Apokalypse ist jeden Tag III

Apokalypse ist jeden Tag

III

Apokalypse der Macht (Inspiration zum zweiten Sendschreiben im zweiten Kapitel der Apokalypse des Johannes)

Es ist immer der Christus, der die Gemeinde grüßt. Als der Verherrlichte und Auferstandene, Überweltliche, Überzeitliche. Immer ist der einzelne Brief zuerst an die Verantwortlichen gerichtet und danach an die Gemeinschaft als Ganzes. Die Gemeinschaft wird gelobt, dann gemahnt und getröstet und am Ende wird ihr das ewige Leben, das Anschauen Gottes und die eigene Auferstehung und Verherrlichung in Aussicht gestellt. Dies ist das Muster der Apokalypse. Sie ist eingebettet in Trost und Ermutigung, nicht in Drohgebärde und Vernichtung. Das Drohende wird in die Zange der Hoffnung genommen.

Es sind Zentren der Macht, des Reichtums und der Verehrung des Kaisers im römischen Imperium, in die apokalyptische Worte geschickt werden. Smyrna, die reiche Stadt, hat eine arme Gemeinschaft von treuen Gläubigen. Wer nicht die Macht und das Gold anbetet, der wird in den meisten Fällen ein kleines und arm aussehendes Leben führen. Es war nie eine Wahrheit für die, die ernsthaft ihrem Jesus nachgefolgt sind, dass sie damit mächtig und reich würden. Es ist die Wahrheit der Herrscher und Diktatoren. Bis heute.

Kaiser, Führer, König, Imperator, Diktator – sie alle fühlen sich bedroht durch die Apokalypse ihrer Macht. Sie fürchten keine Waffen, denn es gibt genug loyale Soldaten, die sie dem Krieg zum Fraß vorwerfen können. Sie fürchten den einfachen, armen Menschen, der die große Macht weltlicher Herrscher lächerlich findet, ihr gegenüber gleichgültig ist, sie ablehnt. Sie fürchten die, die sich lieber töten und ins Gefängnis werfen lassen, als ihnen nachzufolgen. Sie fürchten, dass die Menschen, die sie kontrollieren wollen, ihrer eigenen Wahrheit anhängen und nicht der Logik von Macht und Gold.

Zu ebendiesem Widerstand sind alle aufgerufen, die demjenigen nachfolgen, der den äußersten Widerstand geleistet hat und dafür am Kreuz gelandet ist. Die Berufung dessen, der seinen Nächsten ernsthaft und aufrichtig liebt, ist Armut, Verfolgung und Kreuz. Sagte nicht Jesus deshalb, man möge die Kosten dieses Weges überschlagen, ehe man sich für ihn entscheidet? Es kostet das ganze Leben, immer wieder die Liebe und Ohnmacht eines Friedensstifters zu suchen, sich der Anbetung von Macht zu verweigern.

Es mag Notwendigkeiten in dieser Welt geben und Helden, die für eine gute Sache kämpfen und sterben. Aber niemand, dem das Leben selbst teuer ist, sollte applaudieren, wenn Waffen aufgefahren werden. Unser Herz sollte traurig und schwer sein, denn immer sind es unsere Brüder und Schwestern, die sterben. Aber wir sollen auch getröstet werden. Denn die Apokalypse der Macht kommt. Kein Imperium in dieser Welt hat ewig Bestand. Jede Macht muss der massenhaften, einfachen Liebe armer Menschen weichen, die sie nicht anbeten.

Wir sind arm und schwach und können nichts tun. Gut so! Das ist die mächtigste Position, die wir haben. Denn uns fällt es leicht, uns der Liebe anzuvertrauen, die ewig dauert, während alle weltumspannenden Reiche unweigerlich besiegt werden müssen. Unsere Apokalypse der Macht wird kommen! Bleiben wir treu in unserem Wunsch und Streben nach Frieden und Nächstenliebe. Denn darin liegt dieses ewige, himmlische Leben, das uns ganz real in dieser Welt begegnen kann – in jedem Gesicht, das wir nicht Feind nennen.

Lassen wir uns nicht umtreiben von denen, die uns aufreizen, beunruhigen und verängstigen wollen. Bleiben wir standhaft wie Smyrna und bewirken so die tägliche Apokalypse der Macht. Lasst die Kaiser der Welt toben. Wir wissen, dass auch sie vergänglich sind. Die Liebe ist ewig.