Die Hoffnung des Evangeliums – von George MacDonald – Kapitel 2

Die Hoffnung des Evangeliums – George MacDonald

The Remission of Sins – Die Wegnahme der Sünden

   „Johannes war in der Wüste, taufte und predigte die Taufe der Buße zur Vergebung [Wegnahme] der Sünden.“ Markus 1, 4

   Gott und Mensch müssen sich verbinden zur Rettung von Sünde und dasselbe Wort, hier und woanders als Wegnahme übersetzt, scheint im Neuen Testament für den Anteil beider an der großen Befreiung gebraucht zu werden.

   Doch zuerst lasst mich etwas sagen in Bezug auf das Wort, das hier und woanders mit Buße [Umkehr] übersetzt wird. Ich würde nicht einmal eine Fehlübersetzung unterstellen; doch die Idee, die durch das Wort beabsichtigt wird, ist so sehr missverstanden und daher falsch gelehrt worden, dass es einige Betrachtungen zu dem Wort an sich verlangt, um eine rechte Wahrnehmung der moralischen Tatsache, die es repräsentiert, zu erhalten.

   Das griechische Wort also, von welchem das Wort Buße [Umkehr] das akzeptierte Synonym ist und grundsätzlich die akkurate Bezeichnung, besteht aus zwei Wörtern, von welchen die zusammengefügte Bedeutung ist: eine Änderung der Gesinnung oder des Denkens. Darin liegt keine Absicht von oder ein Hinweis auf Kummer oder Scham oder von irgendeinem anderen geistigen Zustand, die, nicht selten die Buße [Umkehr] begleitend, für die wesentlichen Bestandteile davon gehalten worden sind, manchmal für ihr eigentliches Wesen. Hier bestimmt es der letzte der Propheten oder der Evangelist, welcher seine Taten berichtet, als wenn er es alleinstehend für ungenügend hält, die Absicht des Täufers zu vermitteln, näher mit den drei Wörtern, die ihm folgen – [Griechisch: eis aphesin amartiôn: – kaerussôn Baptisma metanoias eis aphesin amartiôn] – „predigend eine Taufe der Buße [Umkehr] – zu einer Beseitigung von Sünden“. Ich sage nicht, dass die Wendung [Griechisch: aphesis amartiôn] niemals Vergebung bedeutet, zumindest eine Form von Gottes Beseitigung von Sünden; noch sage ich, dass die Annahme der Wendung, dass sie Buße [Umkehr]zur Wegnahme der Sünden bedeutet, nämlich Buße [Umkehr], um das Verzeihen Gottes zu erlangen, irgendeine Widersprüchlichkeit enthält; doch ich sage, dass das Wort [Griechisch: eis] eher Um zu/Zur als Für/Wegen bedeutet; dass das Wort [Griechisch: aphesis], übersetzt mit Wegnahme, grundsätzlich ein Beseitigen bedeutet, eine Entlassung; und dass der Schreiber den hinzugefügten Vers dazu zu verwenden scheint, sicher zu machen, was er mit Buße [Umkehr] meint; eine Buße [Umkehr] nämlich, die sich erstreckt auf die Beseitigung  oder Unterlassung von Sünden. Ich denke nicht, dass eine Änderung der Gesinnung zur Wegnahme oder Vergebung von Sünde annähernd eine so logische Wendung wäre wie eine Änderung der Gesinnung zur Unterlassung des Sündigens. Die revidierte Version lehnt das Wort Für/Wegen ab und wählt Um zu/Zur, obwohl sie Wegnahme behält, welches Wort keine andere Bedeutung vermittelt als die Vergebung durch Gott. Ich denke, dass hier dasselbe Wort für die Beseitigung von seinen Sünden durch einen Menschen gebraucht wird, wie es anderswo für Gottes Beseitigen oder Wegnehmen von ihnen gebraucht wird. In beiden Verwendungen ist es ein Ausstoßen der Sünde, mit dem Bedeutungsunterschied, der von den unterschiedlichen Quellen der Handlung herrührt. Beide, Gott und Mensch, beseitigen Sünden, doch in einem Fall beseitigt Gott die Sünden des Menschen und im anderen beseitigt der Mensch seine eigenen Sünden. Ich gehe nicht auf die Frage ein, ob Gottes aphesis genauso gut das Beseitigen der Sünden aus einem Menschen wie auch das Verzeihen von ihnen bedeuten kann oder nicht; ob es manchmal Beseitigung oder manchmal Wegnahme bedeuten mag: ich bin sicher, dass das eine Wirken vom anderen nicht abgetrennt werden kann.

   Dass die Wendung hier Buße [Umkehr] zum Ablassen von der Sünde, dem Aufgeben dessen, was falsch ist, meint, werde ich als zumindest wahrscheinlich versuchen aufzuzeigen.

   Zuallererst definiert der Benutzer der Wendung die Änderung der Gesinnung, die er meint, entweder als eine, die zu ihrem Zweck das Verzeihen Gottes hat, oder als eine, die auf ein neues Leben zielt: das Letztere erscheint mir das bei weitem Natürlichere zu sein. Die Art und Reichweite der Buße [Umkehr] oder Veränderung, und nicht irgendein dadurch gewonnenes Ziel, scheinen beabsichtigt. Die Veränderung muss eine des Wollens und Betragens sein – eine radikale Änderung des Lebens auf Seiten des Menschen: er muss Buße tun [umkehren] – das heißt, seine Gesinnung ändern – nicht hin zu einer anderen Meinung, nicht einmal hin zu einer bloßen Besserung seines Betragens – hin zu nichts Geringerem als einem Beseitigen seiner Sünden. Diese Auslegung der Predigt des Täufers erscheint mir, wiederhole ich, die direktere, die vollständigere, die logischere Bedeutung zu sein.

   Als Nächstes ist, im Evangelium nach Matthäus, des Täufers untermauerndes Argument oder unmittelbare Absicht für die Veränderung, zu der er das Volk drängt, dass das Himmelreich nahe ist: „Weil der König des Himmels kommt, müsst ihr euer Sündigen aufgeben.“ Dasselbe Argument für unmittelbares Handeln liegt in seinem Zitat aus Jesaja, – „Bereitet dem Herrn den Weg; ebnet eine Straße in der Wüste eurem Gott.“ Die einzig wahre, die einzig mögliche Vorbereitung auf das Kommen des Herrn ist, ablassen Böses zu tun und anfangen Gutes zu tun – die Sünde zu beseitigen. Sie sollen nicht die Straßen ihrer Städte reinigen, nicht ihre Häuser oder ihre Gewänder oder auch ihre Leiber, sondern ihre Herzen und ihre Taten. Es ist wahr, dass der Täufer nicht erkannte, dass das kommende Himmelreich nicht von dieser Welt war, sondern von der höheren Welt in den Herzen der Menschen; es ist wahr, dass sein Glaube ihn in seiner Gefangenschaft verließ, weil er von keiner militärischen Bewegung auf Seiten des Herrn hörte, von keiner Durchsetzung seiner Herrschaft, von keiner überzeugenden Schau seiner Macht; doch er erkannte deutlich, dass Rechtschaffenheit für das Himmelreich wesentlich war. Dass er noch nicht begriff, dass Rechtschaffenheit das Himmelreich ist; dass er nicht erkannte, dass der Herr sein Reich bereits aufrichtete, indem er die Sünde aus den Herzen der Menschen seines Volkes beseitigte, ist nicht verwunderlich. Des Herrn Antwort an den Botschafter seiner Nachricht des Zweifels war, den Botschafter zurückzusenden als Augenzeugen von dem, was er tat, um so in ihm die Wahrnehmung zu wecken oder zu verdeutlichen, dass sein Reich nicht von dieser Welt war – dass er mit anderen Mitteln und Zielen zu schaffen hatte als Johannes bisher als seine Sendung oder Absicht erkannt hatte; denn gehorsame Liebe im Herzen des Elendesten, den er heilte oder überzeugte, war sein kommendes Reich.

   Wiederum, beachtet, dass, als die Pharisäer zu Johannes kamen, er zu ihnen sagte: „Bringt daher Früchte der Buße [Umkehr] hervor.“ Ist dies nicht dasselbe wie: „Tut Buße [Kehrt um] zur Beseitigung eurer Sünden“?

   Beachtet ebenso, dass, als die Menge zum Propheten kam und alle, eingeschlossen die Schichten, die für die Übrigen höchst anstößig waren, die Zöllner und die Soldaten, fragten, was er meinte, dass sie tun sollten – solcherart deutlich wahrnehmend, dass etwas von ihnen verlangt wurde – seine Unterweisung durch und durch in dieselbe Richtung ging: sie mussten von ihren Sünden ablassen; und sie mussten jeder mit dem Fehler anfangen, der ihnen am nächsten lag. Das Himmelreich war nahe: sie mussten den Weg des Herrn bereiten, indem sie anfingen zu handeln, wie im Himmelreich gehandelt werden sollte.

   Sie konnten ihre Sünden nicht selbst loswerden, doch sie konnten sich daran machen, sie zu beseitigen; sie konnten mit ihnen streiten und fortfahren, sie aus dem Haus zu werfen: der Herr war auf seinem Weg, um seinen Teil in ihrer endgültigen Verbannung zu tun. Jene, welche Buße getan hatten [umgekehrt waren] zur Beseitigung ihrer Sünden, würde er mit einer heiligen Kraft taufen, sie tatsächlich auszustoßen. Der wirksame Wille, sie loszuwerden, würde mit einem Feuer getauft werden, das sie verzehren würde. Wenn ein Mensch mit seinen Sünden bricht, dann wird der Wind des Herrn sie fortwehen, das Feuer des Herzens des Herrn wird sie verzehren.

   Ich denke also, dass hier der Teil des bußfertigen Menschen und nicht der Teil Gottes, am Beseitigen der Sünden beabsichtigt ist. Es ist des Menschen eigene Vorbereitung zum Empfang der Kraft, sie zu überwinden, die Taufe mit Feuer.

   Nicht selten muss, was im Namen des Evangeliums Jesu daherkommt, selbst einem, der nicht weit vom Himmelreich entfernt ist, als überhaupt keine gute Nachricht erscheinen. Es zieht ihn nicht an; es erweckt nicht eine einzige Hoffnung in ihm. Er hat kein Verlangen nach dem, was es ihm als Erlösung anbietet. Der Gott, von dem es ihm Nachricht gibt, ist nicht einer, welchem er sich nahen wollte. Doch wenn solch ein Mensch dahin kommt, zu erkennen, dass eben dieser Gott sein Leben sein muss, das Herz seines Bewusstseins; wenn er wahrnimmt, dass, indem er sich aufrafft, von sich zu tun, was böse ist, und die Pflicht zu tun, die vor ihm liegt, mag er furchtlos die Hilfe von ihm beanspruchen, welcher „ihn ins Dasein geliebt hat“, dann stellt sich sein Willen sofort auf die Seite seines Gewissens; er fängt an zu versuchen, zu sein; und – die erste Sache hin zum Sein – sich selbst von dem zu befreien, was allem Sein entgegengesetzt ist, nämlich falsch. Die Menge der Vielen wird sich nicht einmal der fürchterlichen Aufgabe annähern, der Mühe und dem Schmerz des Seins. Gott tut seinen Teil, unternimmt die gewaltige Mühe einer Zeitalter-währenden Schöpfung, die Menschen mit der Macht zu sein ausstattend; doch wenige von denen sind es bisher, welche ihren Teil aufnehmen, welche auf den Ruf Gottes antworten, welche sein wollen, welche ein göttliches Bemühen nach wirklicher Existenz hervorbringen. Den Vielen ruft der Geist des Propheten zu: „Kehrt um und ändert euren Weg! Das Himmelreich ist euch nahe. Lasst euren König das Seine besitzen. Lasst Gott selbst thronen in euch, dass seine Freiheit euer Leben sei, und ihr freie Menschen seid. Dass er eintreten möge, reinigt euer Haus für ihn. Schickt die bösen Dinge daraus fort. Lasst ab vom Bösen und tut Gutes. Die Pflicht, die vor deiner Tür liegt, die tue, sei sie groß oder klein.“

   Denn tatsächlich gibt es in diesem Bereich weder groß noch klein. „Seid zufrieden mit eurem Sold.“, sagt der Täufer zu den Soldaten. An viele Leute wäre jetzt das Wort: „Zügelt euer Temperament.“; oder: „Seid freundlich zu allen.“; oder: „Lasst einen den anderen höher achten als sich selbst.“; oder: „Seid gerecht zu eurem Nächsten, auf dass ihr ihn liebt.“ Um in der Wüste einen Weg für unseren Gott zu ebnen, müssen wir uns selbst an eben dem Punkt der Wüste, auf dem wir stehen, aufraffen; wir müssen unser böses Ding weit von uns stoßen, das den Weg für die Räder seines Streitwagens blockiert. Wenn wir es nicht tun, werden diese Räder niemals durch unsere Straßen rollen; niemals werden unsere Wüsten mit seinen Rosen erblühen.

   Die Botschaft des Johannes an seine Landsleute war also und ist es noch die eine Botschaft an die Welt: – „Beseitigt eure Sünden, denn das Himmelreich ist nahe.“ Einige von uns – ich kann nicht sagen alle, denn ich weiß es nicht – welche bereits Buße getan haben [umgekehrt sind], welche vor langer Zeit angefangen haben, ihre Sünden zu beseitigen, benötigen jeden Tag erneuerte Buße [Umkehr] – wie viele Male am Tag, weiß allein Gott. Wir sind so schnell dabei, auf irgendeinen Pfad zu kommen, der parallel zum schmalen Pfad zu verlaufen scheint, und nehmen dann keine Notiz von seiner Abweichung! Was bleibt uns da übrig, wenn wir entdecken, dass wir vom Wege abgekommen sind, außer sich zu besinnen und umzudrehen? Mit jenen, „welche keine Buße [Umkehr] nötig haben“, mag der Herr solche gemeint haben, wie vollständig Buße getan haben [umgekehrt sind], alle ihre Sünden beseitigt haben und nun mit ihm in des Vaters Haus sind; ebenso solche, wie niemals gesündigt haben und solche, die nicht mehr länger sich abwenden für irgendeine Versuchung.

   Wir sollten nun vielleicht in der Lage sein, die Beziehung des Herrn selbst zur Taufe des Johannes zu verstehen.

   Er kam zu Johannes, um getauft zu werden; und die meisten würden sagen, dass die Taufe des Johannes zur Buße [Umkehr] für die Wegnahme oder Verzeihung der Sünden war. Doch der Herr konnte nicht getauft werden zur Wegnahme der Sünden, denn er hatte niemals eine selbstsüchtige, eine unwahrhaftige oder eine ungerechte Sache getan. Er hatte niemals falsch gegen seinen Vater gehandelt, genauso wie sein Vater niemals verkehrt gegen ihn gehandelt hatte. Glücklicher, glücklicher Sohn und Vater, welche einander niemals etwas Falsches angetan haben, weder in Gedanken noch in Taten! Genauso wenig hat er Bruder oder Schwester etwas Falsches angetan. Er benötigte keine Vergebung; es gab nichts, was zu vergeben gewesen wäre. Umso weniger konnte er getauft werden zur Buße [Umkehr]: in ihm hätte Buße [Umkehr] bedeutet, sich zum Bösen umzuwenden!

   Worin also lag das Angemessene in seinem Kommen, um durch Johannes getauft zu werden, und im Bestehen darauf, durch ihn getauft zu werden? Es muss woanders liegen.

   Wenn wir die Worte von Johannes nehmen, dass sie bedeuten „die Taufe der Buße [Umkehr] zur Beseitigung der Sünden“; und wenn wir in Gedanken behalten, dass in seinem Fall Buße [Umkehr] nicht sein konnte, insofern als wofür Buße [Umkehr] in einem Menschen hervorzubringen notwendig ist, es in Jesus bereits vorhanden war; dann, die Worte anpassend, um dem Fall gerecht zu werden, und sagend: „die Taufe der willentlichen Hingabe an das Beseitigen der Sünde“, werden wir sofort erkennen, wie die Taufe Jesu eine richtige und angemessene Sache war.

   Dass er keine Sünde hatte, von welcher er Buße [Umkehr] tun musste, war nicht, weil er so beschaffen war, dass er nicht hätte sündigen können, wenn er gewollt hätte; es war, weil er durch seinen eigenen Willen und Urteil die Sünde von sich wies – sie von sich wies, durch die völlige Wahl und Kraft seiner Natur. Gott kennt Gut und Böse und, gepriesen sei sein Name, wählt das Gute. Niemals wird sein gerechter Zorn ihn uns gegenüber ungerecht machen, ihn vergessen machen, dass wir Staub sind. Wie er wählte auch sein Sohn das Gute und in dieser Wahl widerstand er aller Versuchung, seinen Nächsten auf andere Weise zu helfen als ihr und sein Vater es würde. Anstatt die Macht des Bösen durch göttliche Gewalt zu zermalmen; anstatt Gerechtigkeit zu erzwingen und die Übeltäter zu zerstören; anstatt Friede auf Erden zu schaffen durch die Herrschaft eines vollkommenen Prinzen; anstatt die Kinder Jerusalems unter seinen Flügeln zu versammeln, ob sie wollten oder nicht, und sie vor dem Grauen zu retten, das seine prophetische Seele peinigte – ließ er das Böse seinen Willen durchsetzen, während es lebendig war; er gab sich zufrieden mit den langsamen, wenig aufmunternden Wegen der grundlegenden Hilfe; die Menschen gut zu machen; den Satan hinauszuwerfen und ihn nicht bloß zu kontrollieren; die alten, grundlegenden Prinzipien zu ihrer vollkommenen Ausführung bringend, wegen derer der Vater ihn ehrte: „Du hast die Gerechtigkeit geliebt und die Ungerechtigkeit gehasst; darum hat Gott, dein Gott, dich mit Freudenöl gesalbt vor deinen Gefährten.“ Gerechtigkeit zu lieben bedeutet, sie wachsen zu lassen, nicht sie zu rächen; und für die Gerechtigkeit den wahren Sieg zu erringen, musste er, so wie seine Brüder, das Böse beseitigen. Während seines Lebens auf Erden, widerstand er jedem Impuls, hektischer für ein geringeres Gut zu wirken, – ein starker Impuls vielleicht, als er sah, wie die Alten und Unschuldigen und Gerechten niedergetrampelt wurden. Was außer diesem gibt der Versuchung in der Wildnis irgendeinen Wirklichkeitswert, der Fortsendung des Teufels von ihm für eine Zeit lang, zu seinem Wiederkehren, um ein gleiches Versagen zu erfahren? Immer und immer wieder, in der ganzen Haltung seines Daseins, in seinem stets empor gerichteten Herzen, in seiner unfehlbaren Bereitschaft, mit dem Vater am selben Strang zu ziehen, lehnte er die Sünde ab, trieb sie aus – fort von sich und, wie der Herr der Menschen und ihr Retter, auch fort von anderen, sie dazu bringend, sie zu verabscheuen wie er selbst. Kein Mensch, am wenigsten von allen der Herr der Menschen, kann gut sein, ohne gut sein zu wollen, ohne sich selbst gegen das Böse zu widersetzen, ohne die Sünde zu beseitigen. Andere Menschen müssen sie aus sich heraus beseitigen; der Herr musste sie davor von sich selbst forttreiben, dass sie nicht in ihn hineingelangte. Daher ist der Widerstand gegen die Sünde dem Hauptmann der Erlösung und den Soldaten unter ihm gemeinsam.

   Wozu, es zu tun, kam Jesus in die Welt? Den Willen Gottes in der Rettung seines Volkes von ihren Sünden – nicht von der Bestrafung ihrer Sünden, dieser gesegneten Hilfe zur Buße [Umkehr], sondern von ihren Sünden selbst, sowohl den schäbigen als auch den abscheulichen, den lässlichen als auch den verabscheuungswürdigen. Sein ganzes Wirken war und ist, die Sünde zu beseitigen – sie von der Erde zu verbannen, ja, sie in den Abgrund der Nicht-Existenz hinter dem Rücken Gottes zu werfen. Sein war der Heilige Krieg; er kam, um ihn in unsere Welt zu tragen; er widerstand bis aufs Blut; die Soldaten, die ihm nachfolgten, lehrte und übte er ebenso, bis aufs Blut zu widerstehen, streitend gegen die Sünde; so wurde er der Hauptmann ihrer Erlösung und sie, selbst befreit, kämpften und litten für andere. Dies war die Aufgabe, zu der er getauft wurde; dies ist immer noch seine andauernde Arbeit. „Dies ist mein Blut des Neuen Bundes, welches für viele vergossen wird, zur Beseitigung der Sünde.“ Was ist der Neue Bund? „Ich werde einen Neuen Bund mit dem Haus Israel und mit dem Haus Juda schließen; nicht entsprechend dem Bund, den sie gebrochen haben, sondern diesen: Ich werde mein Gesetz in ihr Inneres geben und es auf ihre Herzen schreiben und ich werde ihr Gott sein und sie werden mein Volk sein.“

   Johannes taufte zur Buße [Umkehr], weil jene, zu welchen er gesandt war, Buße tun [umkehren] mussten. Sie mussten sich besinnen und die Sünde beseitigen, die in ihnen war. Doch hätte es einen Menschen gegeben, sich keiner Sünde in ihm bewusst, sondern dessen gewahr, dass das Leben kein Leben wäre, würde nicht die Sünde aus ihm ferngehalten, so wäre dieser Mensch im Recht gewesen, indem er die Taufe des Johannes zur fortgesetzten Entfernung der Sünde, die jemals durch seine Tür hätte eintreten wollen, empfing. Die Absicht der Taufe war das Beseitigen der Sünde; ihre Absicht war Buße [Umkehr] nur, wo notwendig dazu, nur als Einführung, als resultierend darin. Er, zu welchem Johannes nicht gesandt war, Er, welchen er nicht rief, Er, welcher keiner Buße [Umkehr] bedurfte, wurde getauft mit derselben Absicht, zur selben Auseinandersetzung zum selben Zweck – die Verbannung der Sünde aus dem Herrschaftsbereich seines Vaters – und das zuerst durch seine eigene ernsteste Zurückweisung von ihr in sich selbst. Daher rührte sein Sieg in der Wildnis: er wollte es nach der Weise seines Vaters haben, nicht nach seiner eigenen. Sollte er weniger geeignet sein, die Taufe des Johannes zu empfangen, da die Absicht von ihr keine neue Sache war für ihn, welcher damit befasst gewesen ist von Anfang an, ja, von Ewigkeit her? Wir werden damit befasst sein, nehme ich an, bis in alle Ewigkeit.

   Solche also, wie getauft wurden von Johannes, wurden eingeführt in die Gemeinschaft von jenen, deren Werk es war, die Sünde aus der Welt zu beseitigen und das zuerst, indem sie sie aus sich selbst beseitigten, indem sie sie hinter sich ließen. Ihre frühesten Bestrebungen in diese Richtung würden, wie ich gesagt habe, die Tür öffnen für diese Hilfe einzutreten, ohne welche ein Mensch niemals vorankommen würde in der göttlich mühseligen Aufgabe – er könnte nicht, weil der Bereich, in welchem das Werk vollbracht werden muss, an eben der Wurzel seines eigenen Seins liegt, wo er, nichts wissend von den Geheimnissen seiner wesentlichen Existenz, unmittelbar nichts tun könnte, wo allein der Schöpfer von ihm mächtig ist, allein bewusst gegenwärtig. Die Veränderung, die in ihm vorgehen muss, kommt einer neuen Schöpfung mehr als gleich, insoweit als sie eine höhere Schöpfung ist. Doch ihre Notwendigkeit ist in der vorigen Schöpfung eingeschlossen; und daher haben wir ein Recht, Hilfe von unserem Schöpfer zu erfragen, denn er verlangt von uns, wozu er uns unfähig geschaffen hat, es ohne ihn zu erreichen. Nein, nein! – könnten wir ohne ihn irgendetwas tun, wäre es eine Sache, die man ungetan sein lassen sollte. Gesegnete Tatsache, dass er uns ihm so nahe geschaffen hat! Dass das Ausmaß unseres Seins so weit ist, dass wir nur durch seine Gegenwart darin vervollständigt werden! Dass wir keine Menschen sind ohne ihn! Dass wir eins sein können mit unserem selbst-existenten Schöpfer! Dass wir nicht abgeschnitten sind vom ursprünglichen Unendlichen! Dass wir in ihm Unendlichkeit teilen müssen oder versklavt sein durch das Endliche! Das eigentliche Patent unserer Königlichkeit ist, dass wir unser wahrhaftiges Leben nicht für einen Augenblick leben können, ohne dass das ewige Leben gegenwärtig ist in und mit unseren Geistern. Ohne ihn an unserer unbekannten Wurzel hören wir auf zu sein. Es ist wahr, nicht einmal ein Hund kann leben ohne Gott; doch ich vermute, dass ein Hund ein gutes Hunde-Leben leben kann, ohne die Gegenwart seines Ursprungs zu kennen: der Mensch ist tot, wenn er nicht die Macht kennt, welche sein Urgrund ist, sein tiefstes eigenes Selbst; die Gegenwart, welche nicht er selbst ist, und die ihm näher ist als er selbst; welche unendlich viel mehr er selbst ist, mehr sein eigentliches Sein, als er selbst es ist. Das Sein, dessen wir uns bewusst sind, ist nicht unser volles Selbst; Der Umfang unseres Bewusstseins von unserem Selbst ist kein Maßstab unseres Selbst; unser Bewusstsein ist unendlich weniger als wir; während Gott weit notwendiger selbst für dieses armselige Bewusstsein vom Selbst ist als unser Selbst-Bewusstsein notwendig ist für unser Menschsein. Bis ein Mensch die Kraft seiner eigenen Existenz wird, sein eigener Gott wird, ist die einzige Sache, die zu seiner Existenz notwendig ist, der Wille Gottes; denn für das Wohlergehen und die Vervollkommnung dieser Existenz ist die einzig notwendige Sache, dass der Mensch seinen Schöpfer gegenwärtig in sich erkennen soll. Alles, was die Kinder wollen, ist ihr Vater.

   Das eine wahre Ziel aller Rede die heiligen Dinge betreffend ist – die Überzeugung des einzelnen Menschen, vom Tun des Bösen abzulassen, sich selbst aufmachend, gut zu handeln, nach dem Herrn seines Lebens auszuschauen, auf seiner Seite zu sein in dem neuen Kampf. Angenommen, die Behauptungen, die ich gemacht habe, sind korrekt, kümmere ich mich nicht darum, dass mein Leser sie verstehen sollte, außer es sei, ihn gegen das Böse in sich zu kehren und anzufangen, es auszustoßen. Wenn dies nicht das Ergebnis ist, ist es nicht von der geringsten Konsequenz, ob er mit meiner Auslegung übereinstimmt oder nicht. Wenn er daher Buße tut [umkehrt], ist es von genauso wenig Konsequenz; denn, sich selbst aufmachend, die Wahrheit zu tun, ist er auf dem Wege, alle Dinge zu erkennen. Wirkliches Wissen hat angefangen möglich für ihn zu werden.

   Ich bin nicht sicher, was der Herr mit den Worten meint: „So steht es uns an, alle Gerechtigkeit zu erfüllen.“ Die Taufe könnte nicht die Erfüllung aller Gerechtigkeit sein! Vielleicht meint er: „Wir müssen durch einen vollen Akt des Willens uns selbst vollständig an die Gerechtigkeit geben. Wir müssen es zur Aufgabe unseres Lebens machen, die Sünde fortzuschicken und den Willen des Vaters zu tun. Dies ist meine Aufgabe, so viel wie es die Aufgabe eines jeden Menschen ist, welcher Buße tun [umkehren] muss, ehe er anfangen kann. Ich will nicht ausgelassen werden, wenn du die Menschen dazu aufrufst, rein zu sein, wie unser Vater rein ist.“

   Sicher zu sein, wen er mit uns meint, kann uns vielleicht helfen, seine Bedeutung zu erkennen. Meint er alle von uns Menschen? Meint er „mein Vater und ich“? Oder meint er „du und ich, Johannes“? Wenn die Aussage bedeutet, was ich behauptet habe, dann würde das uns zutreffen auf alle, die die Erkenntnis von Gut und Böse haben. „Jedes Wesen, das kann, muss sich selbst der Gerechtigkeit hingeben. Gerecht zu sein, ist keine Beigabe zur Vervollständigung; es ist der Grund und das Fundament der Existenz.“ Doch vielleicht war es eine Lektion für Johannes selbst, welcher, mächtiger Prediger der Gerechtigkeit, der er war, es doch noch nicht als das Alles des Lebens ansah. Ich kann es nicht sagen.

   Beachtet, dass, als der Herr sein Lehren anfing, er, weder einen Ritus gebrauchend noch ihn einführend, dieselben Worte verwendete wie Johannes, – „Tut Buße [Kehrt um], denn das Himmelreich ist nahe.“

   Dieses Himmelreich war nahe, seine ganze Kindheit und Jugend hindurch und in seinem jungen Mannesalter: er war in der Welt mit seinem Vater im Herzen: das war das Himmelreich. Einsamer Mann auf dem Hügel oder Junge, der die Augen der Gelehrten auf sich zog – sein Vater war alles für ihn: – „Wisst ihr nicht, dass ich in dem sein muss, was meines Vaters ist?“