Übersetzung – Nicht gehaltene Predigten III von George MacDonald – Kapitel 6 – Königtum

Königtum

   „Da sprach Pilatus zu ihm: So bist du dennoch ein König? Jesus antwortete: Du sagst es, ich bin ein König. Ich bin dazu geboren und in die Welt gekommen, dass ich für die Wahrheit zeugen soll. Wer aus der Wahrheit ist, der höret meine Stimme.“ Johannes 18, 37

   Pilatus fragt Jesus, ob er ein König ist. Die Frage wird aufgeworfen durch das, was der Herr gerade in Bezug auf sein Königreich gesagt hat, schließend mit der Aussage, dass es nicht von dieser Welt wäre.[1] Nun antwortet er Pilatus, dass er tatsächlich ein König ist, doch zeigt ihm, dass sein Königreich von sehr anderer Art ist als das, was in der Welt Königreich genannt wird. Der Stand und die Herrschaft in dieser Welt sind uninteressant für ihn. Er hätte sie haben können. Seine Jünger aufrufend ihm zu folgen und seine zwölf Legionen Engel ihnen zu helfen,[2] hätte er die Römer bald in den Abgrund treiben können, sie auf dem Haufen der Nationen aufstapelnd, die zuvor darein getaumelt sind. Was wäre einfacher für ihn, als solcherart den Weg frei geräumt zu haben – und über die tributpflichtige Welt regierte der gerechte Monarch, der der Traum der Juden war, niemals in Israel oder anderswo gesehen, doch die Hoffnungen und Sehnsüchte der Elenden und ihrer Helfer heimsuchend![3] Er hätte von Jerusalem aus die Welt regieren können, nicht nur ausführend, was Menschen Gerechtigkeit nennen, sondern Wiedergutmachung erzwingend. Er kümmerte sich nicht ums Regieren. Kein solches Königreich würde den Zielen seines Vaters im Himmel dienen oder seine eigene Seele trösten. Was bedeutete Dem Sohn Gottes ein vollkommenes Imperium, während er ein menschliches Wesen lehren könnte, seinen Nächsten zu lieben und gut zu sein wie sein Vater! Liebes-Helfer zu sein für ein Herz, zu seiner eigenen Freude und der Herrlichkeit des Vaters, war der Anfang wahren Königtums! Der Herr wollte lieber die Füße seiner erschöpften Brüder waschen,[4] als der einzig vollkommene Monarch sein, der je in der Welt regierte. Es war das Imperium, das er ablehnte, als er Satan hinter sich befahl wie einen Hund zu seiner Ferse.[5] Herrschaft, wiederhole ich, war für ihn flau, fad, unnütz.

   Was also ist das Königreich, über welches der Herr sich kümmert zu regieren, dafür er sagt, dass er in diese Welt kam, um ein König zu sein? Ich antworte, Ein Königreich der Könige und kein anderes. Wo jeder Mensch ein König ist, dort und nur dort kümmert sich der Herr zu regieren, im Namen seines Vaters. Wie kein König in Europa sich darum kümmern würde, über einen Kannibalen, einen Wilden oder eine Tierart zu regieren, so kümmert sich der Herr um kein Königreich über irgendetwas, was diese Welt Nation nennt.[6] Ein König muss über seine eigene Art regieren. Jesus ist aufgrund keiner Eroberung, Erbschaft oder Wahl ein König, sondern nach dem Recht des grundlegenden Seins; und er kümmert sich um keine Untertanen außer solche, wie sie seine Untertanen nach demselben Recht sind. Seine Untertanen müssen von seiner eigenen Art sein, in ihrer eigentlichen Natur und dem Wesen nach Könige. Um seine Antwort an Pilatus zu verstehen, seht worin sein Königtum besteht; was es ist, das ihn zum König macht; welche Offenbarung seines eigentlichen Seins ihm ein Anrecht gibt, König zu sein. Des Herrn ist ein Königreich, in welchem kein Mensch danach strebt, über einem anderen zu sein: Ehrgeiz ist vom Schmutz der Königreiche dieser Welt. Er sagt „Ich bin ein König, denn ich bin zu diesem Zweck geboren, ich kam in die Welt mit der Absicht, Zeugnis für die Wahrheit abzulegen. Jeder, der von meiner Art ist, das heißt von der Wahrheit, hört meine Stimme. Er ist ein König wie ich und ist einer meiner Untertanen.“ Pilatus verlangt daraufhin – wie die meisten Christen heutzutage es tun würden, anstatt danach zu streben, wahrhaftig zu sein – eine Definition von Wahrheit, eine Erklärung für seinen Intellekt in festen Begriffen, was das Wort „Wahrheit“ bedeutet; doch sofort, ob überzeugt von der Nutzlosigkeit der Nachfrage oder beabsichtigend sie fortzusetzen, wenn er den Herrn freigelassen hat, geht er hinaus zum Volk, um ihm zu sagen, dass er keinen Fehler in ihm findet. Welche Auslegung wir auch immer aus seiner Handlung hier ziehen, er muss weit weniger wert der Anklage sein als jene „Christen“, welche, anstatt danach zu streben rein zu sein „gleichwie er auch rein ist“,[7] um ihres Bruders oder ihrer Schwester Hüter[8] zu sein und Gott zu dienen, indem sie ehrlich sind im Geschäft und im Handel und auf dem Markt, fortfahren ihm zu „dienen“, einige indem sie zu Kirche oder in die Kapelle gehen, einige indem sie die Meinungen ihrer Nachbarn verurteilen, einige indem sie andere lehren, was sie selbst nicht halten. Weder Pilatus noch sie stellen die eine wahre Frage „Wie kann ich ein wahrer Mensch sein? Wie kann ich ein Mensch werden, der würdig ist, ein Mensch zu sein?“ Der Herr ist ein König, weil sein Leben, das Leben seiner Gedanken, seiner Vorstellungskraft, seines Willens, seiner geringsten Handlung, wahrhaftig ist – wahr zuerst gegen Gott, indem dass er ganz und gar sein ist, wahr gegen sich selbst, indem es sich ganz und gar vergisst und wahr gegen seine Mitmenschen, indem er alles erdulden wird, was sie ihm antun, noch aufhören wird, sich selbst als der Sohn und Botschafter und das Bild Gottes zu erklären. Sie werden ihn töten, doch es macht nichts: die Wahrheit ist wie er sagt!

   Jesus ist ein König, weil seine Aufgabe ist, Zeugnis für die Wahrheit abzulegen. Welche Wahrheit? Alle Wahrheit; alles Wahre der Beziehungen des Universums durch und durch – zuallererst, dass sein Vater gut ist, vollkommen gut; und dass es die Krone und Freude des Lebens ist, den Willen der ewigen Quelle des Wollens und allen Lebens zu verlangen und zu tun. Er führt solcherart den Todesstreich gegen die Macht der Hölle aus. Denn der eine Grundsatz der Hölle ist – „Ich gehöre mir selbst. Ich bin mein eigener König und mein eigener Untertan. Ich bin das Zentrum, von welchem meine Gedanken ausgehen; ich bin Objekt und Ziel meiner Gedanken; zurück zu mir als dem Alpha und Omega[9] des Lebens kehren sich alle meine Gedanken. Meine eigene Ehre ist, und sollte es sein, meine Hauptsorge; mein Ehrgeiz ist die Aufmerksamkeit der Menschen auf das eine Zentrum zu ziehen, mich selbst. Mein Vergnügen ist mein Vergnügen. Mein Königreich ist – so viele wie ich kann dazu zu bringen, meine Größe über sie anzuerkennen. Mein Urteil ist die fehlerlose Regentschaft der Dinge. Mein Recht ist – was ich verlange. Je mehr ich alles in allem für mich selbst bin, desto größer bin ich. Je weniger ich Schuld oder Verpflichtung gegen einen anderen anerkenne; je mehr ich meine Augen vor der Tatsache verschließe, dass ich selbst mich nicht gemacht habe; je mehr selbstgenügend ich mich fühle oder mir mich selbst vorstelle – desto größer bin ich. Ich werde frei sein mit der Freiheit, die darin besteht, zu tun, was immer ich geneigt bin zu tun, aus welchem Quartier die Neigung auch rühren mag. Meinen eigenen Willen zu tun, so lange ich irgendetwas als meinen Willen fühle, heißt frei zu sein, heißt zu leben.“ All diesen Grundsätzen der Hölle, oder dieser Welt – sie sind dieselbe Sache und es spielt keine Rolle, ob sie behauptet oder verteidigt werden, so lange wie nach ihnen gehandelt wird – schreibt der Herr, der König, die direkte Lüge zu. Es ist, als sagte er: – „Ich sollte wissen, was ich sage, denn ich bin von aller Ewigkeit her der Sohn dessen gewesen, von welchem ihr ausgeht und welchen ihr euren Vater nennt, doch welchen ihr nicht als euren Vater haben wollt: ich kenne alles, was er denkt und ist; und ich sage dies, dass meine vollkommene Freiheit, meine reine Individualität, auf der Tatsache beruht, dass ich keinen anderen Willen als den seinen habe. Mein Wille ist völlig für seinen Willen, denn sein Wille ist recht. Er ist die Gerechtigkeit selbst. Sein eigentliches Wesen ist Liebe und Gleichklang und Selbsthingabe, und er will seine Kinder so haben wie sich selbst – Geschöpfe der Liebe, der Fairness, der Selbsthingabe an ihn und ihre Nächsten. Ich bin geboren, Zeugnis für die Wahrheit abzulegen – in meiner eigenen Person die sichtbare Wahrheit zu sein – das ganze Ebenbild und die Offenbarung des Gottes, welcher wahrhaftig ist. Mein eigentliches Wesen ist sein Zeuge. Jede Tatsache von mir bezeugt ihn. Er ist die Wahrheit und ich bin die Wahrheit. Tötet mich, doch während ich lebe, sage ich, Solcherart wie ich bin, ist er. Wenn ich sagte, dass ich ihn nicht kennte, wäre ich ein Lügner. Ich fürchte nichts, was ihr mir tun könnt. Soll der König, welcher kommt zu sagen, was wahr ist, sich umwenden wegen der Furcht des Menschen? Mein Vater ist wie ich; ich weiß es und ich sage es. Ihr mögt es nicht hören, weil ihr nicht seid wie er. Ich bin gering in euren Augen, welche Dinge nach ihrem Aussehen beurteilen; darum sagt ihr, dass ich lästere. Ich würde lästern, wenn ich sagte, er wäre so wie irgendetwas, das ihr in der Lage seid, euch von ihm vorzustellen, denn ihr liebt das Äußere und Macht und das Lob der Menschen. Ich tue das nicht und Gott ist wie ich. Ich kam in die Welt, um ihn zu zeigen. Ich bin ein König, weil er mich sandte, Zeugnis für seine Wahrheit abzulegen, und ich zeuge. Tötet mich und ich werde wieder auferstehen. Ihr könnt mich töten, doch ihr könnt mich nicht tot halten. Tod ist mein Diener; ihr seid die Sklaven des Todes, weil ihr nicht wahrhaftig sein wollt und die Wahrheit euch frei machen lasst. Gebunden und in euren Händen bin ich frei wie Gott, denn Gott ist mein Vater. Ich weiß, dass ich leiden werde, leiden bis zum Tod, doch wenn ihr meinen Vater kenntet, würdet ihr euch nicht wundern, dass ich bereit bin; ihr wäret ebenfalls bereit. Er ist meine Stärke. Mein Vater ist größer als ich.“[10]

   Erinnert euch, Freunde, ich sagte „Es ist, als sagte er.“ Ich wage es, einen Schatten des Zeugnisses des Herrn zu zeigen, ein Schatten, der gewiss durch seine Taten und seine eigenen Worte geworfen wird! Wenn ich mich irre, wird er mir vergeben. Ich fürchte ihn nicht; Ich fürchte nur, dass, in der Lage diese Dinge zu sehen und zu schreiben, ich fehlgehe, Zeugnis abzulegen und selbst schließlich ein Ausgestoßener bin – kein König, sondern ein Redner; kein Jünger Jesu, bereit mit ihm in den Tod zu gehen, sondern ein Erörterer der Wahrheit; ein Hasser der Lügen, die Menschen über Gott reden und ich selbst ein Wahrheit-sprechender Lügner, nicht ein Täter des Wortes.[11]

   Wir sehen also, dass der Herr sein Zeugnis für Die Wahrheit ablegte, für den einen Gott, indem er gerade dastand als was er war, vor den Augen und den Lügen der Menschen. Der wahre König ist ein Mensch, welcher als ein wahrer Mensch aufsteht und die Wahrheit spricht und sterben würde, aber nicht lügen. Die Gewänder eines solchen Königs mögen Lumpen oder Purpur sein; es spielt beides keine Rolle. Die Lumpen sind wahrscheinlicher, doch weder besser oder schlechter als die Gewänder. Der Herr war dann am königlichsten gekleidet, als seine Gewänder ein Witz, eine Verspottung, ein Gelächter waren. Von den Menschen, welche vor Christus Zeugnis für die Wahrheit ablegten, wurden manche zersägt,[12] einige unterwarfen Königreiche; es spielte keine Rolle, welches von beidem: sie zeugten.

   Die Wahrheit ist Gott; der Zeuge der Wahrheit ist Jesus. Das Königreich der Wahrheit besteht in den Herzen der Menschen. Die Wonne der Menschen ist der wahrhaftige Gott. Der Gedanke Gottes ist die Wahrheit von allem. Alles Wohlergehen liegt in der wahrhaftigen Beziehung zu Gott. Der Mensch, welcher darauf mit seinem ganzen Dasein antwortet, ist aus der Wahrheit. Der Mensch, welcher diese Dinge weiß und sie nur weiß; der Mensch, welcher einsieht, dass sie wahr sind und danach nicht Leben und Handeln ausrichtet, Urteil und Liebe, ist von den schlimmsten der Lügner; mit Hand und Fuß und Angesicht wirft er Hohn auf das, welches seine Zunge bekennt.

   Wenig dachten die Söhne des Zebedäus und ihre ehrgeizige Mutter darüber nach, was der irdische Thron von Christi Herrlichkeit war, um welchen sie baten,[13] dass sie ihn teilen möchten. Denn der König, gekrönt durch sein Zeugnis, zeugte also auf das Höchste seines äußersten Argumentes, als er am Kreuz hing – wie eine Sünde,[14] wie Paulus es in seiner Kühnheit ausdrückt. Wenn sein Zeugnis behandelt wird als eine Lüge, dann zeugt er am meisten, denn er gibt es immer noch. Hoch und erhaben auf dem Thron seines Zeugnisses, am Kreuz seiner Qual, hält er daran fest: „Ich und der Vater sind eins.“[15] Jeder Spott, beim Zeugnis ertragen, ist ein neuerliches Zeugnis. Unendlich viel mehr, als wenn er auf dem Thron der ganzen Erde gesessen hätte, legte Jesus Zeugnis für die Wahrheit ab, als Pilatus ihn zum letzten Mal hinausbrachte und ihn vielleicht auf dem Richterstuhl niedersitzen ließ in seiner Verspottung königlicher Gewänder und königlicher Insignien, sprechend „Seht, euer König!“ Gerade wegen dieser Gewänder und dieser Krone, dieses Zepters und dieses Thrones der Verhöhnung war er der einzige wahre König, der jemals auf irgendeinem Thron saß.[16]

   Wird von jedem Christen erwartet, dass er Zeugnis ablegt? Ein Mensch, der zufrieden damit ist, kein Zeugnis für die Wahrheit abzulegen, ist nicht im Königreich des Himmels. Einer, welcher glaubt, muss Zeugnis ablegen.[17] Einer, welcher die Wahrheit sieht, muss sie bezeugend leben. Ist unser Leben also ein Bezeugen der Wahrheit? Betragen wir uns selbst in der Bank, auf der Farm, im Haus oder Geschäft, in Studium oder in der Werkstatt, wie der Herr es würde oder wie der Herr es nicht würde? Achten wir darauf, wahrhaftig zu sein? Streben wir danach, auf der Höhe unserer Ideale zu leben? Oder sind wir gemeine, selbstsüchtige, weltbestrickende, kriecherische Sklaven? Wenn Verachtung auf die Wahrheit geworfen wird, lächeln wir? Verleugnet in unserer Gegenwart, machen wir kein Zeichen, dass wir daran festhalten? Ich sage nicht, dass wir dazu aufgerufen sind, zu diskutieren und mit Logik und Argumenten zu verteidigen, sondern wir sind aufgerufen zu zeigen, dass wir auf der anderen Seite stehen. Doch wenn ich sage Wahrheit, meine ich nicht Meinung: Meinung zu behandeln, als wäre sie Wahrheit, heißt die Wahrheit auf das schmerzlichste zu verleugnen. Die Seele, die die Wahrheit liebt und versucht, wahrhaftig zu sein, wird wissen, wann zu sprechen und wann zu schweigen ist; doch der wahrhaftige Mensch wird niemals aussehen, als würde er sich nicht darum bekümmern. Wir sind nicht daran gebunden, alles zu sagen, was wir denken, sondern wir sind daran gebunden, nicht einmal nach dem auszusehen, was wir nicht denken. Das Mädchen, das vor einer Gemeinschaft spottender Gefährtinnen sagte „Ich glaube an Jesus.“, legte wahrhaft Zeugnis ab für ihren Meister, Die Wahrheit. David legte Zeugnis ab für Gott, Die Wahrheit, als er sagte „Aber dein, oh Herr, ist auch die Barmherzigkeit; denn du vergiltst einem jeglichen nach seinem Tun.“[18]


[1] Siehe Johannes 18, 29 – 40

[2] Siehe Matthäus 26, 53: Als Petrus bei der Festnahme Jesu im Garten Gethsemane einem Soldaten ein Ohr abschlägt, wehrt Jesus diesen Vorstoß von Petrus mit den Worten ab, er könne Gott sofort um 12 Legionen Engel bitten, wenn er wollte. Eine Legion sind zwischen 3000 und 6000 Soldaten.

[3] Die Hoffnung auf einen gerechten König über Israel zieht sich durch die Propheten des AT, insbesondere bei Jesaja. Weltliche Herrschaft und eine ideale Gottesherrschaft sind in der Schrift meist entgegengesetzte Bilder – kennzeichnend für eine gerechte Herrschaft ist die Versorgung von Witwen, Waisen und Armen, der Schwächsten in einer Gesellschaft. Diese Art der Herrschaft wird von den Propheten eingefordert.

[4] Siehe Johannes 13, wo Jesus seinen Jüngern tatsächlich die Füße wäscht – ein sehr niedriger Dienst, der ausdrücken sollte, dass in seinem Reich der Dienst am anderen im Mittelpunkt steht und nicht das Beherrschen des anderen.

[5] Siehe Markus 8, 33 / ebenso Anspielung auf 1. Mose 3, 15

[6] Man muss hierbei bedenken, dass MacDonald diesen Text im 19. Jahrhundert schreibt, der Hochzeit des weltweiten Kolonialismus vieler europäischer Mächte, die die Völker besonders in Afrika für weit weniger menschlich als sich selbst hielten. Es gibt Texte von MacDonald, die darauf hindeuten, dass er zum Beispiel ein Gegner der Sklaverei war und Menschen anderer Hautfarbe als gleichwertige Mitmenschen betrachtete. Zum Beispiel in dem Roman Sir Gibbie, wo der kleine, stumme Betteljunge eine Zeit lang Zuflucht bei einem schwarzen Seemann sucht, der von seinen weißen Kameraden auf bestialische Weise ermordet wird und im letzten Atemzug nach seinem Herrn Jesus ruft. Eine Art schwarzer Christus-Typus oder Märtyrer. Ebenso schaut Gott auf das Konstrukt der Nation als etwas, das es nicht wert ist, mit dem himmlischen Prinzip von Herrschaft verbunden zu werden. Das Königreich Gottes ist den Imperien dieser Welt entgegengestellt.

[7] 1. Johannes 3, 3

[8] Anspielung auf 1. Mose 4, 9 – wo Kain, nachdem er seinen Bruder Abel erschlagen hat, Gott fragt, ob er denn seines Bruders Hüter sein soll, weil Gott ihn fragt, wo Abel ist. Die Antwort ist nach MacDonald also: jeder Mensch soll der Hüter seiner Mitmenschen sein.

[9] Siehe Offenbarung 1, 8 – Jesus sprich hier: Ich bin das Alpha und das Omega – Anfang und Ende. Der Mensch, von dem MacDonald hier schreibt, zieht also diesen Anspruch auf sich selbst – er ist nun Alpha und Omega, Zweck und Ziel aller Dinge.

[10] Das ist keine direkte Aussage Jesu. Hier mischen sich die Auslegungen MacDonalds wieder mit zahlreichen indirekten Zitaten vor allem aus dem Johannesevangelium.

[11] Jakobus 1, 22

[12] Anspielung auf Hebräer 11, 37

[13] Siehe Matthäus 20 oder Markus 10 – die Söhne des Zebedäus, zwei Jünger Jesu, bitten ihn um die Plätze zu seiner Rechten und Linken in seinem Reich, ohne zu ahnen, dass sie damit darum bitten, mit ihm gekreuzigt zu werden.

[14] 2. Korinther 5, 21

[15] Johannes 10, 30

[16] Dass Jesus von Pilatus auf den Richterstuhl gesetzt wurde, steht in keinem der Texte, aber diese Imagination MacDonalds liegt nahe, denn tatsächlich gleicht der ganze Vorgang, bis dahin, dass Pilatus den gegeißelten, mit der Dornenkrone gekrönten, in den Purpurmantel gehüllten Jesus mit dem Stock als eine Art Zepter in der Hand, der Menge als König präsentiert der ins Lächerliche gezogenen Zeremonie einer Krönung.

[17] Siehe z. Bsp. Römer 10, 10

[18] Psalm 62, 13 – Anschluss an die nächste Predigt