Die Hoffnung des Evangeliums – George MacDonald
Jesus in the World – Jesus in der Welt
„Sohn, warum hast du uns das getan? Siehe, dein Vater und ich haben dich mit Schmerzen gesucht. Und er sprach zu ihnen: Warum habt ihr mich gesucht? Wusstet ihr nicht, dass ich sein muss in dem, was meines Vaters [Angelegenheit] ist? Und sie verstanden das Wort nicht, das er zu ihnen sagte.“ – Lukas 2, 48 – 50

War dies seine Aussage? Warum verstanden sie sie nicht? Verstehen wir sie? Was bedeutete seine Aussage? Das Griechische ist nicht völlig klar. Ob die aramäischen Worte, die er verwendete, präziser waren, wer in dieser Welt kann das sagen? Doch hätten wir seine eigentlichen Worte gehört, hätten auch wir, mit seinem Vater und seiner Mutter, verfehlt, sie zu verstehen? Müssen wir immer noch darin fehlen?
Es wird sofort aufzeigen, wo unsere anfängliche Schwierigkeit liegt, wenn ich die letzte Hälfte der Aussage wiedergebe, wie sie in der revidierten englischen Version dargelegt ist: ihre Abweichung von der autorisierten Version offenbart den verborgenen Punkt: – „Wisst ihr nicht, dass ich im Haus meines Vaters sein muss?“ Seine Eltern hatten seine genauen Worte, doch verstanden sie nicht. Wir haben nicht seine genauen Worte und sind im Zweifel darüber, was ihre griechische Übersetzung bedeutet.
Wenn die autorisierte Übersetzung der Absicht des Griechischen entspräche und daher der des Aramäischen, wie konnten seine Eltern verfehlen, ihn kennend wie sie ihn kannten von allem, das ihn betreffend zuvor gesprochen war, von allem, was sie ihn ihm gesehen hatten, von den Überlegungen in Mariens eigenem Herzen und von den kostbaren Gedanken, die sie und Joseph ihn betreffend teilten, ihn zu verstehen, als er sagte, dass, wo immer er war, er in der Angelegenheit seines Vaters unterwegs sein musste? Auf der anderen Seite, wenn man annimmt, dass sie wussten und fühlten, er musste in der Angelegenheit seines Vaters unterwegs sein, wäre das ein hinreichender Grund für den Herrn gewesen, in Hinsicht auf den Grad der geistlichen Entwicklung, welche sie erlangt hatten, von ihnen zu erwarten, dass sie nicht besorgt um ihn sein sollten, wenn sie ihn verloren hatten? Tausende und Abertausende, welche Gott für ihre Freunde in den geistlichen Dingen vertrauen, vertrauen ihm nicht in Bezug auf ihre bloße Gesundheit oder materielles Wohlergehen. Seine Eltern wussten, wie Propheten im Lande immer behandelt worden waren; oder, wenn sie nicht in diese Richtung dachten, gab es viele Gefahren, welchen ein Junge wie er ausgesetzt scheinen würde, um Besorgnis zu erregen, der nur durch einen Glauben gleich diesem begegnet werden könnte zu sagen: „Was immer ihm zugestoßen ist, selbst der Tod, es kann nichts Böses sein für einen, welcher in der Angelegenheit seines Vaters unterwegs ist.“ Und solch einen Glauben, denke ich, könnte der Herr noch nicht von ihnen erwartet haben. Das, was die Welt für Unglück hält, mag ihn befallen, während er in der Angelegenheit seines Vaters unterwegs ist, würde von ihm erkannt worden sein, denke ich, als Grund für ihre elterliche Sorge – so lange, wie sie noch nicht von Gott gelernt hatten – dass er ist, was er ist – eben die Sache, die den Männern und Frauen seines Vaters zu lehren, er gekommen ist. Seine Worte scheinen eher zu implizieren, dass es gar keine Notwendigkeit gab, um seine persönliche Sicherheit besorgt zu sein. Angst vor irgendeinem Unfall scheint die Ursache für ihren Kummer gewesen zu sein; und er meinte nicht, denke ich, dass sie sich nicht darum kümmern sollten, ob er stirbt, während er den Willen seines Vaters tut, sondern, dass er in keinerlei Gefahr war in Bezug auf einen Unfall oder ein Unglück. Dies wird umso deutlicher erscheinen, wenn wir fortfahren. So viel zur autorisierten Version.
Lasst uns nun die Übersetzung der revidierten Version vornehmen: – „Wisst ihr nicht, dass ich in meines Vaters Haus sein muss?“
Sind sie dazu autorisiert, das Griechische solcherart zu übersetzen? Ich kenne keine Rechtfertigung dafür, doch bin nicht gelehrt genug, um zu sagen, dass sie keine haben. Ob das Aramäische es so sagt, ist von wenig Gewicht; wenn wir erkennen, dass es kein ursprüngliches Aramäisch, sondern eine Wiederübersetzung ist. Wenn er sagte „meines Vaters Haus“, könnte er den Tempel gemeint haben und seine Eltern nicht gewusst haben, was er meinte? Und warum sollte er es für vorausgesetzt gehalten haben, dass sie es wissen würden, oder beurteilt haben, dass sie es hätten wissen müssen, dass er dort war? So wenig vermittelte es ihnen der Tempel selbst, dass er entweder der letzte Ort war, an welchem sie ihn suchten oder sie zuvor da gewesen waren und ihn nicht gefunden hatten. Wenn er meinte, dass sie dies hätten wissen müssen, ohne dass es ihnen gesagt wurde, warum war es dann so, dass, selbst als er ihnen die Sache erklärte, sie ihn nicht verstanden? Ich glaube nicht, dass er den Tempel meinte; ich denke nicht, dass er sagte oder meinte „in meines Vaters Haus“.
Was also lässt jene, welche uns diese Übersetzung geben, sie der Wendung in der autorisierten Version vorziehen, „in der Angelegenheit meines Vaters“?
Der eine oder der andere von zwei Gründen – am wahrscheinlichsten beide zusammen: eine ekklesiastische Vorstellung und die bloße Tatsache, dass er im Tempel gefunden wurde. Ein ekklesiastischer Geist wird den Tempel als den passendsten, daher allerwahrscheinlichsten Ort für den Sohn Gottes annehmen, sich dorthin zu begeben, doch solch ein Geist wäre nicht der erste, um zu bedenken, dass der Tempel ein Ort war, wo der Vater weder im Geist noch in der Wahrheit angebetet wurde – ein Ort erbaut von einem der übelsten Herrscher dieser Welt, weniger passend als viele andere Plätze für die besondere Gegenwart von ihm, von welchem der Prophet Zeugnis ablegt: „Denn so spricht der Hohe und Erhabene, der ewig wohnt, dessen Name heilig ist: Ich wohne in der Höhe und im Heiligtum und bei denen, die zerschlagenen und demütigen Geistes sind, auf dass ich erquicke den Geist der Gedemütigten und das Herz der Zerschlagenen.“ Jesus selbst nannte den Tempel mit demselben Atem, durch welchen er ihn seines Vaters Haus nannte, eine Räuberhöhle. Seine Austreibung der Käufer und Verkäufer war der erste Schlag mit dem Fächer, mit welchem er gekommen war, das Reich seines Vaters zu säubern. Nichts konnte jemals dieses Haus säubern; sein Wedeln erhob sich zum Sturmwind und wischte es hinaus aus der Welt seines Vaters.
Für den zweiten möglichen Grund der Veränderung von Angelegenheit zu Tempel – kann die bloße Tatsache, dass er im Tempel gefunden wurde, kaum eine Begründung dafür sein, dass er von seinen Eltern erwartet zu wissen, dass er dort war; und wenn es irgendeine Art zu denken oder eine Gewohnheit von ihm bezeugte, mit welcher sie vertraut waren, ist es, wiederhole ich, schwierig zu erkennen, warum die Eltern verfehlen sollten wahrzunehmen, was die Ausleger so einfach herausgefunden haben. Doch die Eltern schauten nach einer größeren Bedeutung in den Worten eines solchen Sohnes aus – deren Bedeutung zugleich zu groß für sie war, diese herauszufinden.
Wenn, nach dem Griechischen, der Herr bei der Gelegenheit, auf die bereits angespielt wurde, sagt „meines Vaters Haus“, sagt er es deutlich; er benutzt das Wort Haus: hier tut er es nicht.
Lasst uns sehen, was im Griechischen liegt, um uns zum Gedanken im Geist des Herrn zu leiten, wenn er sich solcherart mit den Befürchtungen seines Vaters und seiner Mutter auseinandersetzt. Das Griechische, wörtlich genommen, sagt: „Wisst ihr nicht, dass ich sein muss in den – – meines Vaters?“ Die autorisierte Version liefert Angelegenheit; die revidierte Haus. Da ist kein Nomen im Griechischen und der Artikel ist im Plural. Um es so wörtlich zu übersetzen, wie es übersetzt werden kann, daraus einen Englischen Satz machend, steht die Aussage so da: „Wisst ihr nicht, dass ich in den Dingen meines Vaters sein muss?“ Der Artikel im Plural impliziert das Dinge; und die Frage ist also, Welche Dinge meint er? Das Wort mag Angelegenheiten oder Aufgaben bedeuten; doch warum der Artikel im Plural darauf bezogen sein sollte, Haus zu bedeuten, weiß ich nicht. In einem sehr weiten Sinne, zweifellos, mag das Wort Haus benutzt werden, wie ich dabei bin aufzuzeigen, doch sicherlich nicht als Tempel bedeutend.
Er argumentierte für Vertrauen in Gott auf Seiten seiner Eltern, nicht für ein Wissen über seinen Aufenthalt. Dieselbe Sache, die sie in Bezug auf ihn ängstlich sein ließ, hinderte sie daran, seine Worte zu verstehen – ein Mangel nämlich an Glauben an den Vater. Dieses, die eine Sache, sie die Menschen zu lehren, für die er in die Welt kam, dazu waren die Worte gedacht, es seine Eltern zu lehren. Sie sind Geist und Leben, das eine Prinzip einschließend, nach welchem die Menschen leben sollen. Sie enthalten denselben Kern wie seine Worte an seine Jünger im Sturm: „Oh, ihr Kleingläubigen!“ Lasst uns sie näher betrachten.
„Warum habt ihr nach mir gesucht? Wusstet ihr nicht, dass ich in den Dingen meines Vaters sein muss?“ Was sollen wir verstehen unter „den Dingen meines Vaters“? Die Übersetzung, die in der autorisierten Version wiedergegeben wird, denke ich, ist, was die Worte selbst angeht, eine durch und durch gerechtfertigte: „Ich muss in der Aufgabe meines Vaters sein“ oder „in den Angelegenheiten meines Vaters“; ich lehne sie aus keinem anderen Grund ab, als dass sie nicht in die Logik der Erzählung passt, wie es das Wort Dinge tut, welches uns nebenbei eine Tür von großer und freudenvoller Aussicht öffnet. Natürlich war er über den Angelegenheiten seines Vaters und sie mögen es gewusst haben und doch ängstlich um ihn gewesen sein, nicht einen vollkommenen Glauben an diesen Vater habend. Doch, wie ich bereits gesagt habe, war es nicht Besorgnis darüber, was ihm widerfahren könnte, weil er den Willen des Vaters tut; er mag ihnen wohl als noch zu jung für Gefahr aus dieser Quelle erschienen sein; es waren nur die vagen Gefahren des Lebens jenseits ihrer Aufsicht, die sie schreckten; es war nur das Unbehagen, das alle Eltern befällt, deren Kind vermisst wird; und wenn sie, wie er, auf den Vater vertraut hätten, hätten sie jetzt gewusst, was ihr Sohn meinte, als er sagte, dass er inmitten der Dinge seines Vaters war – nämlich, dass gerade die Dinge, von welchen sie böse Unfälle befürchteten, seine eigene heimatliche Umgebung waren; dass er die Angelegenheiten seines Vaters nicht in einem fremden Land erledigte, sondern im eigenen Haus des Vaters. Verstanden als die Welt bedeutend, oder das Universum, wäre die Wendung „meines Vaters Haus“, die bessere Übersetzung als die autorisierte; verstanden als den ärmlichen, elenden, Gott-verlassenen Tempel bedeutend – nicht mehr das Haus Gottes als ein toter Leib das Haus eines Menschen ist – ist sie maßlos unterlegen.
Es scheint mir, sage ich, dass der Herr ihnen bedeuten wollte, oder vielmehr ihnen das Gefühl vermitteln wollte, denn sie hatten noch nicht die Tatsache erlernt, dass er niemals fort von zu Hause war, nicht verloren sein könnte, wie sie gedacht hatten, dass er es war; dass er die ganze Zeit im Haus seines Vaters war, wo ihm kein Schaden widerfahren konnte. „Die Dinge“ um ihn herum waren die Möbel und Gebrauchsgegenstände seines Heims; er kannte sie alle und wusste, wie sie zu gebrauchen. „Ich muss sein in dem, was meinem Vater gehört.“ Die Welt war sein Heim, weil sie das Haus seines Vaters war. Er war kein Fremder, welcher seinen Weg darin nicht findet. Er war kein verlorenes Kind, sondern die ganze Zeit bei seinem Vater.
Hier finden wir eine Hauptsache, worin sich der Herr von uns unterscheidet: wir sind nicht zu Hause in diesem großartigen Universum, dem Haus unseres Vaters. Wir sollten es sein und eines Tages werden wir es sein, doch wir sind es noch nicht. Dies offenbart Jesus als mehr als ein Mensch, indem es ihn als mehr Mensch offenbart als wir sind. Wir sind keine vollständigen Menschen, wir sind dem nicht einmal nahe, und sind daher nicht in Harmonie, mehr oder weniger, mit allem im Haus unserer Geburt und unseres Aufenthalts. Immer darum ringend, unser Heim in der Welt zu errichten, haben wir noch keinen Erfolg gehabt. Wir sind in ihr nicht zu Hause, weil wir nicht bei dem Herrn des Hauses zu Hause sind, dem Vater der Familie, nicht eins sind mit unserem älteren Bruder, welcher seine rechte Hand ist. Nur der Sohn, die Tochter, bleibt für immer im Haus. Wenn wir wahrhaftige Kinder sind, wird, wenn nicht die Welt, dann das Universum unser Heim sein, als solches empfunden und erkannt, das Haus, mit dem wir zufrieden sind und es nicht ändern wollten. Daher rührt, bis dahin, das harte Ringen, der fortgesetzte Streit, den wir mit der Natur austragen – wie wir die Dinge des Vaters nennen; ein Streit von unschätzbarem Wert für unsere Entwicklung und zur selben Zeit uns als noch nicht Mensch genug offenbarend, um die Herren des Hauses zu sein, das für uns gebaut wurde, um darin zu leben. Wir können darin nicht herrschen und befehlen, wie der Herr es tat, weil wir nicht eins sind mit seinem Vater, daher weder in Harmonie mit seinen Dingen noch Herrscher über sie. Unsere beste Macht in Bezug auf sie ist nur, wundervolle Tatsachen über sie und ihre Beziehungen untereinander herauszufinden und diese Tatsachen in unseren eigenen Systemen uns zu Nutze zu machen. Denn wir entdecken, was wir zu entdecken scheinen, indem wir uns von außen nach innen vorarbeiten, während er nach außen wirkt von innen heraus; und wir werden die Welt nie verstehen, bis wir sie in der Richtung sehen, in welche er wirkt, indem er sie erschafft – nämlich von innen nach außen. Dies können wir natürlicherweise nicht tun, bis wir eins mit ihm sind. In der Zwischenzeit, so viel sind beide, wir und seine Dinge, sein Eigen, dass wir in Bezug auf sie nur insoweit irren können, als er es möglich gemacht hat für uns zu irren; wir können nur in Richtung der Wahrheit wandern – wenn es auch nur ist, um herauszufinden, dass wir nichts finden können.
Denkt für einen Augenblick daran, wie Jesus zu Hause war unter den Dingen seines Vaters. Es scheint mir, wiederhole ich, eine geistlose Erklärung seiner Worte – dass der Tempel der Ort war, wo er natürlicherweise zu Hause war. Erhebt er die geringste Klage über den Tempel? Es ist Jerusalem, über das er weint – die Menschen von Jerusalem, die Mörder, die Steinewerfer. Was war der Ort seines Gebetes? Nicht der Tempel, sondernd die Bergkuppe. Wo findet er Symbole, durch welche er von dem spricht, was vor sich geht im Geist und vor dem Angesicht seines Vaters im Himmel? Nicht im Tempel; nicht in seinen Ritualen; nicht auf seinem Altar; nicht in seinem Allerheiligsten; er findet sie in der Welt und in ihren lieblich-niederen Tatsachen; am Wegesrand, auf dem Feld, im Weinberg, im Garten, im Haus; in der Familie und den gewöhnlichsten ihrer Angelegenheiten – das Anzünden der Lampe, das Säuern des Mehls, das Verborgen an den Nachbarn, der Verlust der Münze, das Verirren der Schafe. Selbst auch in den unliebsamen Tatsachen der Welt, welche er zu heiligem Gebrauch wendet, solche wie der ungerechte Richter, der unehrliche Verwalter, die treulosen Arbeiter, ignoriert er den Tempel. Schaut, wie er die Teufel aus den Seelen und Leiber der Menschen treibt, wie wir die Wölfe von unseren Schafweiden! Wie vor ihm die Krankheiten, schuppig und fleckig, davoneilen und fliehen! Die Welt hat für ihn keine Kammer des Grauens. Er schreitet durch die Tür der Gruft, den versiegelten Keller des Hauses seines Vaters und ruft hervor seine vier Tage lang Toten. Er weist die Trauernden zurecht, er hält den Beerdigungszug an und gibt die verblichenen Kinder zurück in die Arme ihrer Eltern. Die rauesten ihrer Diener lassen ihn nicht zurückschrecken; keiner von ihnen ist so überheblich, als seinem Wort nicht zu gehorchen; er schläft ein mitten im Sturm, der das Boot zu verschlingen droht. Hört wie er, bei derselben Gelegenheit, seine Jünger zurechtweist! Kinder, die zittern bei einem Windstoß im Hause! Gottes Kindlein angstvoll bei einem Sturm! Hört ihn, dem nassen Grund sagen, still zu sein und nicht länger seine Brüder umherzuwerfen! Seht den nassen Grund ihm gehorchen und still werden! Seht, wie die umherwandernden Geschöpfe darunter kommen auf seinen Ruf hin! Seht ihn seinen Berges-Rückzug verlassen und dahin gehen über seine bebende Oberfläche zur Hilfe seiner Menschen geringen Glaubens! Seht, wie das Wasser der Welt sich in Wein verwandelt! Wie ihr Brot mehr Brot wird auf sein Wort hin! Seht, wie er für eine Weile aus dem Haus geht und mit neuer Kraft zurückkehrt, die Form annehmend, die ihm beliebt, durch geschlossene Türen schreitet und ihre unsichtbaren Stufen hinauf und hinunter geht!
Sein ganzes Leben lang war er inmitten der Dinge seines Vaters, ob im Himmel oder in der Welt – nicht nur, als sie ihn im Tempel in Jerusalem fanden. Er ist immer noch inmitten der Dinge seines Vaters, überall in der Welt, überall durch das ganze weite Universum hindurch. Was immer er auch ablegte, um zu uns zu kommen, welche Begrenzungen, um unseretwillen, er auch auf sein königliches Haupt legte, er ging mit den Dingen um sich herum in solch herrschaftlicher, kindhafter Weise um, als es verdeutlichte, dass sie ihm nicht fremd waren, sondern die Dinge seines Vaters. Er beanspruchte keines von ihnen als sein eigenes, hätte nicht eines davon für sich haben wollen außer durch seinen Vater. Nur als die seines Vaters konnte er sich daran erfreuen; – nur als aus dem Vater hervorgehend und erfüllt mit dem Denken und der Natur seines Vaters hatten sie irgendeine Existenz für ihn. Dass die Dinge seinem Vater gehörten, machte sie zu kostbaren Dingen für ihn. Er kümmerte sich nicht um das Haben, wie Menschen das Haben zählen. All sein Haben war im Vater. Ich frage mich, ob er jemals etwas in seine Tasche tat: ich zweifle, ob er überhaupt eine hatte. Sagte er jemals: „Dies ist meins, nicht deins“? Sagte er nicht: „alle Dinge sind mein, darum sind sie euer“? Oh, diese seine Freiheit inmitten der Dinge seines Vaters! Nur indem wir sie als die Dinge des Vaters erkennen, können wir unserer Versklavung durch sie entfliehen. Durch die falsche, die höllische Idee des Habens, des Besitzes von ihnen, machen wir sie zu Tyrannen über uns, machen die Beziehung zwischen ihnen und uns zu einer bösen Sache. Die Welt war ein gesegneter Ort für Jesus, weil alles darin seinem Vater gehörte. Was für ein Schmerz muss es nicht für ihn gewesen sein, seine Brüder zu sehen, wie sie das Haus des Vaters so niederträchtig missbrauchten, indem sie, jeder für sich selbst, nach den Dingen der Familie griffen! Wenn das Wissen, dass ein Flecken in der Landschaft in sich eine Verschmutzung enthält, genügt, unser Vergnügen am Ganzen zu stören, wie muss es nicht für ihn gewesen sein, wie muss es nicht jetzt für ihn sein, in Bezug auf die Entstellungen und Verschmutzungen, verursacht durch die Gier der Menschen, durch ihre Eile, reich zu sein, im lieblichen Haus seines Vaters!
Wer immer in der Lage ist, Wordsworth oder Henry Vaughan zu verstehen, wenn beide von den herrlichen Einsichten ihrer Kindheit sprechen, wird dazu in der Lage sein, sich ein wenig vorzustellen, wie Jesus, in seiner ewigen Kindschaft, die Welt betrachten muss.
Hört, was Wordsworth sagt: –
Our birth is but a sleep and a forgetting;
The Soul that rises with us, our life’s Star,
Hath had elsewhere its setting
And cometh from afar;
Not in entire forgetfulness,
And not in utter nakedness,
But trailing clouds of glory do we come
From God, who is our home:
Heaven lies about us in our infancy!
Shades of the prison-house begin to close
Upon the growing Boy,
But he beholds the light, and whence it flows,
He sees it in his joy;
The Youth, who daily farther from the east
Must travel, still is Nature’s priest,
And by the vision splendid
Is on his way attended;
At length the Man perceives it die away,
And fade into the light of common day.
[Anmerkung: Aus dem Gedicht „Ode on Intimations of Immortality from Recollections of Early Childhood“ von William Wordsworth – 1770-1850]
[frei übersetzt:
Unsere Geburt ist nur ein Schlaf und ein Vergessen;
Die Seele, die aufsteigt mit uns, unseres Lebens Stern,
Hatte anderswo ihren Sitz
Und kommt von weit her;
Nicht in völliger Vergessenheit,
Und nicht und völliger Nacktheit,
Sondern als wandernde Wolken der Herrlichkeit kamen wir
Von Gott, welcher unser Heim ist:
Der Himmel liegt auf uns in unserer Kindheit!
Schatten des Gefangenenhauses beginnen sich zu schließen
Um den aufwachsenden Jungen,
Doch er schaut das Licht und woher es fließt,
Er sieht es in seiner Freude;
Der Jüngling, welcher täglich weiter fort vom Osten
Reisen muss, ist immer noch Priester der Natur,
Und durch die strahlende Vision
Wird er begleitet auf seinem Weg;
Auf lange Sicht beobachtet der Mann es ersterbend
Und verblassend in das Licht des gemeinen Tages.]
Hört, was Henry Vaughan sagt: –
Happy those early days! when I
Shined in my angel infancy.
Before I understood this place
Appointed for my second race,
Or taught my soul to fancy aught
But a white, celestial thought;
When yet I had not walked above
A mile or two from my first love,
And looking back, at that short space,
Could see a glimpse of His bright face;
When on some gilded cloud or flower
My gazing soul would dwell an hour,
And in those weaker glories spy
Some shadows of eternity;
Before I taught my tongue to wound
My conscience with a sinful sound,
Or had the black art to dispense
A several sin to every sense,
But felt through all this fleshly dress
Bright shoots of everlastingness.
O, how I long to travel back,
And tread again that ancient track!
That I might once more reach that plain
Where first I left my glorious train,
From whence th’ enlightened spirit sees
That shady city of palm trees.
[Anmerkung: Aus dem Gedicht „The Retreat“ von Henry Vaughan 1621/22 – 1695 – walisischer Dichter]
[frei übersetzt:
Glücklich jene frühen Tage! Als ich
Leuchtete in meiner engelhaften Kindheit.
Ehe ich diesen Ort verstand
Bezeichnet für meinen zweiten Lauf,
Oder meine Seele lehrte sich vorzustellen
Bloß einen weißen, himmlischen Gedanken;
Als ich noch nicht gegangen bin mehr als
Eine Meile oder zwei von meiner ersten Liebe,
Und zurückschauend, auf die kurze Entfernung,
Einen flüchtigen Blick tun konnte auf Sein leuchtendes Gesicht;
Als auf einer geformten Wolke oder Blume
Meine betrachtende Seele für eine Stunde ruhen wollte,
Und in diesen abgeschwächten Herrlichkeiten erspähen
Einige Schatten der Ewigkeit;
Ehe ich lehrte meine Zunge zu verwunden
Mein Gewissen mit einem sündhaften Klang,
Oder beherrschte die schwarze Kunst auszuteilen
Eine jegliche Sünde jedem Sinn,
Sondern fühlte durch das ganze fleischliche Kleid hindurch
Leuchtende Strahlen des Immerwährenden.
O, wie lange dauert es, zurückzureisen,
Und abermals diesen alten Pfad zu beschreiten!
Dass ich einmal wieder diese Ebene erreiche,
Wo ich zuerst meinen herrlichen Straßenzug verließ,
Von woher der erleuchtete Geist schaut
Diese schattige Stadt der Palmen.]
Wer immer solcherart eine Blume oder Wolke betrachtet hat; wer immer die ärmlichste Erinnerung an die Spur der Herrlichkeit zurückrufen kann, die über seiner Kindheit hing, muss irgendeine blasse Idee haben, wie seines Vaters Haus und die Dinge darin immer aussahen und immer noch aussehen müssen für den Herrn. Bei ihm gibt es kein Verblassen in das Licht des gemeinen Tages. Er hat nie seine Kindschaft verloren, das eigentliche Wesen der Kindschaft, das Nahe-Sein dem Vater und das Ausgehen seiner schöpferischen Liebe ist; weshalb er, mit dieser Einsicht seiner ewigen Kindschaft, von welcher die Einsicht dieser Kindlein hier eine blasserer Widerschein ist, alles sehen muss, wie der Vater es meint. Das Kind sieht Dinge, wie der Vater will, dass es sie sieht, wie er von ihnen dachte, als er sie äußerte. Denn Gott ist nicht nur der Vater des Kindes, sondern von der Kindschaft, die es zu einem Kind macht, daher ist die Kindlichkeit von göttlicher Natur. Das Kind mag in der Tat nicht dazu in der Lage sein, Einsicht in die Vorgehensweise des Vaters zu haben, doch es kann in gewissem Maße sein Wirken verstehen, hat daher freien Zugang zu seinem Studierzimmer und seiner Werkstatt gleichermaßen, und ist willkommen herauszufinden, was es kann, mit der vollen Freiheit, ihm Fragen zu stellen. Es gibt auch Menschen, welche, im besten Fall, nach ihrem niedrigen Maß, Dinge sehen, wie sie sind – wie Gott sie immer sieht. Jesus sah die Dinge gerade so, wie sein Vater sie sah in seiner schöpferischen Vorstellung, als er sie willentlich den Augen seiner Kinder aussetzte. Doch wenn er die Dinge seines Vaters immer sehen konnte, gerade so, wie einige Menschen und mehr noch Kinder sie zeitweise sehen, mag er sich sehr wohl beinahe zu Hause unter ihnen gefühlt haben. Er konnte nicht aufhören, sie zu bewundern, nicht aufhören, sie zu lieben. Ich sage lieben, weil das Leben in ihnen, die Gegenwart des Schöpfers, stets deutlich für ihn sein würde. Würde in dem Vollkommenen die Vertrautheit jemals die Bewunderung für Dinge zerstören, die im Wesentlichen wundervoll sind, weil sie im Wesentlichen göttlich sind? Aufhören zu bewundern bedeutet, plump hinabzustürzen vom Kindhaften zum Gemeinen – der widergöttlichsten aller intellektuellen Stimmungen. Unsere Natur kann niemals zu Hause sein inmitten von Dingen, die nicht wundervoll für uns sind.
Könnten wir die Dinge immer sehen, wie wir sie manchmal gesehen haben – und wie wir sie eines Tages immer sehen müssen, nur weit besser – sollten wir da jemals Eintönigkeit kennen? So überaus wir alle Formen der Kunst genießen mögen, so viel wie wir lernen mögen durch die Augen und Gedanken anderer Menschen, sollten wir uns zu diesen hin flüchten vor der Ennui [Langeweile], vor dem heimsuchenden Unbehagen? Sollten wir nicht einfach unsere eigenen Kinder-Augen öffnen, auf die Dinge selbst schauen und getröstet werden?
Jesus also wollte, dass seine Eltern verstehen, dass er in der Welt seines Vaters inmitten der Dinge seines Vaters war, wo nichts war, ihn zu verletzen; er kannte sie alle, war im Geheimnis von ihnen allen, konnte sie gebrauchen und befehligen, wie sein Vater es tat. Zu demselben aufzusteigen, denke ich, sind wir Menschen alle bestimmt. Obwohl so viele von uns jetzt unwissend darüber sind, welche Art von Heim wir benötigen, welches Heim wir in der Lage sind zu haben, sollen auch wir die Erde erben mit dem ewigen Sohn, mit ihr tun, wie wir wollen – wollend mit dem Willen des Vaters. Zu einem solchen Heim, wie wir es jetzt bewohnen, nur vervollkommnet und vollkommen betrachtet, reisen wir hin – es niemals erreichend, außer durch den Gehorsam, der uns zu den Kindern macht, daher den Erben Gottes. Und, Dank sei Gott! Dort stirbt der Vater nicht, damit die Kinder erben mögen; denn, Wonne des Himmels! Wir erben mit dem Vater.
All die Bedrohungen für Jesus kamen von den Priestern und den Gelehrten des traditionellen Gesetzes, welche seine Eltern noch nicht begonnen hatten, um seinetwillen zu fürchten. Sie fürchteten die Gefahren des rauen Weges, die Diebe und Räuber des Höhenweges. Denn die Schriftgelehrten und die Pharisäer und die Oberen – sie wären doch die ersten, ihren Messias zu erkennen, ihren König! Kaum stellten sie sich vor, als sie ihn fanden, wo er am sichersten hätte sein sollen, wäre es tatsächlich seines Vaters Haus gewesen, dass er dort unter Löwen saß – den großen Doktoren des Tempels! Er konnte all die Dinge in seines Vaters Haus beherrschen, doch nicht die Männer der Religion, die Männer des Tempels, welche seinen Vater ihren Vater nannten. Wahrhaftig, er hätte sie mit einem Wort bezwingen können, sie vergehen lassen können mit nur einem Blick, mit nur einem Finger sie zu Staub zu seinen Füßen machen; doch solche Obergewalt über seine Brüder verachtete der Herr des Lebens. Er musste sie beherrschen, wie sein Vater sich selbst beherrschte; er wollte sie sich selbst erkennen lassen als von derselben Familie wie sich selbst; sie zu Hause sein lassen inmitten der Dinge Gottes, sich um die Dinge kümmernd, um die er sich kümmerte, liebend und hassend, wie er und sein Vater liebten und hassten, sich selbst beherrschend durch die grundlegenden Gesetze des Seins. Weil sie solche nicht sein wollten, ließ er sie an ihm tun, wie sie wollten, dass er an ihre Herzen käme, durch irgendeine unbekannte, unbewachte Tür in ihrem göttlicheren Teil. „Ich will Gott unter euch sein; ich will ich selbst für euch sein. – Ihr wollt mich nicht haben? Dann tut mit mir, was ihr wollt. Die Erschaffenen sollen Macht haben über ihn, durch welchen sie erschaffen wurden, dass sie gedrängt werden mögen, ihn und seinen Vater zu erkennen. Sie sollen auf den schauen, welchen sie durchbohrt haben.“
Seine Eltern fanden ihn im Tempel; sie fanden ihn niemals wirklich, bis sie in den wahren Tempel eintraten – ihre eigenen anbetenden Herzen. Der Tempel, der seinen Erbauer nicht kennt, ist kein Tempel; in ihm wohnt keine Gottheit. Doch auf lange Sicht kommt er zu den Seinen und die Seinen empfangen ihn; – er kommt zu ihnen in der Macht seiner Sendung, die gute Nachricht den Elenden zu predigen, die mit dem gebrochenen Herzen zu heilen, Befreiung zu predigen, und Einsicht, und Freiheit, und die gute Zeit des Herrn.
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