Joab – Kapitel 18 – Dawid und die Philister II

Joab

Dawid und die Philister II

Dawid war unter den Philistern, wie es Schaul fürchtete. Er hielt sich mit seinen Mannen zum Lager Achischs von Gat. Doch er zog nur bis Jesreel mit, wo alle fünf Heerlager zusammentrafen. Dawid und seine Vertrauten wurden zu den Königen und ihren Heerführern gerufen.

„Was haben diese Hebräer hier mit uns zu schaffen?“, fragte sogleich einer von den Unbeschnittenen.

Achisch sprach für sie. „Es ist Dawid, Schauls Heerführer. Er ist in meinem Gefolge und nichts Arges habe ich an ihm gefunden in der ganzen Zeit, in der er bei mir gewesen ist, abgefallen vom König Israels.“

„Schicke ihn zurück! Wir brauchen ihn nicht. Ist er nicht der, von dem sie gesungen haben, er habe allein Zehn Tausend Philister erschlagen? Denkt an Goliath, wie er ihn gefällt hat!“, rief einer.

„Er kann nicht mit uns gegen Schaul ziehen! Wie sollte das zugehen? Er wird sich in der Schlacht umwenden, gegen uns. Sende ihn zurück nach Ziklag, diesen entlaufenen Hebräer!“, rief ein anderer.

Joab sah zu Dawid hinüber. Der war keineswegs beleidigt oder beunruhigt, sondern blieb ganz die Lieblichkeit und Freundlichkeit Ruths. Die Dinge entwickelten sich so, wie er sie wollte. Und Joab nickte verständig. Diesem König wollte er folgen. Wie klug es doch gewesen war, die Philister so im Ungewissen zu lassen und eine eigene Stadt zu fordern. Wie klug es doch war, sie im Rücken unmerklich zu schwächen. Joab wollte sein Schwert für seinen Onkel in jeder Schlacht erheben und jeden erschlagen, den Dawid erschlagen sehen wollte. Dies hier war sein König und sein Platz war an seiner Seite.

Achisch wand sich und bemühte sein ganzes Geschick, um die übrigen Fürsten und Heerführer zu überzeugen. Doch nichts konnte die anderen vier Könige dazu bewegen, Dawid in ihren Zug mit aufzunehmen.

Achisch nahm Dawid zur Seite. „So wahr dein Gott, der Lebendige, lebt. Du bist ein aufrechter Israelit. Mir wäre es recht gewesen, wenn du und deine Männer mit mir gezogen wäret. Nichts Unehrenhaftes kann ich an dir finden von dem Tag an, seit du zu mir gekommen bist. Doch die anderen Könige, sie finden keinen Gefallen an dir. Bitte, so zieh doch zurück mit deinen Mannen. Zwischen uns soll nichts stehen. Doch kehre zurück an deinen Ort.“

„Was habe ich getan, dass ich dir missfallen könnte, in all der Zeit, die ich dir gedient habe, bis heute, dass du mich nun so ehrlos zurückschickst? Zwischen uns ist ein Bund. Schaul ist dein und mein Feind. Warum sollte ich nicht kämpfen?“

Und Joab sah, dass Dawid auch gegen Schaul gezogen wäre, denn diese Schlacht schien von Jah selbst bestimmt zu sein. War nicht erst ein Bote Jonathans zu ihnen gedrungen und hatte ihnen berichtet? Schaul wäre völlig von Sinnen. Er hätte eine der Totenbeschwörerinnen aufgesucht, um Schmuel zurückzuholen und ihn zur Schlacht zu befragen.

Dawids Gesicht war dunkel geworden und Joabs Mitleiden für den alten König war gänzlich erstorben. Wie konnte ein König über Israel sich nur den schwachen Göttern und Geistern der fremden Völker anvertrauen, um in einer Schlacht zu siegen? Ein König über das Volk Jahs musste kämpfen und sterben, wenn es der Wille des Höchsten war. Nichts ging über dieses Urteil.

Stattdessen hatte sich Schaul umgewandt und den Scheol befragt. Joab nickte seinem Onkel zu. Schaul war des Todes. Er hatte die Schlacht jetzt schon verloren. Nun war es gleich, ob sie mit Achisch kämpften oder nicht. Zogen sie mit ihm, hätten sie auch nach der Schlacht einen Verbündeten in ihm. Kehrten sie an ihren Ort zurück, würden sie ihren Verbündeten zwar verlieren, denn nichts verband sie mehr, wenn Dawid nicht seinen Teil erfüllen könnte, doch sie würden nicht gegen ihre Brüder kämpfen müssen.

Achisch wand sich auch vor Dawid beinahe verzweifelt und sagte: „Wahrhaftig! Dein Angesicht ist mir wie das Angesicht eines Engels des Höchsten Gottes selbst!“ Niemand konnte sich der Freundlichkeit Dawids entziehen. Aber für die Philister war er nun verloren.

Am nächsten Morgen brachen die Sechs Hundert auf und zogen zurück nach Ziklag, zurück zu ihren Frauen und Kindern. Der Scheol war heute nicht ihr Teil.