Die Hoffnung des Evangeliums – von George MacDonald – Kapitel 11

Die Hoffnung des Evangeliums – George MacDonald

The Right Hand and the Left – Die rechte Hand und die linke

   „Habt aber acht, dass ihr eure Gerechtigkeit nicht übt vor den Leuten, um von ihnen gesehen zu werden; ihr habt sonst keinen Lohn bei eurem Vater im Himmel. … Wenn du aber Almosen gibst, so lass deine linke Hand nicht wissen, was die rechte tut, auf dass dein Almosen verborgen bleibe; und dein Vater, der in das Verborgene sieht, wird dir’s vergelten.“ Matthäus 6, 1 + 3 – 4

 

   Lass dein Licht frei heraus, dass die Menschen es sehen mögen, doch nicht, damit die Menschen dich sehen mögen. Wenn ich irgendetwas tue, nicht weil es getan werden muss, nicht weil Gott es so haben wollte, nicht dass ich recht tue, nicht weil es aufrichtig ist, nicht dass ich wahrhaftig gegen meinen Herrn sei, nicht dass die Wahrheit als Wahrheit und seine Wahrheit erkannt werden möge, sondern damit ich als der Tuende gesehen werden möge, dass ich gelobt werde von den Menschen, dass ich Ansehen oder Ruhm gewinne; sei die Sache selbst auch noch so gut, mag ich bei den Menschen nach meinem Lohn suchen, denn es gibt keinen für mich beim Vater. Wenn, weil das Licht meine Freude ist, ich es tue, damit das Licht scheinen möge und dass die Menschen das Licht erkennen mögen, den Vater der Lichter, tue ich wohl; doch wenn ich es tue, dass ich leuchtend gesehen werde, dass das Licht bemerkt werden mag als ausgehend von mir und nicht von einem anderen, dann bin ich von jenen, die Ehre bei Menschen suchen und Satan anbeten; das Licht, das durch mich möglicherweise andere erleuchten mag, wird, in mir und für mich, Finsternis sein.

   Wenn du aber Almosen gibst, so lass deine linke Hand nicht wissen, was die rechte tut.

   Wie also soll ich mein Licht leuchten lassen, wenn ich Mühen auf mich nehme, zu verbergen, was ich tue?

   Die Aufforderung ist nicht, vor anderen zu verbergen, was du tust, sondern es vor dir selbst zu verbergen. Der Meister wollte nicht, dass du dich selbst darüber aufplusterst, das Nachdenken darüber hegst, dass du es getan hast, oder dass du bei dir selbst in Zufriedenheit darüber nachsinnst. Du darfst es nicht zu deinem Lobe aufrechnen. Ein Mensch sollte nicht danach verlangen, zufrieden mit sich selbst zu sein. Seine rechte Hand darf nicht das Lob seiner linken Hand suchen. Sein Tun sollte im Anschluss nicht das Nachdenken darüber einladen. Die rechte Hand sollte die getane Sache gehen lassen, als eine Sache, mit der man fertig ist. Wir dürfen nicht etwas entweder als feine Sache für uns, sie zu tun, oder eine feine Sache, sie getan zu haben meditieren. Wir sollten uns keinen Verdienst in uns einbilden: es würde bedeuten, eine Lüge zu lieben, denn wir können keinen haben; es ist keine solche Sache möglich. Liegt irgendetwas darin, stolz darauf zu sein, indem man es ablehnt, den Teufel anzubeten? Ist es eine großartige Sache, ist es eine verdienstvolle Sache, nicht bösartig zu sein? Wenn wir alles getan haben, sind wir unnütze Knechte. Unser Bestes ist nur bescheiden. Was mehr könnte es sein? Warum also davon denken, als wäre es irgendetwas mehr? Welche Dinge könnten wir oder irgendjemand tun, die es wert sind, dass man darüber als Errungenschaften brütet? Gut zu tun waren sie; schlecht, dass wir darum überheblich werden, sind sie. Warum sollte ein Mensch mit Zufriedenheit darüber meditieren, dass er sich irgendein selbstsüchtiges Vergnügen verweigert hat, mehr als darüber, dass er sich die Hände gewaschen hat? Sollen wir die Ablehnung einer Bösartigkeit wie einen süßen Brocken über unsere Zungen bewegen? Sie wären die schlimmsten Übeltäter von allen, welche stolz darauf sein könnten, eine Übeltat nicht begangen zu haben; und ihr Stolz würde sie nur noch fähiger zu dieser Übeltat machen, wenn die nächste Versuchung dazu käme. Selbst wenn unser angenommener Verdienst von positiver Art wäre und wir jede Pflicht vollkommen erfüllt hätten, in dem Augenblick, wenn wir anfangen, stolz über diese Tatsache zu werden, würden wird in eine Hölle der Nutzlosigkeit fallen. Wozu sind wir da, als nur unsere Pflicht zu tun? Wir müssen sie tun und deshalb nichts darüber von uns denken, uns auch nicht darum kümmern, was Menschen wegen irgendetwas über uns denken. Mit dem Lob oder Tadel von Menschen haben wir nichts zu schaffen. Ihr Tadel mag eine gute Sache sein, ihr Lob kann es nicht sein. Doch die schlimmste Sorte des Lobes der Menschen ist das Lob, das wir uns selbst geben. Wir dürfen nichts von uns aus tun, um selbst gesehen zu werden. Wir dürfen nicht einmal eine Bestätigung suchen, außer der von Gott, anderweitig schließen wir die Tür zum Himmelreich von außen. Seine Bestätigung wird nur unseren Sinn der Unwürdigkeit schärfen. Was! Das Lob der Menschen suchen dafür, dass wir fair zu unseren eigenen Brüdern und Schwestern sind? Was! Das Lob von Gott suchen dafür, dass wir unsere Herzen zu Füßen legen ihm, zu welchem wir völlig gehören? Es gibt keinen solch gemeinen Stolz – aller Stolz ist vollständig, eigentlich gemein – wie den Stolz, heiliger zu sein als unser Nächster, außer dem Stolz, heilig zu sein. Solch eingebildete Heiligkeit ist Fäulnis. Religion selbst in den Herzen der Unaufrichtigen ist ein totes Ding; was darin als Leben erscheint, ist das von Würmern wimmelnde Leben eines Leichnams.

   Es gibt ein Wort in dem Zusammenhang, wie wir es in der autorisierten Version [Anm.: ältere Übersetzungsversion der King James Bibel] haben, das mir Schwierigkeiten bereitete, das seine Öffentlichkeit scheinbar zu einem Teil des Lohnes für das Tun gewisser richtiger Dinge im Geheimen machte: ich meine das Wort öffentlich am Ende des vierten, des sechsten und des achtzehnten Verses, das den Herrn scheinbar sagen ließ: „Meide das Lob der Menschen und du wirst auf lange Sicht das Lob der Menschen haben.“ – „Dein Vater, welcher in das Verborgene sieht, wird dich öffentlich belohnen.“ Dein Lohn wird von den Menschen gesehen werden! Und du als der Empfänger des Lohnes! In welcher anderen Weise könnte das Wort, damals oder jetzt, recht verstanden werden? Es muss der Einschub irgendeines jüdischen Schreibers sein, welcher, selbst nachdem er ein wenig von Christus gelernt hat, fortfuhr nicht in der Lage zu sein, irgendetwas als Lohn zu empfangen, das nicht zumindest einen Teil seiner Süßigkeit aus dem Starren der Augen der Menge zieht. Froh war ich darüber, herauszufinden, dass das Wort in den besten Manuskripten nicht enthalten ist; und Gott sei Dank, dass es in der revidierten Version ausgelassen wurde. Was sollen wir von der Dreistigkeit denken, die es einschieben konnte! Doch von ähnlicher Art ist die Dreistigkeit vieler Auslegung der Worte des Meisters. Wozu Menschen nicht Glaube genug haben, es zu empfangen, werden sie noch verdünnen auf den Standard ihrer eigenen Verständnisfähigkeit. Wenn irgendjemand sagt: „Warum ließ der Herr das Wort dort so lange bestehen, wenn er es nie gesagt hat?“, antworte ich: Vielleicht, damit die Geister seiner Jünger bekümmert werden mochten über seine Anwesenheit, sich dagegen erheben und ihm Recht tun, indem sie es ausstießen – und so die Weisheit von ihren Kindern gerechtfertigt wird.

   Doch es gibt einige, welche, auch wenn der Gedanke an Lohn nicht natürlicherweise eine Sorge für sie ist, doch dahin gekommen sind, es so zu empfinden wegen der Worte gewisser Gegenredner, welche denken, dass sie einen höheren Stand einnehmen als der Christ, indem sie sagen, dass die Idee des Lohnes für das Tun des Richtigen eine niedere, unwürdige Idee ist. Nun, gewiss, es würde für jedes Kind eine niedere Sache sein, den Willen des Vaters in der Hoffnung zu tun, dass sein Vater es dafür belohnen würde; doch es ist eine ganz andere Sache für einen Vater, dessen Kind danach strebt, ihm wohlzugefallen, es wissen zu lassen, dass er seine Kindhaftigkeit gegen ihn wahrnimmt und väterlich gut zu ihm sein wird. Welche Art von Vater wäre der Mann, welcher, weil kein Verdienst oder Schmuck im Wohlverhalten liegen könnte, seinem Kind nicht ein Lächeln oder ein gutes Wort schenken würde, wenn er es sein Bestes tun sieht? Wäre nicht solche Anerkennung vom Vater das natürliche Gegenstück zum Verhalten des Kindes? Und was wäre des Vaters Lächeln anderes als der vollkommene Lohn des Kindes? Nehmt an, der Vater würde das Kind so lieben, dass er ihm alles geben will, doch es nicht wagt, bis sein Charakter entwickelt ist: muss er nicht froh sein und seine Freude zeigen bei jedem Schatten des Fortschritts, der ihn zuletzt freisetzen wird, seinen Sohn über alles zu stellen, was er hat? „Ich bin ein unnützer Knecht“, sagt der Mensch, dessen Pflicht getan ist; doch sein Herr, unerwartet kommend und ihn auf seinem Posten findend, gürtet sich selbst und lässt ihn sich niedersetzen zum Mahl und tritt vor und bedient ihn. Wie könnte die göttliche Ordnung der Dinge, gegründet zum Wachstum und der stufenweisen Verbesserung, halten und fortbestehen ohne den Gedanken eines Rückerhalts für eine getane Sache? Darf es nur einen Strom geben und keine Gezeiten? Wie könnten wir Mitarbeiter Gottes an seinem Werk sein und er sagte uns nie: „Danke, mein Kind.“? Wird er Freude an seinem Erfolg haben und keine geben? Ist er der Grundbesitzer, allen Profit einzufahren und seinem Ochsen das Maul zu verbinden? Wenn ein Mensch für einen anderen arbeitet, erhält er seine Entlohnung dafür und die Gesellschaft existiert durch die Abhängigkeit von Mensch zu Mensch durch Arbeit und Entlohnung. Der Teufel ist nicht der Erfinder dieser Gesellschaft; er hat den Gedanken einer gewissen Abstufung der Arbeit und noch mehr der Entlohnungen erfunden; und dem folgend eine Gesellschaft begründet nach seinem eigenen Bilde, welche Arbeit verachtet, sie ungetan lässt und so ihre Entlohnung ohne Beschämung beanspruchen kann.

   Wenn du sagst: „Keiner sollte das Richtige um des Lohnes willen tun“, gehe ich weiter und sage: „Kein Mensch kann das Richtige um des Lohnes willen tun. Ein Mensch mag eine Sache gleichgültig tun, er mag eine Sache falsch tun um des Lohnes willen; doch eine in sich richtige Sache, um des Lohnes willen getan, würde, gerade in ihrem Tun, aufhören, richtig zu sein.“ Zur gleichen Zeit kann ein Mensch, wenn er das Richtige tut, dem nicht entgehen, dafür belohnt zu werden; und den Lohn abzulehnen, würde bedeuten, das Leben abzulehnen und die schöpferische Liebe zu vereiteln. Die ganze Frage dreht sich um die Art des erwarteten Lohnes. Nach welchem ersten Lohn für das Tun des Richtigen kann ich ausschauen? Reineren Herzens zu werden und stärker in der Hoffnung auf lange Sicht Gott zu schauen. Wenn ein Mensch nicht nach dieser Weise entlohnt wird, muss er vergehen. Was das Glücklichsein angeht oder irgendwelchen geringeren Lohn, der dem ersten natürlicherweise folgt – soll Gott das Gesetz seines Universums zerstören, die göttliche Abfolge von Ursache und Wirkung, um zu sagen: „Du musst Gutes tun, doch du sollst nichts Gutes dadurch gewinnen; du musst eine dumpfe, freudlose Existenz führen in alle Ewigkeit, auf dass der Mangel an Freude dich als rein erzeige“? Könnte Liebe zu solchem Ziel hin erschaffen? Gerechtigkeit verlangt nicht nach Schöpfung; es ist Liebe, nicht Gerechtigkeit, die nicht allein leben kann. Das Geschöpf muss bereits existieren, ehe Gerechtigkeit einen Anspruch erheben kann. Doch, da Herzen und Seelen da sind, drängt die Liebe selbst, welche um der Liebe und Freude willen erschuf, den Anspruch nach Gerechtigkeit zuerst auf.

   Eine Gerechtigkeit, die Elend erschaffen würde, um sich selbst aufrecht zu halten, würde eine Gerechtigkeit sein, die ungerecht wäre. Gott wird sterben für Gerechtigkeit, doch niemals erschaffen zu einer freudlosen Gerechtigkeit. Das notwendigerweise und hoffnungslos Unvollständige ins Sein zu rufen, würde bedeuten, die Schöpfung in ihrem eigentlichen Wesen zu verkehren. Zur Erkenntnis seiner selbst zu erschaffen und sich selbst dann nicht zu geben, wäre Ungerechtigkeit bis hin zur Grausamkeit; und wenn Gott sich selbst gibt, welch anderer Lohn – es kann keinen darüberhinausgehenden geben – ist nicht darin eingeschlossen, da er Leben ist und all dessen Kinder – der Alles in Allem? Es braucht die äußerste Freude, die Gott geben kann, um die Menschen ihn erkennen zu lassen; und welcher Mensch, der ihn kennt, würde sich darum scheren, jede andere Freude zu verlieren? Was für eine andere Freude könnte davon abhalten, dort einzutreten, wo der Gott der Freude bereits wohnt? Das Gesetz des Universums besteht und wird bestehen, der Name des Vaters sei gelobt: – „Was ein Mensch sät, das wird er also ernten.“ „Sie haben Wind gesät und sollen den Sturm ernten.“ „Er, der auf sein Fleisch sät, wird vom Fleisch verderben ernten; doch er, der auf den Geist sät, wird vom Geist das ewige Leben ernten.“ „Wer hat, dem wird gegeben werden und er wird im Überfluss haben; doch wer nicht hat, dem wird genommen werden, was er hat.“

   Gegen das Christentum als selbstsüchtig Einspruch zu erheben, ist äußerste Torheit; Christentum allein gibt irgendeine Hoffnung auf Befreiung von Selbstsucht. Ist es selbstsüchtig, danach zu verlangen zu lieben? Ist es selbstsüchtig, auf Reinheit zu hoffen und das Schauen Gottes? Was können wir Besseres für unseren Nächsten tun, als insgesamt gerecht gegen ihn zu werden? Wird er dann nicht der Teilhabe an dem überaus großen Lohn einer Rückkehr zur göttlichen Idee umso näher kommen?

   Wo ist das Böse gegen Gott, wo das Falsche gegen meinen Nächsten, wenn ich manchmal an die Freuden denke, die dem Zug des vollkommenen Liebens folgen? Ist nicht die Atmosphäre Gottes, die Liebe selbst, der eigentliche Atem des Vaters, worin nicht die verdünnteste Verschmutzung der Selbstsucht schweben kann, das einzige Mittel, um die erhabenen Schlösser des Himmels zu bauen? „Schöpfer“, mag das kindliche Herz rufen, „gib mir all die Entlohnung, all den Lohn, den dein vollkommenes Vaterherz deinem verdienstlosen Kind geben kann. Meine passende Entlohnung mag Schmerz sein, Kummer, Demütigung der Seele: Ich strecke meine Hände aus, sie zu empfangen. Dein Lohn wird sein, mich aus dem Sumpf meiner Selbstliebe zu erheben und mich dir und deinen Kindern näher zu bringen: willkommen, göttlichstes der guten Dinge! Dein höchster Lohn ist dein reinstes Geschenk; du hast mich von Anfang an dazu geschaffen; du, das ewige Leben, hast dich immer noch gemüht, mich bereit zu machen, es zu empfangen – das Schauen, die Erkenntnis, der Besitz deiner selbst. Ich kann suchen, was du wartest und Ausschau hältst, zu geben: Ich will Solcher sein, in welchem deine Liebe fließen kann.“

   Es scheint mir, dass der einzige Verdienst, der vor Gott lebendig sein konnte, der Verdienst Jesu ist – welcher von sich selbst aus, sofort, ungelehrt, unverlangt, sich selbst zur Seite tat und sich dem Vater zuwandte, sein Leben ablehnend außer im Vater. Wie Gott wählte er von sich selbst aus die Gerechtigkeit und verdiente es so, auf dem Thron Gottes zu sitzen. Im selben Geist gab er sich hernach an die Kinder seines Vaters und verdiente die Macht, die Lebens-erlösende Kraft von seinem Geist in ihre Geister zu überführen: vollkommen gemacht wurde er der Urheber der ewigen Rettung für all jene, welche ihm gehorchen. Doch es ist ein Wort geringen Wagnisses, dass er keinen Gedanken des Verdienstes an dem hatte, was er tat – dass er nur sah, was er zu sein hatte, was er tun musste. – Ich rede nach der armseligen Weise eines Mannes, der verloren ist in dem, was zu groß ist für ihn, und was doch sein eigentliches Leben ist. – Wo kann eines Menschen Verdienst sein in der Ablehnung, in einen Abgrund des Verlustes hinunterzugehen – Verlust der Daseinsberechtigung, Verlust seines Vaters, Verlust seiner selbst? Hätte Satan, mit all den Instinkten und Impulsen seines Ursprungs in ihm, ewiges Leben verdient, indem er es abgelehnt hätte, ein Teufel zu sein? Nichtsdestoweniger hätte er ewiges Leben gehabt; nichtsdestoweniger würde er in die Liebe und Bestätigung des Vaters gehüllt worden sein. Er hätte seinen Lohn gehabt. Ich kann mir kein erschaffenes Ding vorstellen, das Verdienst haben sollte außer durch göttliche Freundlichkeit.

   Ich vermute, die Annahme von Verdienst gehört zu einer niederen Entwicklung und je höher ein Mensch aufsteigt, desto weniger wird er es eines Gedankens daran wert finden. Vielleicht sollen wir dahin kommen zu sehen, dass er das Dasein, das er hat, dem Menschen schuldet, das heißt, er ist ein nur durch den Menschen denkbares Ding. Ich vermute, er ist kein Gedanke des ewigen Geistes und hat in sich selbst keine Existenz, für Gott nur etwas seiend, was vom Menschen erdacht ist.

   Denn Verdienst ist lebendig von Mensch zu Mensch und nicht von Mensch, Oh Herr, zu dir.

   Der Mensch also, welcher das Richtige tut und kein Lob der Menschen sucht, während er nichts verdient, wird durch seinen Vater entlohnt werden und sein Lohn wird ihm kostbar sein.

   Wir müssen unser Licht leuchten lassen, unseren Glauben, unsere Hoffnung, unsere Liebe offenbar machen – dass die Menschen loben mögen, nicht uns wegen des Leuchtens, sondern den Vater, weil er das Licht erschaffen hat. Kein Mensch mit Glauben, Hoffnung, Liebe lebendig in seiner Seele, könnte die göttlichen Besitztümer zu einer Schau machen, um für sich selbst die Bewunderung der Menschen zu gewinnen: nichtsdestoweniger müssen sie in unseren Worten erscheinen, in unseren Blicken, in unserem Betragen – über allem in ehrenhaften, selbstlosen, gastfreundlichen, hilfreichen Taten. Unser Licht muss in Freudigkeit leuchten, in Jubel, ja, wo ein Mensch die Gabe hat, in Fröhlichkeit; in Freiheit von der Sorge außer füreinander, im Interesse für die Angelegenheiten anderer, in Furchtlosigkeit und Sanftheit, in Freundlichkeit und Liebenswürdigkeit. In unserem Zorn und unserer Empörung ganz besonders muss unser Licht scheinen. Doch wir dürfen kein Quäntchen dem schattenhaftesten Gedanken überlassen, wie dieses oder jenes aussehen wird. Von dem schwächsten Gedanken an das Lob der Menschen müssen wir uns abwenden. Kein Mensch kann der Jünger Christi sein und nach Ruhm verlangen. Ruhm zu verlangen ist unehrenhaft; es ist erbärmlichste Gier. Im noblen Geist ist es umso mehr ein Gebrechen. Es liegt keine Erhabenheit darin – nichts als Ehrgeiz. Es ist schlicht Selbstsucht, die stolz auf sich sein würde, wenn sie könnte. Ruhm ist der Applaus der Menge und das Urteil der Menge ist töricht; daher, je größer der Ruhm, desto mehr Torheit bläht ihn auf und desto schlimmer ist die Torheit, die danach verlangt. Emporstreben ist die einzig mögliche Flucht vor dem Ehrgeiz. Er, welcher emporstrebt – das bedeutet, sein Bemühen unternimmt, über sich selbst hinauszusteigen – giert weder danach, höher als sein Nächster zu sein, noch sucht er danach, in seiner Meinung aufzusteigen. Was für Licht in ihm da ist, leuchtet umso mehr, da er nichts tut, um von Menschen gesehen zu werden. Er steht im Dunst zwischen der Kluft und der Herrlichkeit und schaut aufwärts. Er liebt nicht seine eigene Seele, aber verlangt danach, rein zu sein.

   [Out of the gulf into the glory,

Father, my soul cries out to be lifted.

Dark is the woof of my dismal story,

Thorough thy sun-warp stormily drifted!-

Out of the gulf into the glory,

Lift me, and save my story.

I have done many things merely shameful;

I am a man ashamed, my father!

My life is ashamed and broken and blameful-

The broken and blameful, oh, cleanse and gather!

Heartily shame me, Lord, of the shameful!

To my judge I flee with my blameful.

Saviour, at peace in thy perfect purity,

Think what it is, not to be pure!

Strong in thy love’s essential security,

Think upon those who are never secure.

Full fill my soul with the light of thy purity:

Fold me in love’s security.

O Father, O Brother, my heart is sore aching!

Help it to ache as much as is needful;

Is it you cleansing me, mending, remaking,

Dear potter-hands, so tender and heedful?

Sick of my past, of my own self aching-

Hurt on, dear hands, with your making.

Proud of the form thou hadst given thy vessel,

Proud of myself, I forgot my donor;

Down in the dust I began to nestle,

Poured thee no wine, and drank deep of dishonour!

Lord, thou hast broken, thou mendest thy vessel!

In the dust of thy glory I nestle.]

Aus der Kluft in deine Herrlichkeit,

Vater, ruft meine Seele, dass du sie hebst.

Dunkel ist der Lauf meines Daseins,

Dein Sonnenreigen stürmisch verweht! –

Aus der Kluft in deine Herrlichkeit,

Hebe mich und rette mein Dasein.

Ich tat viele schier schamvolle Dinge;

Ich schäme mich, mein Vater!

Mein Leben voll Scham, Zerbruch und Tadel –

Zerbrochnes und Beschämtes reinige und sammle!

Zu Herzen beschäm mich, Herr, übers Schamvolle!

Zu meinem Richter flieh ich mit meinem Tadel.

Retter, im Frieden deiner völligen Reinheit,

Bedenk, was es heißt, nicht rein zu sein!

Stark in der Festung deiner Liebe,

Denk an jene, welche niemals sicher sind.

Füll meine Seele mit dem Licht deiner Reinheit:

Hüll mich ein in die Festung deiner Liebe.

Oh Vater, Oh Bruder, mein Herz ist wund!

Hilf ihm zu schmerzen, wie es nötig ist;

Seid ihr es, die mich reinigt, fügt, neu schöpft,

Liebe Töpfer-Hände, so sanft und sorgsam?

Krank vom Vergangenen, vom Selbst-Weh –

Schmerzt weiter, liebe Hände, mit Neuschöpfung.

Stolz auf die Gestalt, die du gabst deinem Gefäß,

Stolz auf mich selbst, vergaß ich meinen Geber;

Unten in den Staub schmiegte ich mich,

Goss dir keinen Wein, trank tief von Entehrung!

Herr, hast zerbrochen, fügst dein Gefäß wieder!

Schmieg mich in den Staub deiner Herrlichkeit.

   Oh Herr, die ernsthafte Erwartung deines Geschöpfes wartet auf die Offenbarung der Söhne Gottes.