Die Hoffnung des Evangeliums – von George MacDonald – Kapitel 10

Die Hoffnung des Evangeliums – George MacDonald

The Salt and the Light of the World – Das Salz und das Licht der Welt

   „Ihr seid das Salz der Erde. Wenn nun das Salz nicht mehr salzt, womit soll man salzen? Es ist zu nichts mehr nütze, als dass man es wegschüttet und lässt es von den Leuten zertreten. Ihr seid das Licht der Welt. Es kann die Stadt, die auf dem Berge liegt, nicht verborgen sein. Man zündet auch nicht ein Licht an und setzt es unter einen Scheffel, sondern auf einen Leuchter, so leuchtet es allen, die im Hause sind. So lasst euer Licht leuchten vor den Leuten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen.“ Matthäus 5, 13 – 16

  

   Der Herr kannte diese Menschen und hatte ihre Herzen in seiner Hand; würde er ihnen sonst gesagt haben, sie wären das Salz der Erde und das Licht der Welt? Sie standen in Gefahr, das ist wahr, sich selbst darüber aufzuplustern, was er von ihnen gesagt hatte, ihre Wichtigkeit für ihren eigenen Verdienst zu nehmen und sich selbst anders zu betrachten als Gott sie sah. Doch der Herr zögert nicht, seine wenigen treuen Jünger das Salz der Erde zu nennen; und seitdem hat jedes Jahrhundert Zeugnis gegeben, dass sie tatsächlich solches waren – dass er nur die einfache Tatsache über sie aussprach. Wo wäre die Welt jetzt ohne ihr Salz und ihr Licht! Die Welt, die weder ihr Salz noch ihr Licht kennt, mag sich nun durch das lang hingezogene Überleben ihrer Einflüsse zuletzt als rückständig einbilden; doch solche, welche Aufstreben und nicht Ehrgeiz gewählt haben, werden ausrufen, Wären nicht jene Menschen, wohin würden wir uns bewegen! Ihr Meister setzte sie ein, Salz zu sein gegen Verderbnis und Licht gegen Finsternis; und unsere Seelen antworten und sagen, Herr, sie sind das Salz gewesen, sie sind das Licht der Welt gewesen!

   Sobald er das Symbol des Salzes gebraucht hat, fährt der Herr fort, seine Unvollkommenheit zu ergänzen. Sie waren Salz, das sich daran erinnern musste, dass es Salz ist; welches als Salz leben muss, das Salz wählen muss und das Salz sein muss. Denn der ganze Wert des Salzes liegt in seinem Salz-sein; und all die Salzigkeit des moralischen Salzes liegt in dem Willen, Salz zu sein. Seine Salzigkeit zu verlieren, bedeutet also aufzuhören zu existieren, außer als ein bösartiges Ding, dessen eigentliches Sein nicht zu rechtfertigen ist. Was soll mit salzlosem Salz getan werden! – mit solchen, die Religion lehren wollten und Gott nicht kennen!

  Die Sprachfigur auf diese Weise so weit ausgeführt, wie sie ihm dienlich war, tauscht der Meister sie gegen eine andere aus, welche er weiterführen kann. Denn Salz bewahrt nur davor, dass etwas schlecht wird; es bewirkt nicht, dass irgendetwas besser wird. Seine Jünger sind das Salz der Welt, doch sie sind mehr. Daher, nachdem er das menschliche Salz dazu gemahnt hat, nach sich selbst zu sehen, dass es tatsächlich Salz sei, fährt er fort: „Ihr seid das Licht der Welt, eine Stadt, eine Lampe,“ und setzt so seinen vorigen Pfad der Überzeugung und Bestärkung fort: „Es ist so, darum lasst es so sein.“ – „Ihr seid das Salz der Erde; daher seid Salz.“ – „Ihr seid das Licht der Welt; daher leuchtet.“ – Ihr seid eine Stadt; seid sichtbar auf eurem Hügel.“ – „Ihr seid die Leuchter des Herrn; lasst kein Gefäß euch bedecken. Lasst euer Licht leuchten.“ Jeder Jünger des Herrn muss ein Prediger der Gerechtigkeit sein.

   Städte sind die am besten ausgeleuchteten Stellen der Welt; und vielleicht meinte der Herr „Ihr seid eine lebendige Stadt, daher erleuchtet eure Stadt.“ Irgendeine Verbindung der Stadt mit dem Licht scheint in seinem Denken wahrscheinlich zu sein, indem wir sehen, dass die Anspielung auf die Stadt auf dem Hügel mitten in dem kommt, was er über das Licht in Bezug auf seine Jünger als das Licht der Welt sagt. Dennoch ist die Stadt der beste Kreis, in welchem, und die beste Mitte, von welcher aus das moralische Licht zu streuen ist. Ein Mensch, der in der Wüste grübelt, mag das eigentliche Licht des Lichtes finden, doch er muss zur Stadt gehen, um es leuchten zu lassen.

   Von der allgemeinen Idee des Lichtes, wie auch immer verbunden mit der Stadt als sichtbar für das umliegende Land, wendet der Herr sich sofort, in dieser vielleicht bruchstückhaften Wiedergabe seiner Worte, zu der häuslicheren, persönlicheren und persönlich anwendbareren Figur der Lampe: „Man zündet auch nicht ein Licht an und setzt es unter einen Scheffel, sondern auf einen Leuchter, so leuchtet es allen, die im Hause sind.“

   Hier lasst uns einen Augenblick nachsinnen. Wozu wird eine Lampe oder ein Mensch erleuchtet? Für diejenigen, die Licht benötigen, daher für alle. Eine Kerze wird nicht für sich selbst entzündet; auch nicht ein Mensch. Das Licht, das nur dem Selbst dient, ist kein wahres Licht; seine eine Tugend ist, dass es bald verlöschen wird. Der Scheffel muss ausgeleuchtet werden, doch nicht, indem er über die Lampe gestülpt wird. Des Menschen eigene Seele muss ausgeleuchtet werden, doch Licht nur für sie selbst, Licht, das durch den Scheffel bedeckt wird, ist Finsternis, sowohl für die Seele als auch für den Scheffel. Ungeteiltes Licht ist Finsternis. Um tatsächlich Licht zu sein, muss es herausscheinen. Es ist vom eigentlichen Wesen des Lichtes, dass es für andere da ist. Die Sache ist wahr für das geistliche als auch das physische Licht – von der Wahrheit wie auch von ihrem Typus.

   Die Lichter der Welt sind lebendige Lichter. Die Lampe, die der Herr anzündet, ist eine Lampe, die scheinen wollen kann, eine Seele, die scheinen muss. Ihre wahre Beziehung zu den Geistern um sie herum – zu Gott und ihren Nächsten, ist ihr Licht. Dann nur scheint es völlig, wenn ihre Liebe, welche ihr Licht ist, es allen Seelen in ihrem Umkreis zeigt und all jene Seelen einander und so ihren Teil tut, alle in eins zusammen zu bringen. In der Finsternis ist jede Seele allein; im Licht sind die Seelen eine Familie. Menschen entzünden keine Lampe, um sie mit einem Scheffel auszulöschen, sondern um sie auf einen Leuchter zu setzen, dass sie Licht gebe allen, die im Hause sind. Der Herr scheint zu sagen: „So habe ich euch entzündet, nicht, dass ihr für euch selbst scheint, sondern dass ihr Licht gebt allen. Ich habe euch wie eine Stadt auf den Hügel gesetzt, dass die ganze Welt euer Licht sehen mag und daran teilhaben. Leuchtet also; leuchtet so vor den Menschen, dass sie eure guten Dinge sehen mögen und euren Vater verherrlichen wegen des Lichts, mit welchem er euch erleuchtet hat. Habt Acht auf euer Licht, dass es solches sei, dass es so leuchte, dass die Menschen in euch den Vater sehen – eure Werke als so gut sehen, so deutlich seine, dass sie seine Gegenwart in euch wahrnehmen und ihm für euch danken.“ Es gab immer die Gefahr des Schattens durch den Scheffel des Selbst, der die Leuchte umwölkt, die der Vater entzündet hatte; und in dem Augenblick, wo sie aufhörten, den Vater zu zeigen, war das Licht, das in ihnen war, Finsternis. Gott allein ist das Licht und unser Licht ist das Leuchten seines Willens in unseren Leben. Wenn unser Licht überhaupt scheinen soll, muss es sein, kann es nur sein, indem es den Vater zeigt; nichts ist Licht, das kein Zeugnis von ihm gibt. Der Mensch, der die Herrlichkeit Gottes sieht, würde krank werden bei dem Gedanken, sein eigenes Selbst zu verherrlichen, dessen eine einzig mögliche Herrlichkeit es ist, mit der Herrlichkeit Gottes zu leuchten. Wenn ein Mensch versucht, von dem Selbst her zu leuchten, das nicht eins ist mit Gott und nicht erfüllt mit seinem Licht, macht er sich nur bereit, für seine eigene Anhäufung von Verächtlichkeit. Der Mensch, welcher, wie sein Herr, nicht das Eigene sucht, sondern den Willen von ihm, welcher ihn sandte, der allein leuchtet. Er, welcher scheinen wollte im Lob der Menschen, wird sich, früher oder später, nur als Tongefäß Gideons zerbrochen auf dem Felde finden.

   Lasst uns in Bewegung setzen, dieses Wort des Herrn zu halten; und zu diesem Ziel nachforschen, wie wir unser Licht scheinen lassen sollen.

   Zu dem Menschen, welcher nicht versucht, seine Gedanken und Empfindungen und Beurteilungen nach dem Willen des Vaters zu ordnen, habe ich nichts zu sagen; er kann kein Licht haben, um es leuchten zu lassen. Denn unser Licht leuchten zu lassen bedeutet, dies in jedem, selbst dem kleinsten Ding zu sehen, dem unsere Leben und Handlungen von dem her entsprechen, was wir über Gott wissen; dass wir, als die wahren Kinder unseres Vaters im Himmel, alles tun wie er es uns tun haben wollte. Muss ich sagen, dass unser Licht leuchten zu lassen bedeutet, gerecht zu sein, ehrenhaft, wahrhaftig, höflich, sorgsamer beim Anspruch unseres Nächsten als bei unserem eigenen, wie wir uns in der Gefahr wissen, ihn zu übersehen und nicht daran gebunden sind, auf jedem unserer eigenen Ansprüche zu bestehen! Für den Menschen, welcher nicht berücksichtigt, was fair, freundlich, rein, selbstlos, lieblich und gütig ist – worin liegt sein Anspruch, Jesus seinen Meister zu nennen? Worin sein Anspruch auf Christentum? Was bewahrt seinen Anspruch davor, die reinste Verhöhnung zu sein?

   Das Ausstrahlen jedes menschlichen Lichtes muss Gehorsam gegen die als solche wahrgenommene Wahrheit sein; unser erstes Zeigen des Lichtes als des Herrn Jünger muss im Tun der Dinge, die er uns sagt, liegen. Solcherart erklären wir ihn natürlicherweise zu unserem Meister, dem Beherrscher unseres Betragens, dem Erleuchter unserer Seelen; und während im Tun seines Willens ein Mensch die Lieblichkeit der Gerechtigkeit lernt, kann er kaum darin fehlgehen, etwas Licht über den Staub seiner Fehler leuchten zu lassen, die Ausdünstungen seiner Mängel. Auf solche Weise werden seine Jünger als Lichter leuchten in der Welt, das Wort des Lebens ausbringend.

   Um zu leuchten, müssen wir sein Licht in uns halten, unsere Seelen in ihm sonnendurchleuchten, indem wir an das denken, was er sagte und tat und uns denken und sagen haben wollte. So werden wir das Licht wie Diamanten trinken, es halten und im Dunkel leuchten. Seinen Willen tuend, werden Menschen in uns sehen, dass wir die Welt für seine halten, dass sein Wille und nicht unserer darin getan werden muss. Unsere Angesichter selbst werden dann leuchten mit der Hoffnung, ihn zu sehen und nach Hause gebracht zu werden, wo er ist. Lasst uns nur bedenken, dass zu versuchen, nach dem auszusehen, was wir sein sollten, der Anfang aller Heuchelei ist.

   Wenn wir tatsächlich erwarten, dass bessere Dinge kommen sollen, müssen wir unsere Hoffnung erscheinen lassen. Ein Christ, welcher düster dreinschaut bei der Erwähnung des Todes, und mehr noch, einer, welcher von seinen Freunden spricht, als hätte er sie verloren, wendet den Scheffel seines Kleinglaubens über die Lampe des Lichtes des Herrn. Tod ist nur unser sichtbarer Horizont und unser Blick sollte immer jenseits davon ausgerichtet sein. Wir sollten nie reden, als wenn der Tod das Ende von allem wäre.

   Unser Licht leuchten zu lassen, müssen wir darauf achten, dass wir keine Verehrung für Reichtümer haben: wenn wir keine haben, gibt es keine Furcht davor, irgendwelche zu zeigen. Den armen Menschen mit weniger Beachtung oder Herzlichkeit als den Reichen zu behandeln, bedeutet uns selbst als Diener des Mammons zu zeigen. In gleicher Weise dürfen wir keinen Wert auf das Lob der Menschen legen oder in irgendeiner Weise danach streben. Wir dürfen keinen Menschen verehren wegen Intellekt, Ruhm oder Erfolg. Wir dürfen nicht zurückschrecken, in Furcht vor dem Urteil der Menschen, offen zu tun, was wir für richtig halten; oder überhaupt als Gesetzgeber anerkennen, was sich selbst Gesellschaft nennt, oder die geringste Furcht hegen um ihre Anerkennung.

   Im Unternehmerischen muss die Geschäftspraxis des Handels von beiden Vertragspartnern anerkannt werden, anderweitig kann sie keinen Raum haben bei dem Jünger Jesu, weder als Gesetz noch als Entschuldigung. Der Mensch, für welchen das Geschäft eine Sache ist und Religion eine andere, ist kein Jünger. Wenn er es ablehnt, sie zu harmonisieren, indem er sein Geschäft zur Religion macht, hat er bereits den Mammon gewählt; wenn er nicht daran denkt, die Frage zu klären, ist sie bereits geklärt. Die vergeblichste aller menschlichen Bemühungen ist, Gott und dem Mammon zu dienen. Der Mensch, welcher diese Bemühung unternimmt, verrät seinen Meister im Tempel und küsst ihn im Garten; er übervorteilt ihn im Ladengeschäft und bringt ihm „Gottesdienst“ dar am Sonntag. Gerade sein Kirchgang ist nur ein weiterer Dienst des Mammons! Doch lasst uns keine Kraft verschwenden in der Verachtung solcher Menschen; lasst uns vielmehr das Licht auf uns selbst wenden: verleugnen wir ihn nicht in irgendeiner Art und Weise? Gibt unser Licht Zeugnis? Leuchtet es vor den Menschen, so dass sie Gott dafür verherrlichen? Wenn es nicht scheint, ist es Finsternis. In der Finsternis, welche ein Mensch für Licht hält, wird er auf das Herz des Herrn selbst einstechen.

   Er, welcher an seine täglichen Pflichten geht als dem Werk, das der Vater ihm zu tun gegeben hat, ist der, welcher sein Licht leuchten lässt. Doch solch ein Mensch wird sich damit nicht zufriedengeben: er muss immer noch sein Licht leuchten lassen. Was immer sein Herz froh macht, daran will er seinen Nächsten teilhaben lassen. Der Leib ist eine Laterne; er darf keine dunkle Laterne sein; das glühende Herz muss sich im leuchtenden Angesicht zeigen. Sein fröhlicher Gedanke mag keiner sein, um ihn seinem Nächsten mitzuteilen, doch er sollte die Ausstrahlung seiner Fröhlichkeit nicht löschen, ehe sie ihn erreicht. Was sollen wir von ihm sagen, welcher aus seiner Kammer kommt, von seinem Berggipfel, mit solch einem Schleier über seinem Gesicht, dass er sein eigentliches Menschsein maskiert? Ist es mit dem Vater gewesen, dass der Mensch Gemeinschaft hatte, dessen jede Bewegung selbst-gezwungen ist und in dessen Augen kein Lächeln wohnt für die Leute in seinem Hause? Der Mann, welcher die stillen Aufmerksamkeiten, die göttlichen Dienste von Weib oder Sohn oder Tochter ohne ein Zeichen des Wohlgefallens, ohne ein Anzeichen von Dankbarkeit empfängt, kann kaum mit Jesus gewesen sein. Oder kann er mit ihm gewesen sein und ihn in der Kammer zurückgelassen haben? Wenn sein Glaube an Gott von einem Menschen seine Fröhlichkeit wegnimmt, wie soll das Angesicht eines Menschen jemals leuchten? Und warum sind sie dann im Himmel immer fröhlich im Angesicht des Vaters? Es ist wahr, dass Schmerz oder innere Trauer unverschuldet alles Lächeln bannen mag, doch selbst Schwere des Herzens hat kein Recht den Scheffel so über die Lampe zu stülpen, dass kein Strahl herauskommen kann, um zu erzählen, dass die Liebe immer noch in ihm brennt. Der Mensch muss zumindest seine Liebsten wissen lassen, dass etwas anderes als Missfallen an ihnen die Ursache seiner umwölkten Miene ist.

   Was für eine süße Farbe nimmt das göttliche Licht für sich selbst in der Freundlichkeit an, deren Vervollkommnung die Wahrnehmung jedes Menschen als ein Tempel des lebendigen Gottes ist. Schmerzhaft ruiniert, traurig beschmutzt mag der Tempel sein, doch hätte Gott ihn verlassen, würde er eine Halde sein und nicht ein Haus.

   Neben der Liebe wird das Licht besonders in Fairness herausscheinen. Welches Licht kann er in sich haben, welcher immer auf seiner eigenen Seite ist und niemals Vernunft oder Recht auf der seines Gegners wahrhaben wird? Und gewiss, er, der Barmherzigkeit zeigt, wie auch er, der Gerechtigkeit zeigt, sollte es mit Fröhlichkeit tun.

   Doch wenn all unser Licht herausscheint und nichts von unserer Finsternis, werden wir nicht in äußerster Gefahr der Heuchelei sein? Ja, wenn wir unsere Finsternis verbergen und nicht darum kämpfen, sie mit unserem Licht zu schlagen: welchen Weg haben wir, sie zu zeigen, während wird darum ringen, sie zu zerstören? Nur wenn wir das Böse hegen, liegt Heuchelei darin, es zu verbergen. Ein Mensch, welcher es aufrichtig bekämpft und ihm keine Schonung gibt, ist bereits Überwinder in Christus oder wird es bald sein – und mehr als unschuldig. Doch unsere guten Empfindungen, jene, die nach Gerechtigkeit und Einheit streben, sollten wir leuchten lassen; sie erheben den Anspruch, sich mit dem Licht in anderen zu verbinden. Viele Eltern halten ungesagte Worte zurück, welche hundertfach Gewicht von den Herzen ihrer Kinder heben würden, ja, sie hüpfen lassen würden vor Freude. Ein strenger Vater und eine schweigende Mutter machen schwermütige, oder, was weit schlimmer ist, harte Kinder. Muss ich hinzufügen, dass, wenn irgendjemand, die Aufforderung hörend, sein Licht leuchten zu lassen, stattdessen sich selbst leuchten macht, es deshalb ist, weil das Licht nicht in ihm ist!

   Doch was soll ich von solchen sagen, die, im Namen der Religion, nur ihre Finsternis herauslassen – die Finsternis angebeteter Meinung, die Finsternis von Lobpreis nur der Lippen und Ungehorsam! Solche sind jene, welche den Leib Christi entzwei schlagen mit dem Sprengstoff des Streitens, mit der Aufforderung nach solch einer Einheit wie allein sie sie verstehen können, nämlich eine blasse Uniformität. Wofür haben sich nicht der „gute Kirchen-Mann“ und der „überzeugte Freikirchler“ zu verantworten, welche, verbergend, was für wahres Licht sie haben, wenn sie tatsächlich welches haben, jeder unter dem Scheffel ihres parteiischen Geistes, nur Abstoßung ausstrahlen! Es gibt kein Schisma, kein einziges, im Gebrauch unterschiedlicher Formen des Denkens oder Lobpreisens: wahrhaftige Aufrichtigkeit ist niemals schismatisch. Der wirkliche Schismatiker ist der Mensch, welcher Liebe und Gerechtigkeit von dem Nächsten abzieht, welcher Theorien religiöser Philosophie hält oder Theorien in Bezug des Aufbaus der Kirche, die von den seinen verschieden sind; welcher seinen Bruder ablehnt oder meidet, weil er ihm nicht folgt; welcher ihn einen Schismatiker nennt, weil er diese oder jene Art des öffentlichen Gottesdienstes bevorzugt, der nicht der seine ist. Der andere mag schismatisch sein; er selbst ist es gewiss. Er wandelt in der Finsternis der Meinung, nicht im Licht des Lebens, nicht im Glauben, welcher durch Liebe wirkt. Die schlimmste aller Trennungen ist die im Namen Christi, welcher kam, um eins zu machen. Weder Paulus noch Apollos noch Kephas würden – am wenigsten von allen wird Christus der Anführer irgendeiner Partei sein außer der seiner eigenen Erwählten, der Partei der Liebe – der Liebe, welche lange erduldet und freundlich ist; welche nicht eifert, sich nicht aufbläht, sich nicht ungebührlich verhält, nicht das Eigene sucht, nicht leicht zu reizen ist, nichts Böses denkt, sich nicht an Ungerechtigkeit erfreut, sondern sich an der Wahrheit freut, alle Dinge erträgt, alle Dinge glaubt, alle Dinge hofft, alle Dinge erduldet.

   „Lasst euer Licht leuchten“, sagt der Herr: – wenn ich keines habe, kann der Ruf auf mich nicht zutreffen; doch ich muss überdenken, nicht dass in der Nacht, die ich um mich ziehe, der Herr über mich komme wie ein Dieb. Es mag nichtsdestotrotz jene geben, und ich denke, es gibt zahlreiche, welche, etwas Licht habend oder sich einbildend, sie hätten viel Licht, doch nicht genug haben, um die Pflicht zu erkennen, es auf ihre Nächsten scheinen zu lassen. Der Herr will seine Menschen so lebendig mit seinem Licht haben, dass es für immer aufblitzt von jedem zu allen, und alle, in ewiger Antwort, den Vater in Ehren halten. Schaust du nach einer passenden Zeit aus, die kommen soll, Freund, wenn du doch erkannt werden sollst, wie du erkannt bist? Lass die Freude deiner Hoffnung hervorströmen über deine Nächsten. Umhülle sie mit dem, was dich selbst fröhlich macht. Lass deine Natur ausgedehnter und kommunikativer werden. Sieh nach dem Menschen aus, der du bist – ein Mensch, welcher etwas sehr Gutes weiß. Du glaubst dich selbst auf dem Weg zum Herzen der Dinge: wandle so, leuchte so, dass alle, die dich sehen, mit dir gehen wollen.

   Welches Licht geht von solchen aus, die ihre Gesichter lang machen bei der bloßen Erwähnung des Todes und die blicken und reden, als wenn es das Ende aller Dinge und das Schlimmste aller Übel wäre? Jesus sagte den Seinen, dass sie den Tod nicht fürchten sollen; sagte ihnen, dass seine Freunde mit ihm gehen sollten, um bei ihm zu sein; sagte ihnen, dass sie im Haus seines und ihres Vaters leben sollten; und seitdem hat er sich aus dem Grab erhoben und ist gegangen, um den Raum für sie zu bereiten: wer, was sind diese elenden Verweigerer des Trostes? Keine Christen, gewiss! Oh, ja, sie sind Christen! „Sie sind gegangen“, sagen sie, „um für immer beim Herrn zu sein“; und dann weinen sie und klagen und scheinen in mehr Furcht davor zu sein, sich ihnen anzuschließen, als vor irgendeiner anderen Sache unter der Sonne! Bis zum letzten verfügbaren Augenblick klammern sie sich an das, was sie Leben nennen. Sie sind Kinder – gab es jemals andere solche Kinder? – welche schreiend an den Rockzipfeln ihrer Mutter hängen und nicht zu ihrem Busen emporgehoben werden wollen. Sie sind nicht vom Geist des Paulus: mit Ihm zu sein ist nicht besser! Sie beten ihren Arzt an; und ihr Gebet zu dem Gott ihres Lebens ist, sie vor mehr Leben zu bewahren. Welche Art von Christen sind sie? Wo leuchtet ihr Licht? Weh um sie, arme Welt, hast du keine besseren Lichter als sie!

   Ihr, welche Licht habt, zeigt euch selbst als Söhne und Töchter des Lichtes, Gottes, der Hoffnung – die Erben einer großen Vollkommenheit. Lasst euer Licht frei scheinen.

   Nur habt Acht, dass ihr eure Gerechtigkeit nicht vor den Menschen übt, um von ihnen gesehen zu werden.