Teil 3 – März
Kurze Einführung:
George MacDonald ist zu seinen Lebzeiten vor allem durch seine Romane in einem festen Leserkreis beliebt und bekannt gewesen. Immerhin hat er als Schriftsteller seine große Familie ernährt. Durch die geistlichen Themen und die langen Dialoge über Glaubensdinge sanken diese Bücher jedoch nach seinem Tode, der Mode der Zeit nicht mehr gerecht, schnell ins Reich des Vergessens. Einer kleinen Schar von Eingeweihten sind bis heute vor allem seine schriftlichen Predigten bekannt. Nach und nach entdeckt man auch wieder den Wert seiner Geschichten und erzählten Charaktere. Doch eigentlich begonnen hat MacDonald als Dichter. Das Poetische war für ihn gleichbedeutend mit dem Prophetischen. Als großer Dichter wurde er sowohl zu Lebzeiten als auch danach nie eingeschätzt. Zu nah sind seine Gedichte am Gebet. Ja, zu prophetisch überhöht die Bilder. Und doch geben sie Einblicke in die innere Welt dieses Mannes, in sein poetisch-prophetisches Fühlen. Die folgenden Beiträge auf diesem Blog führen die Texte des „Diary of an Old Soul“ auf und wagen den Versuch einer Übersetzung der Texte. Diese Übersetzung ist keine Nachdichtung und versucht auch keine Reime zu finden, wenn sie sich nicht zufällig ergeben. Vielmehr spüren sie den Gedanken und Bildern nach und sollen nur einen einigermaßen runden Klang beim Lesen erzeugen. Das Poetische soll im freien Vers erhalten bleiben, aber die Übersetzung möglichst nahe am Sinn des Textes bleiben.
Das „Diary of an Old Soul“ war ursprünglich eine Weihnachtsgabe für Familie und enge Freunde. Die Texte sind Gedichte bzw. Gebete für jeden Tag eines ganzen Jahres. Neben den Texten – davon spricht die Widmung – fand sich ursprünglich eine leere Seite mit Platz für eigene Notizen, Gedanken, Gebete. Es ist ein sehr persönlicher Text, der die Tiefen und Höhen der Seele beschreibt, die Zweifel und auch die Hoffnung eines Glaubenslebens. Man findet darin Depression, Schmerz, Tod. Sonnenaufgang, Auferstehung, Hoffnung, Glück. Es sind die intimen Psalmen eines alternden Mannes, der stets auch mit seiner Gesundheit zu kämpfen hatte, dem Tod oft begegnet ist und darum weiß, dass das Innere in tiefe Dunkelheit sinken kann, es viel Kraft kostet, wieder Zuversicht zu fassen und an Glaube und Hoffnung festzuhalten. Diese Texte fühlen sich noch heute nahe an und können Trost spenden, ob der geneigte Leser nun voll Glauben ist oder Atheist. Jede Seele kennt die Reise ins Dunkel und wieder zum Licht.
MARCH. ~ MÄRZ
1.
THE song birds that come to me night and morn,
Fly oft away and vanish if I sleep,
Nor to my fowling-net will one return:
Is the thing ever ours we cannot keep?–
But their souls go not out into the deep.
What matter if with changed song they come back?
Old strength nor yet fresh beauty shall they lack.
1.
DIE Singvögel, die zu mir kommen Abend und Morgen,
Fliegen fort und entschwinden, wenn ich schlafe,
Nicht einer kehrt in mein gestelltes Netz zurück:
Gehört die Sache jemals uns, die wir nicht können halten?–
Doch ihre Seelen verlöschen nicht in der Tiefe.
Was zählt´s, wenn mit verändertem Lied sie kehren heim?
Ihnen wird nicht mangeln an alter Kraft noch neuer Schönheit.
2.
Gloriously wasteful, O my Lord, art thou!
Sunset faints after sunset into the night,
Splendorously dying from thy window-sill–
For ever. Sad our poverty doth bow
Before the riches of thy making might:
Sweep from thy space thy systems at thy will–
In thee the sun sets every sunset still.
2.
Herrlich verschwenderisch, Oh mein Herr, bist du!
Dämmerung um Dämmerung fließt in die Nacht,
Prachtvoll sich ergießend von deiner Schwelle–
Für immer beugt sich traurig unsere Armut
Vor dem Reichtum deiner Schöpfer-Macht:
Wisch wie du willst die Galaxien aus dem All–
Die Sonne in dir wirkt doch jede Dämmerung.
3.
And in the perfect time, O perfect God,
When we are in our home, our natal home,
When joy shall carry every sacred load,
And from its life and peace no heart shall roam,
What if thou make us able to make like thee–
To light with moons, to clothe with greenery,
To hang gold sunsets o’er a rose and purple sea!
3.
Zur vollkommenen Zeit, Oh vollkommener Gott,
Wenn wir in unserm Heim sind, dem Haus unsrer Geburt,
Wenn Freude alle heiligen Lasten trägt,
Und von Leben und Friede kein Herz mehr irrt,
Was wär, wenn du uns fähig machst, zu schaffen wie du–
Mit Monden zu leuchten, mit Grün zu kleiden,
Zu hängen goldene Sonnen über Meere von Rosenrot und Purpur!
4.
Then to his neighbour one may call out, „Come!
Brother, come hither–I would show you a thing;“
And lo, a vision of his imagining,
Informed of thought which else had rested dumb,
Before the neighbour’s truth-delighted eyes,
In the great Aether of existence rise,
And two hearts each to each the closer cling!
4.
Seinem Nächsten also mag einer zurufen: „Komm!
Bruder, komm her–Ich möchte dir etwas zeigen;“
Und siehe, eine Vision seiner Vorstellung,
Genährt von Denken, das sonst taub geblieben wär,
Vor den Wahrheit-liebenden Augen des Nächsten
Steigt sie auf im großen Äther der Existenz,
Und zwei Herzen schlagen enger zusammen!
5.
We make, but thou art the creating core.
Whatever thing I dream, invent, or feel,
Thou art the heart of it, the atmosphere.
Thou art inside all love man ever bore;
Yea, the love itself, whatever thing be dear.
Man calls his dog, he follows at his heel,
Because thou first art love, self-caused, essential, mere.
5.
Wir schaffen, doch du bist der Schöpfer-Kern.
Welches Ding ich auch träume, erfinde, fühle,
Du bist davon das Herz, die Atmosphäre,
Du bist das Innen aller Liebe, die je ein Mensch gebar;
Ja, die Liebe selbst, was immer lieb und teuer sei.
Der Mensch ruft seinen Hund, er folgt auf dem Fuß,
Weil du zuerst Liebe bist, selbsterschaffen, rein und bloß.
6.
This day be with me, Lord, when I go forth,
Be nearer to me than I am able to ask.
In merriment, in converse, or in task,
Walking the street, listening to men of worth,
Or greeting such as only talk and bask,
Be thy thought still my waiting soul around,
And if He come, I shall be watching found.
6.
Sei mit mir an diesem Tage, Herr, wenn ich ausgeh,
Sei mir näher, als ich fähig bin, darum zu bitten.
In Heiterkeiten, im Umgang oder im Tagewerk,
Auf der Straße, würdigen Menschen lauschend,
Oder solchen begegnend, die nur reden und prahlen,
Umgebe dein Denken stets meine harrende Seele,
Und wenn Er kommt, mag ich wachend gefunden werden.
7.
What if, writing, I always seem to leave
Some better thing, or better way, behind,
Why should I therefore fret at all, or grieve!
The worse I drop, that I the better find;
The best is only in thy perfect mind.
Fallen threads I will not search for–I will weave.
Who makes the mill-wheel backward strike to grind!
7.
Was, wenn, während ich schreibe, ich immer
Ein besseres Ding, den besseren Weg hinter mir lasse,
Warum sollte ich mich drum scheren oder grämen!
Das Schlechtere lass ich, dass ich das Bessere finde;
Das Beste liegt nur in deinem vollkommenen Geist.
Verlorene Fäden werd´ ich nicht suchen–ich werd´ weben.
Wer lässt das Mühlrad rückwärtsgehen, um zu mahlen!
8.
Be with me, Lord. Keep me beyond all prayers:
For more than all my prayers my need of thee,
And thou beyond all need, all unknown cares;
What the heart’s dear imagination dares,
Thou dost transcend in measureless majesty
All prayers in one–my God, be unto me
Thy own eternal self, absolutely.
8.
Sei mit mir, Herr, bewahre mich über alles Beten hinaus:
Denn mehr als all meine Gebete brauche ich dich,
Und dich über alles Bedürfen, alle unbekannte Sorge;
Was des Herzens liebevolle Vorstellung wagt,
Transzendierst du in maßlose Majestät
Alle Gebete in einem–mein Gott, sei du mir
Das ewig-eine Selbst, völlig und vollkommen.
9.
Where should the unknown treasures of the truth
Lie, but there whence the truth comes out the most–
In the Son of man, folded in love and ruth?
Fair shore we see, fair ocean; but behind
Lie infinite reaches bathing many a coast–
The human thought of the eternal mind,
Pulsed by a living tide, blown by a living wind.
9.
Wo sollten liegen die unbekannten Wahrheits-Schätze,
Als dort nur, woraus die Wahrheit am meisten kommt–
Im Sohn des Menschen, gehüllt in Liebe und Erbarmen?
Wir schauen helle Ufer, leuchtendes Meer; doch dahinter
Unendliche Ländereien, an manche Küsten stoßend–
Das menschliche Denken vom unendlichen Geist,
Erregt durch lebendige Gezeiten, lebendigen Wind.
10.
Thou, healthful Father, art the Ancient of Days,
And Jesus is the eternal youth of thee.
Our old age is the scorching of the bush
By life’s indwelling, incorruptible blaze.
O Life, burn at this feeble shell of me,
Till I the sore singed garment off shall push,
Flap out my Psyche wings, and to thee rush.
10.
Du, heilsamer Vater, bist der Alte an Tagen,
Und Jesus ist dein ewig junger Spross.
Unser hohes Alter ist das Feuer im Busch,
Des Lebens innewohnendes, unverderbliches Lodern.
Oh Leben, brenne auf dieser meiner schwachen Hülle,
Bis ich das ganz versengte Gewand von mir werfe,
Die Schwingen meiner Psyche breite und zu dir eile.
11.
But shall I then rush to thee like a dart?
Or lie long hours Aeonian yet betwixt
This hunger in me, and the Father’s heart?–
It shall be good, how ever, and not ill;
Of things and thoughts even now thou art my next;
Sole neighbour, and no space between, thou art–
And yet art drawing nearer, nearer still.
11.
Doch werd ich dann zu dir fliegen wie ein Pfeil?
Oder werd ich noch für Äonen liegen zwischen
Diesem Hunger in mir und des Vaters Herz?–
Es wird gut sein, nichtsdestotrotz, und nicht von Übel;
Unter Ding und Gedanke bist du mir selbst jetzt das Nächste;
Einzig Nächster, und kein Raum dazwischen, bist du–
Und doch näherst und näherst du dich mir immer noch.
12.
Therefore, my brothers, therefore, sisters dear,
However I, troubled or selfish, fail
In tenderness, or grace, or service clear,
I every moment draw to you more near;
God in us from our hearts veil after veil
Keeps lifting, till we see with his own sight,
And all together run in unity’s delight.
12.
Daher, meine Brüder, daher, liebe Schwestern,
Wie ich auch, in Kummer oder Eigensinn fehlgehe
In Sanftmut, Erbarmen oder aufrechtem Dienst,
Nahe ich mich euch in jedem Augenblick mehr;
Schleier um Schleier von unseren Herzen lüftet
Gott in uns, bis wir mit seinen Augen sehen,
Und miteinander in Wonne der Einheit gehen.
13.
I love thee, Lord, for very greed of love–
Not of the precious streams that towards me move,
But of the indwelling, outgoing, fountain store.
Than mine, oh, many an ignorant heart loves more!
Therefore the more, with Mary at thy feet,
I must sit worshipping–that, in my core,
Thy words may fan to a flame the low primeval heat.
13.
Ich liebe dich, Herr, um der puren Gier der Liebe willen–
Nicht von den kostbaren Strömen, die sich zu mir bewegen,
Sondern vom Hort der innewohnenden, sprudelnden Quelle her.
Mehr als meines liebt so manches unwissende Herz!
Daher umso mehr, mit Maria zu deinen Füßen,
Muss ich sitzen, anbetend–dass, in meinem Kern,
Deine Worte entfachen mögen zur Flamme die urhafte Glut.
14.
Oh my beloved, gone to heaven from me!
I would be rich in love to heap you with love;
I long to love you, sweet ones, perfectly–
Like God, who sees no spanning vault above,
No earth below, and feels no circling air–
Infinitely, no boundary anywhere.
I am a beast until I love as God doth love.
14.
Oh, Geliebte, von mir zum Himmel gegangen!
Ich wär reich an Liebe, euch mit Liebe zu überhäufen;
Ich sehne mich, euch vollkommen zu lieben, ihr Süßesten,–
Wie Gott, welcher keine Wölbung über sich sieht,
Keine Erde unter sich und keinen Windhauch fühlt–
Unendlich, keine Grenze, nirgendwo.
Ich bin ein Tier, bis ich liebe, wie Gott liebt.
15.
Ah, say not, ‚tis but perfect self I want
But if it were, that self is fit to live
Whose perfectness is still itself to scant,
Which never longs to have, but still to give.
A self I must have, or not be at all:
Love, give me a self self-giving–or let me fall
To endless darkness back, and free me from life’s thrall.
15.
Ah, sag nicht, ich will nur vollkommenes Selbst,
Denn wäre dieses Selbst zu leben im Stande,
Seine Vollkommenheit wäre sich selbst zu wenig,
Niemals sehnt es sich zu haben, sondern zu geben.
Ein Selbst muss ich haben, oder gar nicht sein:
Liebe, gib mir sich selbst gebendes Selbst–oder lass mich fallen
In endloses Dunkel zurück, befrei mich von des Lebens Banden.
16.
„Back,“ said I! Whither back? How to the dark?
From no dark came I, but the depths of light;
From the sun-heart I came, of love a spark:
What should I do but love with all my might?
To die of love severe and pure and stark,
Were scarcely loss; to lord a loveless height–
That were a living death, damnation’s positive night.
16.
„Zurück,“ sagte ich! Wohin zurück? Wie ins Dunkel?
Aus keinem Dunkel kam ich, sondern aus des Lichtes Tiefen;
Aus dem Herz der Sonne, von der Liebe ein Funken:
Was sollte ich tun, als nur zu lieben mit aller Macht?
Zu sterben an Liebe, ernst und rein und voller Kraft,
Wäre schwerlich Verlust; eine lieblose Höhe zu ehren–
Dies wäre lebendiger Tod, der Verdammung rechte Nacht.
17.
But love is life. To die of love is then
The only pass to higher life than this.
All love is death to loving, living men;
All deaths are leaps across clefts to the abyss.
Our life is the broken current, Lord, of thine,
Flashing from morn to morn with conscious shine–
Then first by willing death self-made, then life divine.
17.
Doch Liebe ist Leben. An Liebe zu sterben ist also
Der einzige Weg zu höherem Leben als diesem.
Alle Liebe ist Tod für liebende, lebende Menschen;
Alle Tode sind Sprünge über Klippen am Abgrund.
Unser Leben ist der gebrochene Lauf, Herr, deines Flusses,
Aufblitzend von Morgen zu Morgen im herrlichen Glanz–
Also durch williges Sterben zuerst, kommt also göttliches Leben.
18.
I love you, my sweet children, who are gone
Into another mansion; but I know
I love you not as I shall love you yet.
I love you, sweet dead children; there are none
In the land to which ye vanished to go,
Whose hearts more truly on your hearts are set–
Yet should I die of grief to love you only so.
18.
Ich lieb euch, meine süßen Kinder, die ihr seid
Gegangen in ein anderes Haus; doch ich weiß
Ich lieb euch noch nicht, wie ich euch lieben sollte.
Ich lieb euch, süße tote Kinder; da ist niemand
In dem Land, zu welchem ihr entschwunden seid,
Dessen Herze wahrhaftiger an euren Herzen hängt–
Doch wollt ich vor Kummer sterben, um euch so zu lieben.
19.
„I am but as a beast before thee, Lord.“–
Great poet-king, I thank thee for the word.–
Leave not thy son half-made in beastly guise–
Less than a man, with more than human cries–
An unshaped thing in which thyself cries out!
Finish me, Father; now I am but a doubt;
Oh! make thy moaning thing for joy to leap and shout.
19.
Ich bin nur wie ein Tier vor dir, Herr.“–
Großer Dichter-König, ich dank dir für das Wort.–
Lass deinen Sohn nicht halb-fertig in tierischem Kleide–
Weniger als ein Mensch, mit übermenschlichen Schreien–
Ein ungestaltet Ding, aus welchem du selber schreist!
Vollende mich, Vater; jetzt bin ich nur ein Zweifel;
Oh mach, dass dein jammervolles Ding jubelt und springt!
20.
Let my soul talk to thee in ordered words,
O king of kings, O lord of only lords!–
When I am thinking thee within my heart,
From the broken reflex be not far apart.
The troubled water, dim with upstirred soil,
Makes not the image which it yet can spoil:–
Come nearer, Lord, and smooth the wrinkled coil.
20.
Lass meine Seele geordnet sprechen zu dir,
Oh König der Könige, Oh Herr der Herrn!–
Wenn ich dich denke in meinem Herzen,
Sei dieser Brechung nicht allzu fern.
Das bewegte Wasser, schlammig aufgewirbelt,
Wirft nicht das Bild, welches es doch verderben kann:–
Komm näher, Herr, und glätte den zerfurchten Strudel.
21.
O Lord, when I do think of my departed,
I think of thee who art the death of parting;
Of him who crying Father breathed his last,
Then radiant from the sepulchre upstarted.–
Even then, I think, thy hands and feet kept smarting:
With us the bitterness of death is past,
But by the feet he still doth hold us fast.
21.
Oh Herr, wenn ich an meine Verstorbenen denke,
Denk ich an dich, der du der Tod der Trennung bist;
An ihn, welcher Vater schreiend seinen letzten Atem tat,
Dann leuchtend aus dem Grabe auferstand.–
Selbst dann, denk ich, schmerzten deine Händ´ und Füße noch;
Bei uns ist die Bitternis des Todes vergangen,
Doch an den Füßen hält er uns noch immer fest.
22.
Therefore our hands thy feet do hold as fast.
We pray not to be spared the sorest pang,
But only–be thou with us to the last.
Let not our heart be troubled at the clang
Of hammer and nails, nor dread the spear’s keen fang,
Nor the ghast sickening that comes of pain,
Nor yet the last clutch of the banished brain.
22.
Darum halten unsre Hände deine Füße genauso fest.
Wir bitten nicht, verschon zu sein vom ärgsten Schmerz,
Sondern nur–sei du mit uns bis zuallerletzt.
Lass unsere Herzen nicht bekümmert sein beim Schlag
Von Hammer und Nägeln, uns nicht fürchten vor dem Speer,
Nicht vor dem grausen Übel, das vom Schmerz herkommt,
Nicht vor dem letzten Krampf der verlöschenden Gedanken.
23.
Lord, pity us: we have no making power;
Then give us making will, adopting thine.
Make, make, and make us; temper, and refine.
Be in us patience–neither to start nor cower.
Christ, if thou be not with us–not by sign,
But presence, actual as the wounds that bleed–
We shall not bear it, but shall die indeed.
23.
Herr, erbarm dich über uns: wir haben keine Schöpfer-Kraft;
Also gib uns Schöpfer-Willen, deinen annehmend.
Schaffe, schaffe und schaffe uns; gestalte und veredle uns.
Sei in uns Geduld–weder zu flüchten noch zu kauern.
Christus, wenn du nicht mit uns bist–nicht durch Zeichen,
Sondern gegenwärtig, wahrhaftig wie die Wunden, die bluten–
Können wir es nicht ertragen, sondern werden tatsächlich sterben.
24.
O Christ, have pity on all men when they come
Unto the border haunted of dismay;
When that they know not draweth very near–
The other thing, the opposite of day,
Formless and ghastly, sick, and gaping-dumb,
Before which even love doth lose his cheer:
O radiant Christ, remember then thy fear.
24.
Oh Christus, erbarme dich über alle Menschen, wenn sie
Zur Grenze kommen, von Verzweiflung heimgesucht;
Wenn das, was sie nicht kennen, ihnen naht—
Das ganz Andere, das Gegenstück des Tages,
Gestaltlos, grausig, übel und dumpf-klaffend,
Wovor selbst Liebe ihre Fröhlichkeit verliert:
Oh strahlender Christus, dann erinnre deine Furcht.
25.
Be by me, Lord, this day. Thou know’st I mean–
Lord, make me mind thee. I herewith forestall
My own forgetfulness, when I stoop to glean
The corn of earth–which yet thy hand lets fall.
Be for me then against myself. Oh lean
Over me then when I invert my cup;
Take me, if by the hair, and lift me up.
25.
Sei mit mir, Herr, an diesem Tag. Du weißt, ich mein–
Herr, lass mich an dich denken. Hiermit wehre ich
Meiner eigenen Vergesslichkeit, wenn ich mich bücke,
Der Erde Korn zu sammeln–welches deine Hände streuten.
Sei für mich gegen mich selbst. Oh beuge dich
Über mich, wenn ich mein Gefäß umkehre;
Nimm mich, notfalls beim Schopf, und richt´ mich auf.
26.
Lord of essential life, help me to die.
To will to die is one with highest life,
The mightiest act that to Will’s hand doth lie–
Born of God’s essence, and of man’s hard strife:
God, give me strength my evil self to kill,
And die into the heaven of thy pure will.–
Then shall this body’s death be very tolerable.
26.
Herr des ursprünglichen Lebens, hilf mir zu sterben.
Sterben zu wollen ist eins mit höchstem Leben,
Der mächtigste Akt, der in der Hand des Wollens liegt–
Geboren aus Gottes Wesen und des Menschen hartem Kampf:
Gott, gib mir Kraft, mein böses Selbst zu töten,
Und zu sterben in den Himmel deines reinen Willens.–
Dann wird der Tod dieses Leibes recht erträglich sein.
27.
As to our mothers came help in our birth–
Not lost in lifing us, but saved and blest–
Self bearing self, although right sorely prest,
Shall nothing lose, but die and be at rest
In life eternal, beyond all care and dearth.
God-born then truly, a man does no more ill,
Perfectly loves, and has whate’er he will.
27.
Wie unsern Müttern Hilfe kam bei unsrer Geburt–
Nicht verloren, sondern gerettet und gesegnet–
Selbst gebärend Selbst, obwohl recht hart bedrängt,
Wird nichts verlieren, sondern sterben und ruhen
Im ewigen Leben, jenseits allen Sorgens und Darbens.
Also wahrhaft Gott-geboren, tut ein Mensch kein Übel mehr,
Liebt vollkommen und hat, was immer er auch will.
28.
As our dear animals do suffer less
Because their pain spreads neither right nor left,
Lost in oblivion and foresightlessness–
Our suffering sore by faith shall be bereft
Of all dismay, and every weak excess.
His presence shall be better in our pain,
Than even self-absence to the weaker brain.
28.
Wie unsere lieben Tiere weniger leiden,
Weil ihr Schmerz sich weder links noch rechts verbreitet,
Verloren in Vergessen und Unvorhersehbarkeit–
Wird unser wehes Leiden durch Glaube beraubt sein
Aller Verzweiflung, und von jedem schwachen Ausschlag.
Seine Gegenwärtigkeit wird unserm Schmerze besser sein,
Als die Bewusstlosigkeit dem geschwächten Geist.
29.
„Father, let this cup pass.“ He prayed–was heard.
What cup was it that passed away from him?
Sure not the death-cup, now filled to the brim!
There was no quailing in the awful word;
He still was king of kings, of lords the lord:–
He feared lest, in the suffering waste and grim,
His faith might grow too faint and sickly dim.
29.
„Vater lass diesen Kelch vorüberziehen.“ Bat er–wurde gehört.
Welcher Kelch war es, der an ihm vorbeizog?
Gewiss nicht der Toten-Kelch, bis zum Rand gefüllt!
Da war kein Verzagen im schrecklichen Wort;
Er war immer noch König der Könige, Herr der Herren:–
Er fürchtete eher, dass im wüsten, grimmen Leiden,
Sein Glaube zu schwach und kränklich trübe würde.
30.
Thy mind, my master, I will dare explore;
What we are told, that we are meant to know.
Into thy soul I search yet more and more,
Led by the lamp of my desire and woe.
If thee, my Lord, I may not understand,
I am a wanderer in a houseless land,
A weeping thirst by hot winds ever fanned.
30.
Deinen Geist, mein Meister, wag ich zu erforschen;
Was uns gesagt worden ist, das sollen wir wissen.
In deiner Seele forsche ich mehr und mehr,
Geleitet durch das Licht meines Sehnens und Schmachtens.
Wenn ich dich, mein Herr, nicht verstehen kann,
Bin ich ein Wanderer in unbehaustem Land,
Weinender Durst, stets angefacht von heißem Wind.
31.
Therefore I look again–and think I see
That, when at last he did cry out, „My God,
Why hast thou me forsaken?“ straight man’s rod
Was turned aside; for, that same moment, he
Cried „Father!“ and gave up will and breath and spirit
Into his hands whose all he did inherit–
Delivered, glorified eternally.
31.
Daher halt ich Ausschau–und denk, ich sehe,
Dass, wie er als Letztes rief, „Mein Gott,
Warum hast du mich verlassen?“ Des Menschen Rute
Auf die Seite wurd´ getan; denn, im selben Augenblick
Rief er „Vater!“, gab auf Willen, Atem und Geist
In seine Hände, deren Alles er erbte–
Erlöst, verherrlicht in Ewigkeit.

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