Apokalypse ist jeden Tag XXIX

Apokalypse ist jeden Tag

XXIX

Hochzeit (Inspiration zum neunzehnten Kapitel, Verse eins bis neun der Apokalypse des Johannes)

Der Schreiber der Apokalypse bleibt sich und seinem prophetischen Stil treu. Wir wechseln zu Beginn des neunzehnten Kapitels wieder die Perspektive und wenden uns fort von den irdischen Ereignissen zurück in die Himmlische Dimension.

Auch hier können wir uns vielleicht vorstellen, dass die aufgeschriebenen Gesänge von der Gemeinde, die den Text des Buches las oder hörte, aufgegriffen und mitgesungen wurden. Die Leser und Hörer werden selbst zu dieser Schar, die unendlich weit ist wie das rauschende Wasser der Ozeane. Sie stimmen ein in das Lied der Märtyrer, Heiligen, Engelwesen und Ältesten – allesamt Bilder für die Menge, die zu diesem Gott gehört, der nun besungen wird.

Nun, da Rom gefallen ist, eigentlich gerichtet durch sich selbst und seine eigenen Übeltaten, tritt das Lamm zum ersten Mal seit längerer Zeit wieder als handelnde Person auf. Nachdem es die Siegel geöffnet hatte, wurde das Gericht ja mehr und mehr in die Hände von Engeln oder irdischen Mächten gelegt. Der Christus als das geschlachtete Lamm, als das friedliche Lamm, das seinen Mund nicht auftut beim Tod durch den Schlachter, ist so ganz anders. Dieser Herrscher siegt anders als die römischen Kaiser und die Könige aus dem Osten, die Rom das Ende bringen. Gerade weil dieses Lamm so anders ist, hat es gesiegt und ist nun selbst König. Der Sieg durch Tod und Auferstehung und der Jubel der Gemeinde über die Vernichtung Roms bleiben unverständlich, wenn man nur das Toben der Gewalt als Mittel der Wirklichkeitsbewältigung kennt.

Es ist wichtig, sich deutlich zu machen, dass es die gesamte Gemeinde ist, die hier zur Hochzeit mit dem Lamm geladen ist. Nämlich diejenigen, die durch ihren eigenen Tod schon vorausgegangen sind und von Johannes vor dem himmlischen Thron gesichtet werden und diejenigen, die noch auf Erden sind und seine Worte lesen und hören. Sie sind eingeladen, treu zu bleiben, zur Hochzeit mit dem Lamm zu kommen. Jeder, der die Einladung hört, ist auch eingeladen.

Die himmlische Hochzeit ist kein zukünftiges Ereignis, sie ist ein ewiges Ereignis. Sie findet ständig statt – immer, wenn ein Mensch sich in diese Gemeinschaft des Friedens einladen lässt. Schon Jesus sprach in Gleichnissen davon, dass Gott seine Diener ausschickt, um zu einem Fest einzuladen. Diese Einladung galt immer und gilt immer, daran ändert sich nichts.

Die Braut, die Gemeinde – es scheint ein etwas antiquiertes Bild aus alten Kirchenliedern, das uns hier anweht. Aber vielleicht können wir uns den Jubel der Hochzeit zu eigen machen, wenn wir dem weltlichen Machtdurst den Rücken kehren und den geheimnisvollen Weg des Lammes suchen. Den Weg der Liebe, nämlich des Leidens, Durchhaltens, Überwindens und damit des Siegens.

Dazu will Johannes die Gemeinden ermutigen, uns ermutigen. Wir werden in das himmlische Fest hineingezogen, stimmen in die Freude ein. Hoffnung und Zuversicht sind ewig jetzt. Sie sind die Trauzeugen dieser Friedenshochzeit, zu der wir geladen sind. Sie sind das große Innehalten vor dem endgültigen Sieg über alles Bösartige, nach dem wir uns sehnen und der irgendwann kommen muss. Die folgenden Kapitel der Apokalypse werden es zeigen.