Apokalypse ist jeden Tag VIII

Apokalypse ist jeden Tag

VIII

Apokalypse des Reichtums (Inspiration zum siebenten Sendschreiben im dritten Kapitel der Apokalypse des Johannes)

Der siebente und letzte der Briefe an die Gemeinschaften in Kleinasien ist der mit Abstand am meisten gelesene, zitierte und missbrauchte. Das Schreiben an das lauwarme, geschmacklose Laodizea. Nur auf eine Zeile darin hat man sich oft beschränkt – auf das grausige Bild, dass Jesus diese Gemeinde verächtlich aus seinem Mund ausspuckt, weil sie lauwarm ist. Denken wir dabei aber bitte daran, dass aus dem Mund dieses Christus das Schwert seines Wortes geht und daher kein Platz darin ist, ganze Gemeinden zu verschlingen.

In den Köpfen und Herzen zahlreicher christlicher Gemeinschaften ist dieses Bild zu einer Wirklichkeit geworden, zu einem Monster, das sie verfolgt. Bin ich lauwarm? Wird Gott mich verachten? Gefalle ich ihm nicht? Muss ich ihm mehr gehorchen? Nur leider bedeutet dieses „mehr gehorchen“ und „nicht lauwarm sein“ sehr oft, das zu tun, was derjenige will, der einem diesen Text gepredigt hat. So kann man fröhliche, auf Gott vertrauende Menschen zu ängstlichen Untertanen machen.

Warum fällt es uns so schwer, Bilder als Bilder zu sehen und uns dem Rest des Textes zuzuwenden, der eine einzige Einladung und ein wunderbares Angebot ist? Jesus liebt diese Gemeinschaft und er bietet ihnen Gold, Salbe, weiße Kleider an. Er steht vor der Tür und klopft. Er will eintreten und mit ihnen essen. Mit anderen Worten: er sieht ihre Gleichgültigkeit und dass sie sich im Reichtum ihrer Stadt sicher fühlen und die inneren Dinge, der Zustand ihres Glaubens, ihre Aufrichtigkeit in dem, was sie tun, sie nicht mehr so sehr kümmert. Er bietet ihnen an: inneren Reichtum, innere Reinheit und Aufrichtigkeit, Heilung für ihre Augen, die nur noch das Äußere sehen wollen. Er will mit ihnen essen. Er will sie lieben.

Er fleht, dass sie dieses Angebot annehmen. Und wir fixieren uns auf das eine, starke Bild, das uns nur kurz aufhorchen lassen sollte, damit wir wieder ein bisschen wach werden für das, was wir wirklich brauchen. Damit wir uns umwenden, wie Johannes es am Anfang getan hat, hin zu dem Licht, das die Quelle von all dem ist, was wir reich und gut und schön nennen und genießen dürfen.

Verstehen wir dieses Bild denn wirklich so schlecht? Ein Mensch, der über seinem Wohlstand bequem und gleichgültig wird und seine innere Not und die äußere Not anderer nicht mehr sehen kann. Ist uns diese Sorte Mensch denn so unbekannt? Sind wir uns selbst in unseren Bequemlichkeiten denn so unbekannt? Selbstverständlich brauchen wir etwas Augensalbe, damit wir erkennen, was wir und andere benötigen. Damit wir wieder warm werden und weich und uns lieben lassen.

Die Apokalypse dessen, was wir besitzen und was uns äußere Sicherheit vermittelt, kann uns die Augen dafür öffnen, dass es noch so viel mehr Reichtum in dieser Welt gibt, den wir bisher nicht erkannt haben. Unser Herz ist unser Schatz und unser Nächster ist der Schatz, den wir behüten sollten. Eine oberflächliche Welt des Reichtums ist häufig eine sehr geschmacklose Welt. Etwas ohne den Reiz des Besonderen. Lauwarm, gleichgültig, abweisend. So sind wir oft. Aber uns gilt die Einladung zu einem neuen Fest echter Liebe, die heiß brennt und der Welt echte Schönheit schenkt.

Täglich neu entdecken, dass nichts selbstverständlich ist, dass Innigkeit möglich ist und dass Schönheit die Welt retten kann. Ist das nicht eine Apokalypse, die man herbeisehnen kann?