Pan, Gott des Waldes

Pan tröstet Psyche
Pan sehnt sich nach Selene
Pan tanzt mit einer Nymphe

Neben-Pfade abzuschreiten, auf die man durch Beschäftigung mit einem Thema geleitet wird, ist eine meiner Leidenschaften. Auf diese Weise ist es passiert, dass ich durch die Faszination für die sogenannte „dunkle Seite“ von Weihnachtstraditionen auf die Spur eines gestohlenen Gesichtes gestoßen bin.

Neben den Lichtgestalten von Sankt Nikolaus, dem Märchen vom Weihnachtsmann, dem hell strahlenden Christkind und pausbäckigen Kindsengeln, finden sich schwarze Gestalten, die mitunter eine eigentümliche Dominanz entwickeln. Krampusse und Schwarze Peter.

So hat in der dunklen Jahreszeit und bei allen Festen, die irgendwie mit Wandel oder dem Wechsel von Licht und Dunkel zu schaffen haben, auch die gehörnte Gestalt des Teufels ihren Auftritt.

Dass der Teufel Hufe und Hörner hat, ist uns mittlerweile ein so selbstverständliches Bild, wir hinterfragen diese Fantasie gar nicht mehr. Ob nun ein Christenmensch an einen personifizierten Satan glaubt oder das Böse und die Versuchung eher als abstrakt wirkende Kraft in Welt und Seele nimmt – das Bild in allen Köpfen – auch in atheistischen Köpfen wohlgemerkt – ist immer dasjenige des Gehörnten.

Woher kommt dieses Gesicht? Nun, wie immer es geschehen ist – durch Mutwille, Zufall, Geschmack oder Absicht – die Gestalt des antiken Gottes Pan hat unserer modernen Vorstellung eines Teufels ihr Gesicht gegeben.

Warum? Weil der Gott des dunklen, undurchdringlichen Waldes vielleicht ein Sinnbild ist für alles, was uns fremd, unverständlich und unzivilisiert erscheint. Wir verfremden und verteufeln es. Wir verlagern die Schatten unserer inneren Ängste und Zornigkeiten ins Äußerliche und müssen dem Feind, den wir hassen, ein hassenswertes Gesicht geben.

Wild und ungezähmt, und ja, auch geil, ist der Gott des Waldes. Er verkörpert das Schamlose, Ungebundene, das Triebhafte.

Nun ist der Witz an der Sache der, dass wir als Menschen Teil des Ganzen sind. Wir sind Wesen mit dunklen Seiten, mit wilden Seiten, mit Trieben. Was nicht per se etwas Schlechtes ist. Es gehört zu uns, es will angesehen werden, ohne dass es hinter einem gestohlenen Gesicht verborgen wird. Nur dann hat alles, was urtümlich ist, was wild und freudig und wütend in uns wartet, eine Chance zu kreativer Kraft zu werden und zu dem Tanz einer Seele, die weiß, dass der Trost in ihrer eigenen Wildheit liegt.

Im Wilden liegt auch eine Zärtlichkeit, die überraschen kann. Eine Zuflucht vor den Zwängen, die uns auferlegt sind oder die wir uns selbst auferlegt haben.

Es ist diese Sehnsucht, die erfüllt wird, wenn ein Mensch in den dunklen Wald der Welt tritt und tief einatmet ohne Angst vor den Schatten und der Panik, die sie verbreiten.