Fäkaliengeruch im Lande

Buchbesprechung:

Richard Russo: Sh*tshow

Aus dem Englischen von Monika Köpfer
DuMont, 2020, 67 Seiten

Der Tag, an dem der orangefarbene Mann zum Präsidenten der USA gewählt wird. Ein vom Hochschullehramt pensioniertes Ehepaar. Ein durchschnittliches Haus der gut situierten, gebildeten Mittelschicht Amerikas. Eine Grillparty mit alten Freunden, die niemals den orangefarbenen Mann gewählt hätten – aber wer weiß das schon so genau? Schließlich geht es um einen netten Abend unter Freunden und da bedeutet Politik nichts. Nur dieser Fäkaliengeruch will einfach nicht verschwinden.

Als die Freunde gehen, finden David und Ellie dann die orangefarbene Kackwurst eines Menschen in ihrem Whirlpool…

Fortan bedeutet alles irgendetwas. Jemand ist in ihr gut geordnetes, gemütliches Leben eingedrungen und er tut es immer wieder. Der Fäkaliengeruch nimmt zu. Im Haus, im ganzen Land? Oder bedeutet das alles überhaupt nichts, wie David seiner Frau beschwichtigend zu vermitteln sucht?

Für ihn ist es ein belangloser Vorfall. Für sie ein unerträglicher Einbruch in die Privatsphäre. Das Haus wird unbewohnbar, die Ehe unlebbar. Alles scheint in dieser Geschichte auf sehr komische und zugleich unheimliche Weise auseinander zu brechen.
Erst der ultimative Höhepunkt der Sh*tshow lässt alle Beteiligten aufwachen.

Es kann sich nur um einen Zufall handeln. Und schließlich gibt es da doch dieses warme Gefühl der Zugehörigkeit, das man in der Kindheit erlebte. Wie hat man es nur vergessen können? Ist dies die Lösung? Die Erinnerung an das Wesentliche, das Gemeinsame? Wieder miteinander reden?

Nur so wenig zum Inhalt dieser kurzen Geschichte. Ein komischer Zufall, der symbolisch für den orangefarbenen Einbruch in amerikanische, bürgerliche Wohlsortiertheit steht. Wie erlebt die gebildete Elite diese permanente Sh*tshow direkt vor ihrer Nase? Diese leise Frage stellt die Geschichte.

Es ist eine amüsante Begebenheit, die daran erinnert, dass entweder alles oder nichts etwas bedeutet und am Ende die Perspektive eines erhofften wieder miteinander Redens an den Horizont malt.

Unterhaltsam, nachdenklich und eine Erinnerung daran, dass politische Beben auch in engstem Familien- und Freundeskreis ihre Risse hinterlassen können. Öffnen wir die Augen und lassen wir zu, dass die verschüttete Wahrheit einer Zugehörigkeit uns wieder einholt?

Man darf gespannt sein. Klare Leseempfehlung dieses amüsanten Kleinods.