommen, um euch zu sagen, dass wie Ich bin, so ist er; dass er gerade so wie ich ist, nur größer und besser. Er allein ist das wahre, ursprünglich Gute; ich bin wahrhaftig, weil ich nichts als seinen Willen suche. Er allein ist Alles in Allem; ich bin nicht Alles in Allem, doch er ist mein Vater und ich bin der Sohn, in welchem sein Herz der Liebe befriedigt ist. Kommt nach Hause mit mir und sitzt mit mir auf dem Thron meines Gehorsams. Zusammen werden wir seinen Willen tun und fröhlich mit ihm sein, denn sein Wille ist das einzig Gute. Ihr mögt tun mit mir, wie es euch gefällt; ich werde mich selbst nicht verteidigen. Weil ich die Wahrheit sage, ist mein Zeugnis unerschütterlich; ich stehe dazu, komme was da will. Wenn ich zu meinem Zeugnis nur stehen würde, bis die Gefahr sich naht und dann den Vater bäte um zwölf Legionen Engel, mich zu retten, das bedeutete zu sagen, der Vater würde alles für seine Kinder tun, bis es anfängt ihn zu schmerzen. Ich lege Zeugnis ab, dass mein Vater ist wie ich. Im Angesicht des Todes bestätige ich es und wage nicht, es zu widerlegen. Tötet mich; tut was ihr wollt und könnt gegen mich; mein Vater ist wahrhaftig und ich bin wahrhaftig, indem ich sage, dass er wahrhaftig ist. Gefahr oder Verwundung können mich nicht von diesem meinem Zeugnis abbringen. Der Tod kann nur den Leib töten; er kann mich nicht gefangen nehmen. Vater, dein Wille geschehe! Der Schmerz wird vergehen; es wird nur vorübergehend sein! Froh will ich leiden, dass die Menschen wissen, dass ich lebe und dass du mein Leben bist. Sei mit mir, Vater, dass es nicht mehr sei, als ich tragen kann.“[18]
 
   Freunde, wenn ihr denkt, dass irgendetwas Geringeres die Welt erlösen könnte oder irgendein Kind, das Gott geschaffen hat, selig machen, kennt ihr weder Den Sohn noch Den Vater.
 
   Das Band des Universums, die Kette, die es zusammenhält, die eine wirkende Einheit, die Harmonie der Dinge, die Verneinung der Differenz, die Wiederherstellung aller Gestalt, alles Sichtbaren, aller suchenden Sehnsucht, aller heimkehrenden Liebe; die Tatsache an der Wurzel jeder Vision, offenbarend, dass „Liebe das einzige Gut in der Welt ist“[19] und Selbstsucht das eine hassenswerte Ding, in der Stadt des lebendigen Gottes unaussprechbar, ist die Hingabe Des Sohnes an Den Vater. Es ist das Leben des Universums. Es ist nicht die Tatsache, dass Gott alle Dinge schuf, die das Universum zu einem Ganzen macht; sondern dass er, durch welchen er sie erschuf, ihn vollkommen liebt, er ewig zufrieden ist in seinem Vater, befriedigt ist, zu sein, weil sein Vater mit ihm ist. Es ist nicht die Tatsache, dass Gott Alles in Allem ist, die das Universum eint; es ist die Liebe Des Sohnes zu Dem Vater. Denn aus keiner Einzigsein kommt Einigkeit; es kann kein Einssein geben, wo nur einer ist. Für die eigentlichen Anfänge der Einheit müssen da zwei sein. Ohne Christus könnte es daher kein Universum geben. Die Wiederherstellung, die durch Jesus bewirkt wurde, ist nicht die ursprüngliche Quelle der Einheit, der Sicherheit für die Welt; diese Wiederherstellung war das notwendige Herausarbeiten der ewig vorausliegenden Tatsache, die Tatsache, die sich über den Rest der Familie ermächtigt – dass Gott und Christus eins sind, Vater und Sohn sind, Der Vater Den Sohn liebend wie nur Der Vater lieben kann, Der Sohn Den Vater liebend wie nur Der Sohn lieben kann. Das Gebet des Herrn um Einheit zwischen den Menschen und Dem Vater und sich selbst entspringt der ewigen Notwendigkeit der Liebe.[20] Je mehr ich es betrachte, desto mehr verliere ich mich im Staunen und der Herrlichkeit dieser Sache. Doch was Den Vater und Den Sohn angeht, keine anderen zwei als diese würden sich auch nur ein Jota einer um den anderen scheren. Es mag die rechte Art für zwei Geschöpfe sein zu lieben wegen der bloßen Existenz, doch welche Geschöpfe würden je das Lieben verursacht haben? Ich kann nicht für einen Augenblick glauben, dass ich es hätte sein können. Selbst wenn ich ins Sein gekommen wäre wie jetzt mit der Absicht zu lieben, hätte die Selbstsucht sie bald überwältigt. Doch wenn Der Vater Den Sohn liebt, wenn die eigentliche Musik, welche die Harmonie des Lebens ausmacht, nicht in der Theorie der Liebe im Herzen Des Vaters liegt, sondern in ihrer Tatsache, in der berennenden Liebe in den Herzen von Vater und Sohn, dann sei Ehre Dem Vater und Dem Sohn und ihrer beider Geist,[21] die Vaterschaft Des Vaters sich begegnend und mengend mit der Sohnschaft Des Sohnes und uns hineinziehend in die Herrlichkeit ihrer Freude, um an den Gedanken ihrer Liebe teilzuhaben, die zwischen ihnen einhergehen, an ihren Gedanken der Wonne und Ruhe aneinander, an ihren Gedanken der Freude über all die Kindlein.[22] Das Leben Jesu ist das Licht der Menschen, ihnen Den Vater offenbarend.
 
   Doch Licht ist nicht genug; Licht ist um des Lebens willen. Wir selbst müssen auch Leben in uns haben. Wir müssen auch, wie das Leben selbst, leben. Wir können in keiner Weise leben außer in dieser, in welcher Jesus lebte, in welcher das Leben in ihm geschaffen wurde. Diese Weise bedeutet, unser Leben aufzugeben. Dies ist die eine höchste Handlung des Lebens, die für uns möglich ist, um Leben in uns selbst zu schaffen. Christus tat es von sich selbst und wurde so Licht für uns, dass wir dazu in der Lage seien, es in uns selbst zu tun, nach ihm, und durch sein ursprüngliches Handeln. Wir müssen es selbst tun, sage ich. Die Hilfe, die er gegeben hat und gibt, das Licht und das Wirken des Geistes des Herrn, des Geistes in unseren Herzen, ist alles, damit wir, wie wir es müssen, es selbst tun. Bis dahin sind wir nicht lebendig; das Leben ist nicht in uns geschaffen. Das ganze Streiten und Mühen und Leiden Des Sohnes mit jedem Menschen ist, ihn dazu zu bringen, zu sterben wie er starb. Alles Predigen, das nicht darauf zielt, ist ein Bauwerk aus Holz und Heu und Stroh.[23] Wenn ich nicht von ganzem Herzen sage: „Mein Vater, tue mit mir, wie du willst, hilf mir nur gegen mich selbst zu dir hin;“ wenn ich nicht sagen kann „Ich bin dein Kind, der Erbe deines Geistes, deines Seins, ein Teil deiner selbst, siegreich in dir, doch arm geworden in mir selbst: lass mich dein Hund sein, dein Pferd, alles was du willst; lass mich dein sein in jeder Form, die der Liebe, die mein Vater ist, gefällt mich zu haben; lass mich dein sein in jeder Weise und mein eigen oder eines anderen in keiner Weise als deiner;“ – wenn wir nicht, so völlig wie dies, uns selbst Dem Vater geben können, dann haben wir dies noch nicht ergriffen, für welches Christus uns ergriffen hat.[24] Der Glaube, den ein Mensch in Gott setzen mag, nein, muss, reicht über Erde und Himmel hinaus, erstreckt sich bis weit jenseits des entferntesten Sterns des schöpfungsmöglichen Universums. Die Frage ist gegenwärtig allerdings nicht die des Wegbewegens von Bergen,[25] eine Sache, die eines Tages einfach für uns sein wird, sondern die des jetzigen Erwachens und Aufstehens von den Toten.
 
   Wenn ein Mensch wahrhaftig und vollkommen mit Jesus sagen kann und wie Jesus es sagte: „Dein Wille geschehe.“, schließt er den immerwährenden Kreis des Lebens; das Leben Des Vaters und Des Sohnes fließt durch ihn; er ist ein Teil des göttlichen Organismus. Dann ist das Gebet des Herrn in ihm erfüllt: „Ich in ihnen und du in mir, auf dass sie vollkommen seien in eins.“[26] Der Christus in uns ist der Geist des vollkommenen Kindes zum vollkommenen Vater hin. Der Christus in uns ist unsere eigene wahre Natur, zur Blüte gebracht in uns durch den Herrn, dessen Leben das Licht der Menschen ist, dass es das Leben der Menschen werde; denn unsere wahre Natur ist Kindschaft Dem Vater.
 
   Freunde, jene von euch, welche wissen, oder ahnen, dass diese Dinge wahr sind, lasst uns aufstehen und leben – aufstehen gerade in den dunkelsten Augenblicken geistlicher Taubheit, wenn die Hoffnung selbst nichts sieht, worauf zu hoffen ist. Lasst uns nicht bekümmert sein über die Ursache unserer Weltlichkeit, außer wir erkennen in ihr irgendeine Unaufrichtigkeit in uns, sondern sofort zu Dem Leben gehen. Lasst uns nie, niemals als Trost die armselige Annahme akzeptieren, dass die Ursache unserer Taubheit körperlich ist. Kann es Trost sein zu wissen, dass dieser unser Leib, wegen des Todes in ihm, zu viel ist für den Geist – welcher nicht nur über ihn triumphieren sollte, sondern ihn mit Hingabe und Gehorsam inspirieren? Lasst uns bei uns selbst trösten in dem Gedanken an Den Vater und Den Sohn. So lange wie dort Harmonie innewohnt, so lange wie Der Sohn Den Vater liebt mit all der Liebe, die Der Vater begrüßen kann, ist alles gut mit seinen Kindlein. Mit Gott ist alles recht – warum sollten wir uns darum bekümmern, für eine Minute im Dunkeln draußen vor seinen Fenstern zu stehen? Selbstverständlich vermissen wir das Innensein, doch da liegt eine ganz eigene Wonne im Warten. Was ist, wenn der Regen fällt und der Wind weht; was ist, wenn wir allein stehen, oder, noch schmerzvoller, eine geliebte Person an unserer Seite haben, die unser Draußensein teilt; was ist, wenn selbst das Fenster nicht leuchtet, wegen der undurchschaubaren Vorhänge des Guten, die davor zugezogen sind; lasst uns bei uns selbst denken oder zu unserem Freund sagen: „Gott ist; Jesus ist nicht tot; nichts kann schief gehen, wie auch immer es für unsere in der Kindlichkeit unvollendeten Herzen aussehen mag.“ Lasst uns zu dem Herrn sagen: „Jesus, liebst du Den Vater dort drinnen? Dann wollen wir hier draußen seinen Willen tun, geduldig wartend, bis er die Tür öffnet. Wir kümmern uns nicht so sehr um den Wind und Regen. Vielleicht sagst du zu Dem Vater „Deine Kindlein brauchen etwas Wind und Regen: ihre Knospen sind hart; die Blüten kommen nicht heraus. Ich kann sie nicht gesegnet machen ohne ein bisschen mehr Winterwetter.“ Dann wird der Vater vielleicht sagen „Tröste sie, mein Sohn Jesus, mit der Erinnerung an deine Geduld, als du mich vermisst hast. Tröste sie, dass du meiner sicher warst, als alles um dich herum mir so unähnlich erschien, so unähnlich dem Ort, den du verlassen hattest.““ In einem Wort, lasst uns im Frieden sein, weil Friede im Herzen der Dinge ist – Friede und äußerste Befriedigung zwischen Dem Vater und Dem Sohn – zu welchem Frieden sie uns berufen, ihn zu teilen;[27] an welchem Frieden sie uns auf lange Sicht versprechen, dass wir teilhaben sollen, wenn sie ihren guten Weg mit uns gehabt haben.
 
   Vor uns also liegt eine unaussprechliche Wonne, eine Wonne jenseits des Denkens und Ausdenkens der Menschen, für jedes Kind, welches sich einfügen wird in die vollkommene Vorstellung Des Vaters. Seine Vorstellungskraft ist eins mit seinem schöpferischen Willen. Das Ding, das Gott sich vorstellt, dieses Ding existiert. Wenn das Erschaffene zusammenfällt in dem Willen dessen, welcher „ihn ins Sein geliebt hat“,[28] dann ist alles gut; von da an setzt sich die mächtige Schöpfung in ihm fort zu höheren und noch höheren Ebenen, in mehr und mehr göttliche Regionen. Dein Wille, Oh Gott, geschehe! Alles andere ist Verlust, Verfall, Verwesung. Da ist kein Leben außer dem, geboren von Dem Leben, das Das Wort in sich selbst erschuf, indem es deinen Willen tat, dessen Leben das Licht der Menschen ist. Durch dieses Licht wird das Leben der Menschen geboren – dasselbe Leben in ihnen, die zuerst ins Sein kamen in Jesus. Wie er sein Leben niederlegte, so müssen die Menschen ihr Leben niederlegen, dass wie er lebt, sie auch leben mögen.[29] Das, was in ihm gemacht wurde, war Leben, und das Leben ist das Licht der Menschen; und doch, die zu ihm gehörten, zu welchen er gesandt wurde, glaubten nicht an ihn.[30]


[1] Und auch der deutschen Leserschaft. Die meisten Bibelübersetzungen sind der hier zitierten King James bei der im Folgenden diskutierten Interpunktion sehr ähnlich.

[2] Bedeutet, dass diese Formulierung für den Sinngehalt des Gesagten nicht notwendig ist, sondern nur als sprachliches Stilmittel zur Unterstreichung des bereits Gesagten dient.

[3] Bedeutet überflüssig. Indem George MacDonald in seiner eigenen Aussage die Worte „pleonastisch“ und „redundant“ verwendet, doppelt er seine Aussage wie auch die Aussage im Bibelvers gedoppelt wird.

[4] MacDonald geht hier davon aus, dass der Schreiber des Johannesevangeliums auch tatsächlich der Jünger Johannes war, von dem es in diesem Buch heißt, dass er beim Essen an der Brust Jesu lehnte und ihm sehr nahe war. In der Forschung wird bezweifelt, dass der Text tatsächlich von Johannes selbst stammt, aber man nimmt zumindest an, dass der Schreiber in größter Nähe zu jenem historischen Johannes stand und in der Tradition seiner Überlieferung vom Wirken und Wesen Jesu. So gesehen stand der Schreiber dem Geist Jesu vielleicht tatsächlich näher als manch anderer.

[5] Diese Überlegungen sind legitim, da die ursprünglichen Fassungen der Texte in den Originalsprachen keine Satzzeichen enthielten, diese wurden erst später im Laufe der Zeit redaktionell hinzugefügt.

[6] i. S. von das Gegeneinander, die Gegenüberstellung

[7] Gemeint ist wieder Johannes, der Autor des Johannesevangeliums

[8] Matthäus 6, 23 / Hiob 22, 11

[9] 1. Korinther 15, 24 – 28

[10] Hier klingt die Idee von Platons Höhlengleichnis an. Das eigentliche Wesen der Dinge wirft nur Schatten in dieser für uns wahrnehmbaren Welt. Dahinter steht das Eigentliche, Göttliche, Gute, das es zu erkennen gilt.

[11] MacDonald setzt hier das Personalpronomen ein, um zu verdeutlichen, dass mit „dasselbe“ nicht nur abstrakt „Das Wort“ aus den vorangegangenen Versen gemeint ist, sondern dieses Wort als der Christus selbst zu begreifen ist.

[12] 1. Johannes 4, 8 + 16

[13] Die Beschreibung eines ungehorsamen Kindes als tot mag in unseren modernen Augen unwirklich und abwegig wirken, mindestens übertrieben. Für die richtige Einordnung sollte man wissen, dass George MacDonald ein liebevoller Vater war und die Beziehungen zu seinen eigenen Kindern harmonisch. Er selbst hatte ein inniges Verhältnis zu seinem Vater, der ihm wohl selten einen Wunsch abgeschlagen hat und ihn sehr lange nach allen Kräften und Möglichkeiten unterstützt hat, auch finanziell in seiner Ausbildung und darüber hinaus. Was MacDonald hier zeichnet ist eher das Bild des „bockigen“ Kleinkindes, das in diesem Moment nicht harmonisch eins mit den Eltern ist. Die Beschreibung ist auch ein Gleichnis für die Beziehung zwischen dem Menschen als Kind Gottes und Gott dem Vater.

[14] Siehe Philipper 2, 1 – 11

[15] Gebet Jesu im Garten Gethsemane vor seiner Gefangennahme und Kreuzigung

[16] Zitat von Sir Walter Raleigh

[17] Siehe Johannes, Kapitel 5

[18] Diese gedachte Aussage von Jesus ist keine reine Fantasie des Autors. Sie setzt sich zusammen aus zahlreichen indirekten Zitaten vor allem aus dem Johannesevangelium. Jesus spricht darin ausführlich von dem Zeugnis, das er über den Vater ablegt, von der Wahrheit und der Heimstatt beim Vater. Die Worte erinnern auch an das Gebet und die Situation in Gethsemane vor seiner Verhaftung. Auch die zwölf Legionen Engel, die Jesus nicht ruft, entstammen seiner Rede, als einer der Jünger ihn mit dem Schwert vor der Verhaftung bewahren wollte. Das „Ich bin“, das zu der Offenbarung des Gottes Israels gehört und im Johannesevangelium von Jesus selbst als Ausweis seiner Gottessohnschaft gebraucht wird, findet sich wieder. Einige Gedanken entstammen den Briefen des Paulus, wie zum Beispiel das „Alles in Allem“, das MacDonald in seinen Predigten sehr häufig zitiert.

[19] Ein sehr allgemeines Zitat, das so ähnlich in vielen Texten vieler Autoren zu finden ist. Die Übersetzerin konnte den genauen Ursprung nicht ausmachen, vermutet ihn aber in irgendeinem der Texte Shakespeares.

[20] Siehe das sog. Hohepriesterliche Gebet Jesu in Johannes, Kapitel 17

[21] Hier findet sich eine Auslegung der Natur des Heiligen Geistes als der wirksamen Liebe, die zwischen Vater und Sohn besteht und bewirkt, dass wir an ihr teilhaben können. Der Geist als Kraft, die uns in ein Verhältnis der Liebe zu Gott setzt. 

[22] Eine Reminiszenz an die Ansprache der Gläubigen in den Johannesbriefen als kleine Kinder oder Kindlein.

[23] 1. Korinther 3, 11 – 15

[24] Philipper 3, 12 – 13

[25] 1. Korinther 13, 2 / Matthäus 21, 21 / Markus 11, 23

[26] Johannes, 17, 23

[27] Johannes 14, 27 / 1. Korinther 7, 15

[28] Für dieses Zitat konnte die Übersetzerin bisher keine Quelle finden.

[29] Johannes 14, 19

[30] Hinweis auf den Vers, mit dem die nachfolgende Predigt eingeleitet wird, Johannes 5, 37 – 38