Tagebuch einer Alten Seele – George MacDonald – Der Februar

Teil 2 – Februar

Kurze Einführung:

George MacDonald ist zu seinen Lebzeiten vor allem durch seine Romane in einem festen Leserkreis beliebt und bekannt gewesen. Immerhin hat er als Schriftsteller seine große Familie ernährt. Durch die geistlichen Themen und die langen Dialoge über Glaubensdinge sanken diese Bücher jedoch nach seinem Tode, der Mode der Zeit nicht mehr gerecht, schnell ins Reich des Vergessens. Einer kleinen Schar von Eingeweihten sind bis heute vor allem seine schriftlichen Predigten bekannt. Nach und nach entdeckt man auch wieder den Wert seiner Geschichten und erzählten Charaktere. Doch eigentlich begonnen hat MacDonald als Dichter. Das Poetische war für ihn gleichbedeutend mit dem Prophetischen. Als großer Dichter wurde er sowohl zu Lebzeiten als auch danach nie eingeschätzt. Zu nah sind seine Gedichte am Gebet. Ja, zu prophetisch überhöht die Bilder. Und doch geben sie Einblicke in die innere Welt dieses Mannes, in sein poetisch-prophetisches Fühlen. Die folgenden Beiträge auf diesem Blog führen die Texte des „Diary of an Old Soul“ auf und wagen den Versuch einer Übersetzung der Texte. Diese Übersetzung ist keine Nachdichtung und versucht auch keine Reime zu finden, wenn sie sich nicht zufällig ergeben. Vielmehr spüren sie den Gedanken und Bildern nach und sollen nur einen einigermaßen runden Klang beim Lesen erzeugen. Das Poetische soll im freien Vers erhalten bleiben, aber die Übersetzung möglichst nahe am Sinn des Textes bleiben.

Das „Diary of an Old Soul“ war ursprünglich eine Weihnachtsgabe für Familie und enge Freunde. Die Texte sind Gedichte bzw. Gebete für jeden Tag eines ganzen Jahres. Neben den Texten – davon spricht die Widmung – fand sich ursprünglich eine leere Seite mit Platz für eigene Notizen, Gedanken, Gebete. Es ist ein sehr persönlicher Text, der die Tiefen und Höhen der Seele beschreibt, die Zweifel und auch die Hoffnung eines Glaubenslebens. Man findet darin Depression, Schmerz, Tod. Sonnenaufgang, Auferstehung, Hoffnung, Glück. Es sind die intimen Psalmen eines alternden Mannes, der stets auch mit seiner Gesundheit zu kämpfen hatte, dem Tod oft begegnet ist und darum weiß, dass das Innere in tiefe Dunkelheit sinken kann, es viel Kraft kostet, wieder Zuversicht zu fassen und an Glaube und Hoffnung festzuhalten. Diese Texte fühlen sich noch heute nahe an und können Trost spenden, ob der geneigte Leser nun voll Glauben ist oder Atheist. Jede Seele kennt die Reise ins Dunkel und wieder zum Licht.

FEBRUARY. ~ FEBRUAR

   1.

   I TO myself have neither power nor worth,

   Patience nor love, nor anything right good;

   My soul is a poor land, plenteous in dearth–

   Here blades of grass, there a small herb for food–

   A nothing that would be something if it could;

   But if obedience, Lord, in me do grow,

   I shall one day be better than I know.

1.

BEI mir selbst hab ich weder Kraft noch Würde,

Weder Geduld noch Liebe noch irgend Gutes;

Meine Seele ist ein karges Land, an Mangel reich–

Hier ein Halm und dort ein Kräutlein Nahrung–

Ein Nichts, das etwas wär, wenn´s könnte;

Doch, Herr, wenn Gehorsam in mir reift,

Werd ich eines Tages besser sein, als ich jetzt weiß.

   2.

   The worst power of an evil mood is this–

   It makes the bastard self seem in the right,

   Self, self the end, the goal of human bliss.

   But if the Christ-self in us be the might

   Of saving God, why should I spend my force

   With a dark thing to reason of the light–

   Not push it rough aside, and hold obedient course?

2.

Schlimmste Macht einer üblen Laune ist dies–

Sie lässt das Bastard-Selbst im Recht erscheinen,

Selbst, Selbst als Zweck und Ziel menschlicher Wonne.

Doch wär das Christus-Selbst in uns die Macht

Des rettenden Gottes, warum sollte meine Kraft ich spenden,

Mit einem dunklen Dinge zu erörtern das Licht–

Statt es rüd zur Seite zu stoßen und des Gehorsams Kurs zu halten?

   3.

   Back still it comes to this: there was a man

   Who said, „I am the truth, the life, the way:“–

   Shall I pass on, or shall I stop and hear?–

   „Come to the Father but by me none can:“

   What then is this?–am I not also one

   Of those who live in fatherless dismay?

   I stand, I look, I listen, I draw near.

3.

Darauf geht es immer aus: Da war ein Mann

Der sprach „Ich bin die Wahrheit, das Leben, der Weg“:–

Werd ich weiterziehen oder halten und hören?–

„Kommt zum Vater, doch außer durch mich, kann´s niemand“–

Was bedeutet dies also?–Bin ich nicht auch einer

Von denen, die in vaterloser Verzweiflung leben?

Ich stehe, ich schaue, ich lausche, ich nahe mich.

   4.

   My Lord, I find that nothing else will do,

   But follow where thou goest, sit at thy feet,

   And where I have thee not, still run to meet.

   Roses are scentless, hopeless are the morns,

   Rest is but weakness, laughter crackling thorns,

   If thou, the Truth, do not make them the true:

   Thou art my life, O Christ, and nothing else will do.

4.

Mein Herr, ich sehe es ein, es bleibt nichts anderes,

Als zu folgen, wohin du gehst, zu deinen Füßen zu sitzen,

Und wo ich dich nicht habe, noch zu laufen, dich zu treffen.

Rosen sind duftlos, hoffnungslos ein jeder Morgen,

Ruhe ist nur Schwachheit, Lachen wie krachende Dornen,

Wenn du, Die Wahrheit, sie nicht wahrhaftig machst:

Du bist mein Leben, Oh Christus, und nichts anderes bleibt.

   5.

   Thou art here–in heaven, I know, but not from here–

   Although thy separate self do not appear;

   If I could part the light from out the day,

   There I should have thee! But thou art too near:

   How find thee walking, when thou art the way?

   Oh, present Christ! make my eyes keen as stings,

   To see thee at their heart, the glory even of things.

5.

Du bist hier–im Himmel, ich weiß, doch nicht von hier–

Obwohl in eigner Person du nicht erscheinst;

Könnt ich scheiden das Licht aus dem Tage,

Würd ich dort dich finden! Doch du bist zu nahe:

Wie dich wandernd finden, bist du doch selbst der Weg?

Oh, gegenwärtig Christus! Mach stechend scharf mein Auge,

In ihrem Herzen zu sehn, die Herrlichkeit selbst der Dinge.

   6.

   That thou art nowhere to be found, agree

   Wise men, whose eyes are but for surfaces;

   Men with eyes opened by the second birth,

   To whom the seen, husk of the unseen is,

   Descry thee soul of everything on earth.

   Who know thy ends, thy means and motions see:

   Eyes made for glory soon discover thee.

6.

Dass nirgends du zu finden bist, da stimmen überein

Weise Männer, deren Augen nur blanke Fläche sind;

Menschen, deren Augen geöffnet von zweiter Geburt,

Für welche das Sichtbare die Hülle des Unsichtbaren ist,

Schauen deine Seele aus allem auf Erden.

Welche kennen dein Ziel, sehen deine Mittel und Wege:

Zur Herrlichkeit geschaffene Augen entdecken dich bald.

   7.

   Thou near then, I draw nearer–to thy feet,

   And sitting in thy shadow, look out on the shine;

   Ready at thy first word to leave my seat–

   Not thee: thou goest too. From every clod

   Into thy footprint flows the indwelling wine;

   And in my daily bread, keen-eyed I greet

   Its being’s heart, the very body of God.

7.

Da du also nahe bist, nahe ich–zu deinen Füßen,

In deinem Schatten sitzend, schau ich auf den Glanz;

Bereit, auf dein erstes Wort meinen Sitz zu verlassen–

Nicht dich: du gehest auch. Von jeder Krume

Deines Fußabdrucks fließt der innewohnende Wein;

Und in meinem täglich Brot, grüß ich scharfsichtig

Seines Wesens Herz, den Leib Gottes.

   8.

   Thou wilt interpret life to me, and men,

   Art, nature, yea, my own soul’s mysteries–

   Bringing, truth out, clear-joyous, to my ken,

   Fair as the morn trampling the dull night. Then

   The lone hill-side shall hear exultant cries;

   The joyous see me joy, the weeping weep;

   The watching smile, as Death breathes on me his cold sleep.

8.

Du wirst das Leben mir deuten, und die Menschen,

Kunst, Natur, ja, die Geheimnisse meiner eignen Seele–

Bringst Wahrheit freudenklar hervor den Meinen,

Hell wie der Morgen, bedeckte Nacht zertretend.

Da hört die einsame Hügelkuppe jubelnde Schreie;

Die Fröhlichen sehen meine Freude, die Weinenden weinen;

Die Wachenden lächeln, da der Tod seinen kalten Schlaf auf mich haucht.

   9.

   I search my heart–I search, and find no faith.

   Hidden He may be in its many folds–

   I see him not revealed in all the world

   Duty’s firm shape thins to a misty wraith.

   No good seems likely. To and fro I am hurled.

   I have no stay. Only obedience holds:–

   I haste, I rise, I do the thing he saith.

9.

Ich erforsch mein Herz–forsche, und find keinen Glauben.

Verborgen mag Er sein in seinen vielen Falten–

Ich seh ihn offenbart nicht in der ganzen Welt.

Feste Pflicht-Gestalt dünnt aus zu Nebel-Gespinst.

Nichts Gutes scheint möglich. Umher werd´ ich geworfen.

Ich habe keinen Halt. Nur Gehorsam hält mich:–

Ich eile, steh auf und tu das Ding, das er sagte.

   10.

   Thou wouldst not have thy man crushed back to clay;

   It must be, God, thou hast a strength to give

   To him that fain would do what thou dost say;

   Else how shall any soul repentant live,

   Old griefs and new fears hurrying on dismay?

   Let pain be what thou wilt, kind and degree,

   Only in pain calm thou my heart with thee.

10.

Du wirst deinen Menschen nicht zurück zu Lehm zerschlagen;

Es muss so sein, Gott, du hast die Kraft zu geben

Ihm, der gerne tun will, was du sagst;

Wie sonst sollte eine bußfertige Seele leben,

Da alter Kummer und neue Sorge in Verzweiflung treiben?

Lass Schmerzen sein, ganz wie du willst, Art und Grad,

Nur stille du im Schmerz mein Herz bei dir.

   11.

   I will not shift my ground like Moab’s king,

   But from this spot whereon I stand, I pray–

   From this same barren rock to thee I say,

   „Lord, in my commonness, in this very thing

   That haunts my soul with folly–through the clay

   Of this my pitcher, see the lamp’s dim flake;

   And hear the blow that would the pitcher break.“

11.

Ich will nicht wanken, wie Moabs König es tat,

Sondern von diesem Punkt, auf dem ich steh, bete ich—

Von eben diesem kahlen Fels aus spreche ich zu dir,

„Herr, in meiner Gewöhnlichkeit, in eben diesem Dinge,

Das meine Seele heimsucht mit Torheit–durch den Ton

Dieses meines Kruges, schau der Lampe schwaches Flackern;

Und hör den Stoß, der diesen Krug zerbrechen will.“

   12.

   Be thou the well by which I lie and rest;

   Be thou my tree of life, my garden ground;

   Be thou my home, my fire, my chamber blest,

   My book of wisdom, loved of all the best;

   Oh, be my friend, each day still newer found,

   As the eternal days and nights go round!

   Nay, nay–thou art my God, in whom all loves are bound!

12.

Sei du die Quelle, bei der ich liege und ruhe;

Sei du mein Lebensbaum, mein Gartengrund;

Sei du mein Heim, mein Feuer, sel´ge Kammer,

Mein Buch der Weisheit, am meisten geliebt;

Oh, sei mein Freund, jeden Tag ganz neu erfunden,

Wie die ewigen Tage und Nächte wechseln!

Nein,–du bist mein Gott, in welchem alle Liebe verwoben ist!

   13.

   Two things at once, thou know’st I cannot think.

   When busy with the work thou givest me,

   I cannot consciously think then of thee.

   Then why, when next thou lookest o’er the brink

   Of my horizon, should my spirit shrink,

   Reproached and fearful, nor to greet thee run?

   Can I be two when I am only one.

13.

Zwei Dinge zusammen, du weißt, kann ich nicht denken.

Wenn ich beschäftigt bin mit dem Werk, das du mir gibst,

Dann kann ich nicht bewusst an dich denken.

Warum also, wenn du das nächste Mal über den Rand

Meines Horizontes blickst, sollte mein Geist zucken,

Geschmäht, angstvoll, und nicht laufen zu dir, dich grüßen?

Kann ich zwei sein, da ich nur einer bin?

   14.

   My soul must unawares have sunk awry.

   Some care, poor eagerness, ambition of work,

   Some old offence that unforgiving did lurk,

   Or some self-gratulation, soft and sly–

   Something not thy sweet will, not the good part,

   While the home-guard looked out, stirred up the old murk,

   And so I gloomed away from thee, my Heart.

14.

Meine Seele muss unbeachtet abgesunken sein,

Irgendeine Sorge, erbärmlicher Eifer, Ehrgeiz im Mühen,

Irgendeine alte Beleidigung, die unverziehen lauerte,

Oder irgendein Selbstlob, sanft und schleichend–

Etwas, das nicht dein süßer Wille, nicht der gute Teil ist,

Während der Wächter ausschaute, stob es alten Schmutz auf,

Und so dunkelte ich fort von dir, mein Herz.

   15.

   Therefore I make provision, ere I begin

   To do the thing thou givest me to do,

   Praying,–Lord, wake me oftener, lest I sin.

   Amidst my work, open thine eyes on me,

   That I may wake and laugh, and know and see

   Then with healed heart afresh catch up the clue,

   And singing drop into my work anew.

15.

Daher treffe ich Vorsorge, ehe ich beginne,

Das Ding zu tun, das du mir gibst zu tun,

Bete ich,–Herr, weck mich öfter auf, dass ich nicht sündige.

Inmitten meines Mühens öffne deine Augen über mir,

Dass ich erwachen möge, lache, weiß und sehe,

Alsdann mit neu geheiltem Herz den Faden wieder nehme,

Und singend von Neuem mich vertiefe in mein Mühen.

   16.

   If I should slow diverge, and listless stray

   Into some thought, feeling, or dream unright,

   O Watcher, my backsliding soul affray;

   Let me not perish of the ghastly blight.

   Be thou, O Life eternal, in me light;

   Then merest approach of selfish or impure

   Shall start me up alive, awake, secure.

16.

Wenn ich langsam drifte, lustlos mich zerstreue

In unrechtem Denken, Fühlen oder Träumen,

Oh Wächter, wehre meiner Seele Abfall;

Lass mich nicht vergehen durch Pesthauch,

Sei du, Oh Ewiges Leben, in mir Licht;

Dann wird das Nahen von Selbstsucht oder Falsch

Mich lebendig aufschrecken, hellwach und sicher.

   17.

   Lord, I have fallen again–a human clod!

   Selfish I was, and heedless to offend;

   Stood on my rights. Thy own child would not send

   Away his shreds of nothing for the whole God!

   Wretched, to thee who savest, low I bend:

   Give me the power to let my rag-rights go

   In the great wind that from thy gulf doth blow.

17.

Herr, wieder bin ich abgefallen–menschlicher Lehmklumpen!

Selbstsüchtig war ich und leichtfertig im Übertreten;

Bestehend auf meinen Rechten, wollte Dein eigenes Kind nicht

Seine Fetzen von Nichts aufgeben für das Ganze Gottes!

Elend, zu dir hin, der rettet, beuge ich mich nieder:

Gib mir die Kraft, meine Lumpen-Rechte loszulassen

Im großen Wind, der aus deiner Tiefe her weht.

   18.

   Keep me from wrath, let it seem ever so right:

   My wrath will never work thy righteousness.

   Up, up the hill, to the whiter than snow-shine,

   Help me to climb, and dwell in pardon’s light.

   I must be pure as thou, or ever less

   Than thy design of me–therefore incline

   My heart to take men’s wrongs as thou tak’st mine.

18.

Bewahre mich vor Zorn, mag er noch so richtig scheinen:

Mein Zorn wird niemals deine Gerechtigkeit wirken.

Hinaus, den Hügel hinauf, zum Glanz, weißer als Schnee,

Hilf mir zu klettern, zu weilen im Licht des Verzeihens.

Ich muss rein sein wie du oder ewig weniger sein

Als deine Absicht von mir–daher neige mein Herz,

Zu nehmen das Übel der Menschen, wie du meines nimmst.

   19.

   Lord, in thy spirit’s hurricane, I pray,

   Strip my soul naked–dress it then thy way.

   Change for me all my rags to cloth of gold.

   Who would not poverty for riches yield?

   A hovel sell to buy a treasure-field?

   Who would a mess of porridge careful hold

   Against the universe’s birthright old?

19.

Herr, im Sturm deines Geistes, bete ich,

Entkleide meine Seele–kleide sie nach deiner Art.

Wechsle mir all meine Lumpen zu goldenem Stoff.

Wer würde nicht Armut aufgeben für Reichtum?

Eine Hütte verkaufen, den Schatz im Feld zu kaufen?

Wer würde an einem Linsengericht festhalten

Gegen das alte Geburtsrecht des Universums?

   20.

   Help me to yield my will, in labour even,

   Nor toil on toil, greedy of doing, heap–

   Fretting I cannot more than me is given;

   That with the finest clay my wheel runs slow,

   Nor lets the lovely thing the shapely grow;

   That memory what thought gives it cannot keep,

   And nightly rimes ere morn like cistus-petals go.

20.

Hilf mir, meinen Willen zu beugen, auch im Mühen,

Nicht Plage um Plage, in gierigem Tun, anzuhäufen–

Raffen kann ich nicht mehr als mir gegeben ist;

Dass beim feinsten Ton mein Rad sich verlangsamt,

Das liebliche Ding nicht wohlgestaltet lässt wachsen;

Dass die Erinnerung den Gedanken nicht halten kann,

Nächtlicher Reim vorm Morgen wie die Zistrose welkt.

   21.

   ‚Tis–shall thy will be done for me?–or mine,

   And I be made a thing not after thine–

   My own, and dear in paltriest details?

   Shall I be born of God, or of mere man?

   Be made like Christ, or on some other plan?–

   I let all run:–set thou and trim my sails;

   Home then my course, let blow whatever gales.

21.

Soll dein Wille an mir geschehen?–oder der meine,

Soll ich nicht werden ein Ding nach deinem Sinn–

Sondern nach mir, affenlieb in läppischen Details?

Soll ich von Gott geboren sein oder bloß vom Mann?

Wie Christus gestaltet oder nach einem andern Plan?–

Ich lass die Leinen los:–Setz du und raffe meine Segel;

Heimwärts liegt mein Kurs, so lass alle Winde wehen.

   22.

   With thee on board, each sailor is a king

   Nor I mere captain of my vessel then,

   But heir of earth and heaven, eternal child;

   Daring all truth, nor fearing anything;

   Mighty in love, the servant of all men;

   Resenting nothing, taking rage and blare

   Into the Godlike silence of a loving care.

22.

Mit dir an Bord ist jeder Matrose ein König,

So bin ich nicht nur Kapitän auf meinem Schiff,

Sondern Erbe der Erde, des Himmels, ewiges Kind;

Alle Wahrheit wagend, nichts fürchtend;

Mächtig in Liebe, Diener aller Menschen;

Nichts nachtragend, das Wüten und Schnauben

In Gott-hafte Stille liebender Fürsorge nehmend.

   23.

   I cannot see, my God, a reason why

   From morn to night I go not gladsome free;

   For, if thou art what my soul thinketh thee,

   There is no burden but should lightly lie,

   No duty but a joy at heart must be:

   Love’s perfect will can be nor sore nor small,

   For God is light–in him no darkness is at all.

23.

Ich kann nicht einen Grund sehn, mein Gott, warum

Ich nicht froh und frei sei von Morgen zu Abend;

Denn, bist du, was meine Seele von dir denkt,

Gibt es keine Bürde, die nicht leicht zu tragen sei,

Oder eine Pflicht, die keine Herzens-Freude sei:

Der Wille der Liebe kann weh und wund nicht sein.

Denn Gott ist Licht–und in ihm keine Finsternis.

   24.

   ‚Tis something thus to think, and half to trust–

   But, ah! my very heart, God-born, should lie

   Spread to the light, clean, clear of mire and rust,

   And like a sponge drink the divine sunbeams.

   What resolution then, strong, swift, and high!

   What pure devotion, or to live or die!

   And in my sleep, what true, what perfect dreams!

24.

So zu denken und nur halb zu vertrauen–

Ah! Mein Herz, aus Gott geboren, soll liegen

Ausgebreitet im Licht, rein von Schmutz und Rost,

Die göttlichen Strahlen trinken wie ein Schwamm.

Ein Entschluss also, stark, prompt und erhaben!

Welch reine Hingabe, zu leben oder zu sterben!

Und in meinem Schlaf Träume, wahr und vollkommen!

   25.

   There is a misty twilight of the soul,

   A sickly eclipse, low brooding o’er a man,

   When the poor brain is as an empty bowl,

   And the thought-spirit, weariful and wan,

   Turning from that which yet it loves the best,

   Sinks moveless, with life-poverty opprest:–

   Watch then, O Lord, thy feebly glimmering coal.

25.

Da ist ein nebliges Zwielicht der Seele,

Ein kranker Dunst, Brüten auf dem Menschen,

Wenn das Hirn nur eine leere Schüssel ist,

Der denkende Geist erschöpft und bleich,

Sich wendet davon, was am meisten er liebt,

reglos sinkt, erdrückt von Lebens-Armut:–

Schau, oh Herr, nach deiner schwachen Kohle-Glut.

   26.

   I cannot think; in me is but a void;

   I have felt much, and want to feel no more;

   My soul is hungry for some poorer fare–

   Some earthly nectar, gold not unalloyed:–

   The little child that’s happy to the core,

   Will leave his mother’s lap, run down the stair,

   Play with the servants–is his mother annoyed?

26.

Ich kann nicht denken; in mir ist nur Leere;

Ich habe viel gefühlt, will nicht mehr fühlen;

Meine Seele ist hungrig nach kärgerer Kost–

Etwas irdischem Nektar, nicht geläutertem Gold;–

Das kleine Kind, glücklich bis zum innersten Kern,

Wird den Schoß der Mutter verlassen, hinunterrennen,

Mit den Dienern spielen–ist seine Mutter deshalb verärgert?

   27.

   I would not have it so. Weary and worn,

   Why not to thee run straight, and be at rest?

   Motherward, with toy new, or garment torn,

   The child that late forsook her changeless breast,

   Runs to home’s heart, the heaven that’s heavenliest:

   In joy or sorrow, feebleness or might,

   Peace or commotion, be thou, Father, my delight.

27.

Ich will das nicht. Erschöpft und müde bin ich,

Warum lauf ich nicht zu dir, komme dort zur Ruhe?

Mutterwärts, mit neuem Spiel oder zerrissenem Kleid,

Das Kind, das eben ihre unveränderliche Brust verließ,

Rennt zum Heimat-Herz, zum himmlischsten Himmel:

In Freud oder Leid, Schwachheit oder Kraft,

Friede oder Aufruhr, sei du, Vater, meine Wonne.

   28.

   The thing I would say, still comes forth with doubt

   And difference:–is it that thou shap’st my ends?

   Or is it only the necessity

   Of stubborn words, that shift sluggish about,

   Warping my thought as it the sentence bends?–

   Have thou a part in it, O Lord, and I

   Shall say a truth, if not the thing I try.

28.

Was ich sagen will, kommt hervor mit Zweifel,

Unentschiedenheit:–weil du meine Enden schärfst?

Oder ist es doch nur die Notwendigkeit

Eigensinniger Worte, träge dahin schlitternd,

Mein Denken verformend wie der Satz sich beugt?–

Hab du Teil daran, Oh Herr, und ich

Werde Wahrheit sprechen, wenn nicht das, was ich versuche.

   29.

   Gather my broken fragments to a whole,

   As these four quarters make a shining day.

   Into thy basket, for my golden bowl,

   Take up the things that I have cast away

   In vice or indolence or unwise play.

   Let mine be a merry, all-receiving heart,

   But make it a whole, with light in every part.

29.

Sammle meine zerbroch´nen Teile zu einem Ganzen,

Wie die vier Enden einen leuchtenden Tag machen.

In deinen Korb, für meine goldene Schale,

Nimm auf die Dinge, die ich verworfen habe

In Eitelkeit und Müßiggang oder unklugem Spiel.

Lass mein Herz fröhlich sein, all-empfangend,

Doch mach es ein Ganzes, Licht in jedem Teil.